USA und EU koordinieren Handelspolitik für kritische Rohstoffe gegen China
Washington und Brüssel veröffentlichen gemeinsamen Aktionsplan zur Sicherung von Lieferketten bei kritischen Mineralien.

Die Vereinigten Staaten und die Europäische Union haben am Freitag einen gemeinsamen Aktionsplan zur Koordinierung ihrer Handelspolitik bei kritischen Mineralien vorgestellt. Ziel ist es, die Lieferketten für Rohstoffe zu sichern, die in der modernen Fertigung unverzichtbar sind. Gleichzeitig sollen Pläne für ein verbindliches plurilaterales Abkommen geprüft werden.
Der Plan ist Teil der Bemühungen der Trump-Administration, mit westlichen Verbündeten enger zusammenzuarbeiten. Im Mittelpunkt stehen Materialien, die für die Herstellung von Halbleitern, Elektrofahrzeugen und modernen Waffen benötigt werden. China kontrolliert derzeit einen Großteil der weltweiten Verarbeitung dieser strategisch bedeutsamen Rohstoffe.
Greer und Sefcovic treffen sich in Washington
US-Handelsbeauftragter Jamieson Greer traf am Freitag mit EU-Kommissar Maros Sefcovic zusammen. Greer erklärte, die USA und die EU teilten die Verpflichtung, „nicht marktkonforme Politiken und Praktiken anzugehen, die die Lieferketten für kritische Mineralien verzerrt haben". Die gemeinsame Erklärung unterstreicht den wachsenden politischen Willen auf beiden Seiten des Atlantiks, Abhängigkeiten von China zu reduzieren.
Washington und Brüssel wollen konkret prüfen, wie Handelsmaßnahmen die heimische Industrie stärken können. Dazu gehören etwa grenzüberschreitend angepasste Preisuntergrenzen, die sowohl den Sektor der kritischen Mineralien selbst als auch nachgelagerte Industrien schützen sollen. Diese nachgelagerten Sektoren gelten als entscheidend für die industrielle Wettbewerbsfähigkeit beider Wirtschaftsräume.
Chinas Dominanz als strategisches Druckmittel
China hat seine dominante Stellung in der Mineralienverarbeitung in der Vergangenheit gezielt als wirtschaftliches Druckmittel eingesetzt. Peking beschränkte zeitweise Exporte, drückte Preise und untergrub damit die Fähigkeit anderer Länder, ihre Rohstoffquellen zu diversifizieren. Diese Strategie hat westliche Regierungen zunehmend alarmiert und den Druck erhöht, alternative Lieferketten aufzubauen.
Für deutsche und europäische Anleger sowie Unternehmen ist das Thema von besonderer Relevanz. Die deutsche Industrie – von der Automobilbranche bis zur Halbleiterfertigung – ist auf eine stabile Versorgung mit kritischen Rohstoffen angewiesen. Ein koordinierter transatlantischer Ansatz könnte langfristig die Versorgungssicherheit verbessern und Preisschwankungen durch chinesische Exportbeschränkungen abfedern.
Der nun vorgestellte Aktionsplan markiert einen wichtigen Schritt in der transatlantischen Wirtschaftsdiplomatie. Ob und wann ein verbindliches plurilaterales Abkommen zustande kommt, bleibt jedoch noch offen. Die Prüfung entsprechender Handelsmaßnahmen steht erst am Anfang eines längeren politischen Prozesses.
