Vier Wege, wie Verbraucher ihre Energiekosten niedrig halten
Britische Energiepreise steigen auf ein Dreijahreshoch: Ofgem rät zu Festpreis, Lastschrift, staatlicher Unterstützung und bewusstem Verbrauch.

Die Energiepreise in Großbritannien steigen Anfang Oktober auf ein Dreijahreshoch. Prognosen deuten darauf hin, dass die Kosten im Januar ebenfalls deutlich ansteigen werden. Damit geraten Millionen Haushalte unter Druck, die ihre Gas- und Stromrechnungen über variable Tarife oder Standardtarife begleichen. Der Regulierer Ofgem greift mit seiner Preisobergrenze (Price Cap) in die Lebenshaltungskosten dieser Verbraucher ein.
Verbraucher mit unterschiedlichen Tarifen könnten in einem kalten Winter mehr Energie verbrauchen – und damit auch mehr bezahlen. Die zentrale Frage lautet daher: Was lässt sich tun, um die steigenden Rechnungen im Zaum zu halten? Die BBC hat dazu vier Ansatzpunkte zusammengestellt, die von der Wahl des Tarifmodells über die Zahlungsart bis zur staatlichen Unterstützung reichen.
Die vier Wege im Überblick:
- Prüfen, ob ein Wechsel zu einem Festpreis sinnvoll ist
- Die Rechnung per Lastschrift (Direct Debit) bezahlen
- Prüfen, welche finanzielle Unterstützung zusteht
- Den eigenen Energieverbrauch erneut überprüfen
Die Details
Der Energieregulierer Ofgem rät Verbrauchern, einen Festpreisvertrag abzuschließen. Damit ändert sich der pro Kilowattstunde berechnete Preis für Gas oder Strom nicht alle drei Monate. Die Gesamtrechnung hängt allerdings weiterhin davon ab, wie viel Energie tatsächlich verbraucht wird. Das Problem: Derzeit ist es sehr schwierig einzuschätzen, ob ein Festpreisangebot tatsächlich vorteilhaft ist.
Sollten die Energiepreise stark ansteigen, haben Haushalte mit bereits vereinbartem Festpreis die Sicherheit, zu welchem Preis sie jede Einheit Energie beziehen. Dieser Preis könnte durchaus niedriger sein als der für Januar prognostizierte Preis. Beruhigt sich die Lage in der Golfregion und führt ein Friedensschluss im Iran-Krieg zu niedrigeren internationalen Gaspreisen, könnte ein längerfristiger Festpreis im Vergleich zur Preisobergrenze jedoch weniger attraktiv erscheinen.
Die Verbraucherorganisation Which? empfiehlt daher, beim Abschluss eines Festpreisvertrags die Ausstiegsklauseln genau zu prüfen. Fallen die variablen Preise unter den eigenen Festpreis und soll der Vertrag vor Ablauf der vereinbarten Laufzeit beendet werden, können hohe Strafgebühren anfallen. Die Verbraucherwebsite Money Saving Expert rät, vor der Entscheidung nicht nur das Angebot des eigenen Versorgers zu betrachten, sondern alle verfügbaren Angebote zu vergleichen.
Beim zweiten Punkt verweist Ofgem darauf, dass etwa fünf Millionen Menschen ihre Rechnung erst erhalten, wenn sie alle drei Monate fällig wird. Bei einigen liegt das daran, dass sie nicht wollen, dass ihr Anbieter den Verbrauch schätzt – aus Angst vor einer Überzahlung. Regelmäßige Zählerstände oder der Einbau eines Smart Meters lösen dieses Problem. Zudem ist die Zahlung per monatlicher Lastschrift pro Einheit günstiger als die sogenannte Standard-Lastschrift (Standard Credit). Um von den angebotenen Festpreisen profitieren zu können, müssen Kunden in der Regel – wenn auch nicht immer – auf Lastschrift umstellen.
Kunden mit Vorauszahlungstarifen – meist einkommensschwache Personen, die Schwierigkeiten haben, ihre Rechnungen zu begleichen – zahlten früher höhere Raten als andere. Inzwischen zahlen sie etwas weniger als der durch die Preisobergrenze begrenzte variable Lastschriftsatz. Daneben gibt es eine Reihe von Preismodellen, die günstigen Strom in Schwachlastzeiten anbieten, beispielsweise wenn nachts ein Elektroauto geladen wird.
Beim dritten Punkt geht es um finanzielle Unterstützung. Diesen Winter erhält jeder, der bedarfsgeprüfte Leistungen bezieht, 150 Pfund Rabatt auf seine Stromrechnung. Der Versorger wendet diesen Rabatt automatisch an – es sei denn, der Kunde lebt in Schottland; dort muss er sich an sein Energieunternehmen wenden, um die Hilfe anzufordern. Einige Menschen sind zudem für die Cold Weather Payment berechtigt, und die meisten Rentner erhalten die Winterheizkostenzulage, nachdem politischer Druck die Regierung gezwungen hatte, ihren Plan zurückzunehmen, diese Leistung nur auf die ärmsten Rentner zu beschränken.
Darüber hinaus bieten die meisten Energieversorger Härtefallzuschüsse für Menschen an, die Schwierigkeiten haben, ihre Rechnungen zu begleichen. Das staatliche Programm „Fuel Direct“ kann helfen, Energieschulden zurückzuzahlen. Weitere Beratung gibt es bei Ofgem, Citizens Advice oder beim eigenen Energieanbieter; der Branchenverband Energy UK hat eine Liste der Unterstützungsprogramme zusammengestellt. Personen mit niedrigem Einkommen können möglicherweise auch für Zuschüsse zur Isolierung ihrer Häuser qualifiziert sein. Es gibt zudem lokale Programme, die Zuschüsse für Solarpaneele, Wärmepumpen und ähnliches anbieten. Bei der Suche nach Zuschüssen ist jedoch Vorsicht geboten: Es gibt Betrüger, die sich als offizielle Rabattschemata ausgeben.
Beim vierten Punkt steht der Verbrauch im Mittelpunkt. Sinken die Außentemperaturen, ist es wichtig, warm zu bleiben – insbesondere für sehr junge und alte Menschen sowie für Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen oder verminderter Mobilität. Es gibt jedoch zahlreiche Möglichkeiten, die Rechnungen niedrig zu halten, ohne die Temperatur in der Wohnung unter das empfohlene Minimum von 18 Grad Celsius fallen zu lassen.
Wer in den vergangenen beiden Wintern bereits dickere Vorhänge aufgehängt und Zugluft gedämmt hat, sollte weiterdenken: Heizkörper in nicht genutzten Räumen abdrehen und warme Kleidung tragen. Money Saving Expert rät dazu, „die Menschen zu heizen und nicht das Haus“. Das Herunterschrauben der Durchflussrate bei einem Kombibrennwertkessel kann Geld sparen, da das Wasser oft höher erhitzt wird als nötig. Größere Mahlzeiten am Stück zuzubereiten (Batch Cooking) und für kleine Speisen eine Heißluftfritteuse oder Mikrowelle statt des Backofens zu nutzen, kann ebenfalls Energie sparen. Kürzere Duschen und Waschen bei 30 Grad statt bei 40 Grad gehören zu den einfachen Stellschrauben. Wäsche sollte, wenn möglich, im Freien getrocknet werden statt im Wäschetrockner – oder innen aufgehängt werden, dann aber mit guter Lüftung oder einem Entfeuchter, um Feuchtigkeitsschäden zu vermeiden. Wer über einen Umzug oder Renovierungsarbeiten nachdenkt, sollte durchrechnen, wie sich die Rechnungen senken lassen; bei Haushaltsgeräten lohnt der Blick auf energieeffiziente Modelle.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die Entwicklung der britischen Energiepreise ist in diesem Jahr mehrfach in Bewegung geraten. Bereits am 21.04.2026 berichtete aktien.news, dass die Energiekosten für britische Haushalte zum 1. April um 7 Prozent gesunken waren. Grund dafür war das Inkrafttreten einer neuen Preisobergrenze sowie eine geänderte Berechnungsmethode für die Gebühren. Rund 19 Millionen Haushalte in Großbritannien waren von dieser Regelung betroffen. Allerdings fiel die Ersparnis geringer aus als ursprünglich erwartet, weil gestiegene Kosten für die Instandhaltung des Energienetzes den finanziellen Vorteil für die Verbraucher spürbar schmälerten.
Am 27.05.2026 folgte die Gegenbewegung: aktien.news berichtete, dass die Energiepreise für private Haushalte in Großbritannien im Juli um 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigen. Auslöser war der Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran, der die globalen Großhandelspreise für Energie massiv in die Höhe trieb. Die Regulierungsbehörde Ofgem bestätigte, dass die explodierenden Großhandelskosten nun erstmals direkt auf den Rechnungen der Verbraucher ankamen. Für einen durchschnittlichen Haushalt mit Gas- und Stromversorgung bedeutete das Mehrkosten von 221 Britischen Pfund pro Jahr. Die jährliche Gesamtrechnung stieg damit auf 1.862 Britische Pfund, was einer monatlichen Mehrbelastung von 18 Pfund entspricht.
Was das für Anleger bedeutet
Der britische Energiemarkt ist stark reguliert: Die Preisobergrenze legt fest, wie viel Energieversorger pro Einheit Gas und Strom von Haushaltskunden verlangen dürfen. Für Investoren, die sich mit Versorgern oder der Energiewirtschaft befassen, ist deshalb entscheidend, wie sich Großhandelspreise und politisch gesetzte Rahmenbedingungen zueinander verhalten. Steigende Großhandelskosten, wie sie im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg beschrieben wurden, schlagen über kurz oder lang auf die Verbraucherrechnungen durch – sofern die Preisobergrenze sie nicht abfedert.
Gleichzeitig zeigt der Bericht vom April, dass regulatorische Eingriffe auch in die andere Richtung wirken: Eine neue Preisobergrenze und eine geänderte Berechnungsmethode senkten die Kosten, allerdings fiel die Entlastung wegen gestiegener Netz-Instandhaltungskosten geringer aus als erwartet. Deutsche Privatanleger, die in britische Energieversorger oder in den europäischen Versorgermarkt investieren, sollten diese Wechselwirkungen zwischen Regulierung, Netzkosten und Rohstoffpreisen im Blick behalten. Der Druck auf einkommensschwache Haushalte bleibt dabei ein politisch sensibles Thema – sichtbar daran, dass die Regierung ihren Plan zur Begrenzung der Winterheizkostenzulage zurücknehmen musste.
Ausblick
Für die kommenden Monate stehen aus Sicht der Verbraucher vor allem zwei Zeitpunkte im Vordergrund: Anfang Oktober markierten die Energiepreise ein Dreijahreshoch, und Prognosen deuten auf einen deutlichen Anstieg der Kosten im Januar hin. Die Preisobergrenze von Ofgem wird regelmäßig angepasst; in einem Festpreisvertrag ändert sich der Preis pro Kilowattstunde im Gegensatz dazu nicht alle drei Monate. Ob sich ein längerfristiger Festpreis gegenüber der Preisobergrenze als günstiger erweist, hängt maßgeblich davon ab, wie sich die internationalen Gaspreise entwickeln – ein Friedensschluss im Iran-Krieg und eine Beruhigung in der Golfregion könnten hier für Entlastung sorgen.
Kurz erklärt
- Preisobergrenze (Price Cap): Vorgabe des Regulierers Ofgem, die begrenzt, wie viel Energieversorger pro Einheit Gas und Strom von Haushaltskunden verlangen dürfen.
- Lastschrift (Direct Debit): Monatliche Zahlungsform, bei der der Versorger den Betrag automatisch einzieht und die pro Einheit günstiger ist als die Standard-Lastschrift.
- Härtefallzuschuss: Unterstützungsangebot der Energieversorger für Menschen, die Schwierigkeiten haben, ihre Rechnungen zu begleichen.
