Südkorea kurz vor Abschluss von Öl-Lieferverträgen mit Kasachstan
Industrieminister Kim kündigt konkrete Mengen und Details für Anfang nächster Woche an – Seoul diversifiziert Energieversorgung.

Südkorea steht unmittelbar vor dem Abschluss von Vereinbarungen über Rohöllieferungen aus Kasachstan. Industrieminister Kim Jung-kwan bestätigte am Sonntag in einem Interview mit dem lokalen Fernsehsender KBS, dass die Verhandlungen weit fortgeschritten sind. „Es wurden beachtliche Fortschritte erzielt, sodass wir Anfang nächster Woche konkrete Mengen und Details bekannt geben können", erklärte Kim.
Der Hintergrund der Bemühungen ist die angespannte Lage im Nahen Osten. Störungen des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus haben Seoul dazu veranlasst, aktiv nach alternativen Energiequellen zu suchen. Südkorea deckt rund 70 Prozent seines Ölbedarfs aus dem Nahen Osten und ist bei seiner Energieversorgung nahezu vollständig auf Importe angewiesen.
Hochrangige Delegation bereiste Kasachstan, Oman und Saudi-Arabien
Anfang April reiste der Stabschef des Präsidenten, Kang Hoon-sik, gemeinsam mit Industrieminister Kim nach Kasachstan, Oman und Saudi-Arabien. Ziel der Reise war es, die Versorgung mit Rohöl und Naphtha angesichts der Beeinträchtigungen durch die Straße von Hormus zu sichern. Die Delegation setzte damit ein klares Signal: Seoul nimmt die Diversifizierung seiner Energieversorgung ernst.
Minister Kim räumte ein, dass Kasachstan auf den ersten Blick wie ein ungewöhnlicher Partner wirken mag. „Kasachstan mag sehr weit entfernt klingen, aber die Lieferungen nehmen tatsächlich etwa die gleiche Zeit in Anspruch wie Verschiffungen aus den USA – etwa 50 bis 60 Tage", so Kim. Der Besuch in dem zentralasiatischen Land ziele zudem auf eine langfristige Diversifizierung der Ölversorgung ab.
Südkorea sichert sich Rohöl aus mehreren Quellen
Kasachstan ist nicht die einzige neue Bezugsquelle, die Südkorea erschließt. Bereits im vergangenen Monat sicherte sich Seoul eine Zusage der Vereinigten Arabischen Emirate über die Lieferung von 24 Millionen Barrel Rohöl. Die Kombination aus neuen Vereinbarungen mit den VAE und dem bevorstehenden Abschluss mit Kasachstan zeigt die Breite der südkoreanischen Diversifizierungsstrategie.
Für Südkorea ist die Abhängigkeit vom Nahen Osten seit Jahrzehnten ein strukturelles Risiko. Das Land verfügt über keine nennenswerten eigenen Energiereserven und muss seinen gesamten Bedarf an Rohöl importieren. Angesichts geopolitischer Spannungen in der Region gewinnt die Erschließung alternativer Lieferwege und -partner strategisch an Bedeutung. Die Einbindung Kasachstans als zentralasiatischer Lieferant könnte dabei langfristig eine wichtige Rolle spielen.
