Vitol-Star-Trader verliert hunderte Millionen Dollar durch Ölmarkt-Fehlspekulation
Fehlgeschlagene Wetten auf Energiederivate kosten Yaoyao Lius Team bei Vitol mehrere hundert Millionen US-Dollar.

Ein Team des renommierten Händlers Yaoyao Liu beim weltgrößten Ölhändler Vitol hat zu Beginn des Iran-Krieges massive Verluste in Höhe von mehreren hundert Millionen US-Dollar erlitten. Das berichten mit der Angelegenheit vertraute Personen. Die Fehlspekulationen am Erdölmarkt trafen einen der bekanntesten Namen der internationalen Energiehandelsbranche.
Yaoyao Liu gilt in der eng vernetzten Welt des Rohstoffhandels als legendär. Er ist bekannt für seine gewaltigen, oft hochprofitablen Wetten auf Energiederivate – stets im Auftrag von Vitol. Seine Transaktionen sind so umfangreich und einflussreich, dass Führungskräfte von Konkurrenzunternehmen aktiv versucht haben, seine Handelsstrategie zu entschlüsseln.
Die fehlgeschlagenen Wetten im Detail
Zu den verlustreichen Positionen, die Liu und sein Team eingegangen sein sollen, gehören zwei spezifische Spekulationen: Erstens setzten sie darauf, dass die Dieselpreise im Vergleich zu Kerosin steigen würden. Zweitens wetteten sie darauf, dass der Preis für Dubai-Rohöl im Vergleich zur internationalen Referenzsorte Brent sinken würde.
Diese Positionen wären profitabel gewesen, wenn US-Präsident Trump den militärischen Aufmarsch zurückgefahren hätte, der zu Beginn des Jahres für erhebliche Unruhe an den Energiemärkten gesorgt hatte. Die Märkte entwickelten sich jedoch in die entgegengesetzte Richtung.
Straße von Hormus als Wendepunkt
Als der Krieg ausbrach und der Iran die strategisch bedeutsame Straße von Hormus sperrte, liefen die Preisbewegungen direkt gegen Lius Positionen. Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt für den Öltransport und verbindet den Persischen Golf mit dem Arabischen Meer. Eine Sperrung dieser Meerenge hat unmittelbare und weitreichende Auswirkungen auf die globalen Energiemärkte.
Die Kombination aus geopolitischer Eskalation und den daraus resultierenden Marktbewegungen traf das Team von Liu damit auf dem falschen Fuß. Wetten, die auf eine Deeskalation ausgerichtet waren, erwiesen sich als kostspielig.
Teilweise Erholung – Vitol insgesamt im Plus
Trotz der erheblichen Verluste gibt es laut den mit der Angelegenheit vertrauten Personen auch positive Signale. Lius Team habe seitdem einen Teil der Verluste wieder wettgemacht, berichtet eine der Quellen. Zudem liege das Unternehmen Vitol insgesamt für das laufende Jahr im Plus, so eine weitere mit der Sache vertraute Person.
Vitol ist als weltgrößter unabhängiger Ölhändler ein zentraler Akteur auf den globalen Energiemärkten. Das in Rotterdam ansässige Unternehmen handelt täglich mit enormen Mengen an Rohöl und Ölprodukten und ist damit ein wichtiger Preisbildner im internationalen Energiehandel. Der Vorfall zeigt einmal mehr, wie stark geopolitische Ereignisse selbst erfahrene Marktteilnehmer überraschen können.
