USA und EU koordinieren Handelspolitik für kritische Mineralien gemeinsam
Washington und Brüssel veröffentlichen Aktionsplan zur Koordinierung von Lieferketten – mit dem Ziel eines verbindlichen plurilateralen Abkommens.

Die Vereinigten Staaten und die Europäische Union haben am Freitag, dem 24. April, einen gemeinsamen Aktionsplan zur Koordinierung ihrer Handelspolitik bei kritischen Mineralien veröffentlicht. Das Dokument zielt auf den künftigen Abschluss eines verbindlichen plurilateralen Abkommens ab. Es handelt sich um einen bedeutenden Schritt westlicher Verbündeter, um ihre Abhängigkeit von einzelnen Lieferländern bei strategisch wichtigen Rohstoffen zu verringern.
Der Plan erwähnt China zwar nicht explizit, ist jedoch eindeutig als Reaktion auf Pekings marktbeherrschende Stellung bei der Verarbeitung kritischer Mineralien zu verstehen. China hat diese Dominanz in der Vergangenheit als geoökonomisches Druckmittel eingesetzt – unter anderem durch zeitweise Exportbeschränkungen, gezielte Preisdrückung und die Untergrabung von Diversifizierungsbemühungen anderer Länder.
Strategische Bedeutung für Halbleiter, E-Autos und Rüstung
Kritische Mineralien sind unverzichtbare Grundstoffe für die moderne Industrie. Sie werden für die Herstellung von Halbleitern, Elektrofahrzeugen und modernen Waffen benötigt. Wer die Lieferketten dieser Materialien kontrolliert, besitzt erheblichen geopolitischen Einfluss – ein Umstand, den China in den vergangenen Jahren zunehmend strategisch genutzt hat.
Die Initiative ist Teil einer umfassenderen Strategie der Trump-Administration, mit westlichen Verbündeten zusammenzuarbeiten, um Chinas Dominanz bei diesen Schlüsselmaterialien zu lockern. Für Deutschland und die EU ist das Thema besonders relevant, da die europäische Automobil- und Elektronikindustrie in hohem Maße auf eine stabile Versorgung mit diesen Rohstoffen angewiesen ist.
Greer und Sefcovic treffen sich in Washington
US-Handelsbeauftragter Jamieson Greer traf sich im Laufe des Freitags mit EU-Kommissar Maros Sefcovic, um die Zusammenarbeit zu vertiefen. Greer betonte, die USA und die EU teilten die Verpflichtung, „gegen nicht marktkonforme Politiken und Praktiken vorzugehen, welche die Lieferketten für kritische Mineralien verzerrt haben."
Konkret sollen laut Greer Handelsmaßnahmen geprüft werden, die die heimische Industrie für kritische Mineralien sowie nachgelagerte Sektoren stärken. Als mögliches Instrument nannte er grenzüberschreitend angepasste Mindestpreise. Diese könnten dazu beitragen, die industrielle Wettbewerbsfähigkeit der beteiligten Länder langfristig zu sichern.
Der Aktionsplan markiert einen wichtigen Schritt in der transatlantischen Rohstoffpolitik. Ob und wann ein verbindliches plurilaterales Abkommen tatsächlich zustande kommt, bleibt abzuwarten – die politischen und wirtschaftlichen Interessen der beteiligten Parteien sind komplex. Für Investoren und Unternehmen in der Rohstoff-, Halbleiter- und Automobilbranche dürfte die Entwicklung dieser Initiative jedoch von erheblicher Bedeutung sein.
