Warum ich trotz drohendem Bärenmarkt weiter in den S&P 500 investiere
Wer auf den perfekten Einstiegszeitpunkt wartet, verliert oft mehr als ein Anleger, der bei fallenden Kursen regelmäßig nachkauft.

Das Investieren kurz vor einem möglichen Marktrückgang fühlt sich unangenehm an. Genau daraus entsteht die Frage, die viele Anleger innehalten lässt: Wenn ich heute investiere, was passiert dann, wenn der Markt morgen fällt? Niemand möchte sehen, wie sein frisch angelegtes Geld an Wert verliert. Doch die Alternative schafft nach Einschätzung des Autors eine noch gefährlichere Falle: Wer einmal mit dem Warten beginnt, findet kaum noch einen Grund, der ihn jemals davon überzeugen würde, dass es sicher ist zu kaufen. Für Geld, das über viele Jahre nicht benötigt wird, sei ein Plan auf Basis von Unsicherheit deshalb besser als das endlose Warten auf den perfekten Einstiegszeitpunkt.
Der Beitrag stammt aus dem Umfeld von The Motley Fool und ist als Meinungsbeitrag eines langfristig orientierten Anlegers angelegt. Im Mittelpunkt steht der S&P 500 als breit gestreuter Index, der das Geld auf viele große amerikanische Unternehmen verteilt. Der Autor investiert nach eigener Darstellung weiterhin regelmäßig – auch mit der Möglichkeit eines Bärenmarkts vor Augen.
Wer wartet, findet immer einen Grund zum Zögern
Kriege, wirtschaftliche Turbulenzen, apokalyptische Prognosen: Die Realität zeigt, dass diese Dinge kommen und gehen. Manchmal fällt der Markt infolgedessen, manchmal nicht. Nach Einschätzung des Autors kann eine informierte Person praktisch immer etwas finden, das wie ein vernünftiger Vorwand erscheint, Investitionen zu verschieben. Erschwerend kommt hinzu, dass sich diese Angst oft unabhängig von der Marktrichtung zeigt: Steigende Preise wirken teuer, fallende Preise wie ein Warnsignal.
Studien, auf die sich der Beitrag beruft, zeichnen ein klares Bild: Wer sein Geld an der Börse arbeiten lässt, hat diejenigen konsequent übertroffen, die versucht haben, den Markt zu timen oder in Bargeld geblieben sind. Das Warten ist damit nicht nur eine Frage des Timings, sondern kann zur schlechten Angewohnheit werden.
Niedrigere Kurse erlauben mehr Anteile pro Sparrate
Eine Möglichkeit, die psychologische Hürde in einem fallenden Markt zu überwinden, besteht darin, niedrigere Preise als Vorteil zu begreifen. Das Rechenbeispiel aus dem Beitrag: Ein Anleger legt monatlich 200 Dollar an und kauft einen Index-ETF zu 100 Dollar pro Anteil – das ergibt zwei Anteile pro Monat. Fällt der ETF auf 80 Dollar, kauft dieselbe Summe von 200 Dollar monatlich 2,5 Anteile.
Zugegeben: Die früher gekauften Anteile haben an Wert verloren, und der Zukauf gleicht diesen Verlust nicht aus. Für Anleger, die über Jahrzehnte halten wollen, kann der niedrigere Preis jedoch helfen, deutlich mehr Anteile anzusammeln. Langfristig führe das zu mehr Vermögen und treibe den Zinseszins-Mechanismus an, der Buy-and-Hold-Investing ausmacht. Dies ist das Wesen des Dollar-Cost-Averaging: Wer regelmäßig Geld für Investitionen beiseitelegt, schaltet das emotionale Raten aus und senkt bei sinkenden Kursen den durchschnittlich gezahlten Preis.
Anlagegeld muss von kurzfristigen Verpflichtungen getrennt sein
Ein weiterer Grund für die Angst vor dem Einstieg in einen Einbruch liegt laut Quelle darin, dass manche Anleger das falsche Geld auf die falsche Weise arbeiten lassen. Anlagegeld sollte für langfristige Ziele reserviert sein, die durch kurzfristige Herausforderungen nicht unterbrochen werden. Notfälle, Rechnungen und kurzfristige Anschaffungen gehören in einen separaten Geldpool. So kann das Depot schwanken, ohne die Fähigkeit zu beeinträchtigen, über die Runden zu kommen – und es entsteht kein Zwang, im Einbruch zu verkaufen, um Bargeld zu beschaffen.
Wichtig ist aus Sicht des Autors vor allem die Routine: Werden 200 Dollar monatlich zu viel, sollte der Betrag gesenkt und die Routine nicht aufgegeben werden. Wem die Auswahl einzelner Aktien zu überfordernd erscheint, kann mit einem Indexfonds auf den S&P 500 beginnen. Viele dieser Produkte sind laut Beitrag unglaublich günstig, und der Kauf von Anteilen war noch nie einfacher.
Der Autor bleibt investiert, obwohl ein Bärenmarkt möglich ist
Steht ein Bärenmarkt bevor? Vielleicht, so der Autor. Macht ihn das nervös beim Investieren? Nein. Das heißt nicht, dass ein Rückgang im Bärenmarkt nicht wehtun würde. Langfristiges Investieren erfordert jedoch die Standhaftigkeit, Tiefs, Korrekturen und sogar Bärenmärkte zu überstehen. Die besten Anleger seien oft diejenigen, die Einbrüche genau so sehen, wie sie sind: als Chancen für langfristig orientierte Anleger, mehr Anteile zu einem niedrigeren Preis anzusammeln. Für deutsche Anleger ist dabei zu beachten, dass Sparraten, Währungseffekte zwischen Euro und Dollar sowie die persönliche Risikotragfähigkeit die individuelle Rechnung verändern können – der Beitrag selbst ist eine Meinungsdarstellung und keine individuelle Anlageempfehlung.
