Brasilien lehnt staatlichen Bergbaukonzern ab – US-Mineralienabkommen stockt
Industrieminister Rosa erteilt staatlichem Bergbauunternehmen eine klare Absage, während ein bilaterales Mineralienabkommen mit den USA ins Stocken gerät.

Brasilien wird kein staatliches Unternehmen für kritische Mineralien gründen. Das erklärte Industrieminister Marcio Elias Rosa am Freitag gegenüber dem lokalen Sender CanalGov. „Es besteht keinerlei Notwendigkeit, ein Staatsunternehmen für die Exploration oder Verarbeitung kritischer Mineralien zu gründen", sagte Rosa und verwies darauf, dass der bestehende Regulierungsrahmen bereits ausreichende Anreize für den Sektor biete.
Die Aussage fällt in eine politisch turbulente Phase: Ein nationaler Rahmen für kritische Mineralien steckt im brasilianischen Kongress fest, und die Regierung von Präsident Lula hat ihre eigene Frist für eine umfassendere Bergbaustrategie verpasst. Der Gesetzentwurf unter Führung des Bundesabgeordneten Arnaldo Jardim sieht einen Fonds von bis zu 5 Milliarden Reais (rund 1 Milliarde US-Dollar) zur Unterstützung von Bergbauprojekten vor. Beamte haben jedoch Bedenken geäußert, dass bestimmte Klauseln staatliche Eingriffe in den Sektor ausweiten könnten.
Steuervergünstigungen vom Tisch
Finanzminister Dario Durigan betonte, der künftige Rahmen werde nationale Souveränität und inländische Wertschöpfung in den Vordergrund stellen – ohne auf breite Steuervergünstigungen zu setzen. Er argumentierte, die starke weltweite Nachfrage nach kritischen Mineralien reiche bereits aus, um Investoren anzuziehen. Gezielte Instrumente wie das Programm „Eco Invest" sollen selektiv zur Unterstützung einzelner Projekte eingesetzt werden.
Brasilien besitzt nach China die weltweit größten Reserven an Seltenen Erden – produziert jedoch weniger als 1 Prozent der globalen Fördermenge. Dieses Missverhältnis macht das Land für internationale Investoren und strategische Partner besonders interessant, sorgt aber auch für politischen Druck, die Ressourcen stärker zu nutzen. Neil Harrington, Senior Vice President für Amerika bei der US-Handelskammer, brachte es auf einem Gipfeltreffen in São Paulo auf den Punkt: „Brasiliens kritische Mineralien sind zu bedeutend, als dass potenzielle politische Hindernisse im Weg stehen könnten."
Die politische Unsicherheit bremst zwar keine Projekte vollständig aus, macht die Kapitalallokation jedoch selektiver. Das erklärte Carlos Nogueira, Senior Advisor Brasilien beim Beratungsunternehmen Plusmining, gegenüber MINING.COM. Insbesondere bei risikoreicheren Downstream-Investitionen – also der Weiterverarbeitung von Rohstoffen – suchten Entwickler klarere Signale zu Genehmigungen, Finanzierung und der Rolle des Staates.
Bilaterales Abkommen mit den USA unter Druck
Auf diplomatischer Ebene gestaltet sich die Lage zunehmend schwierig. Verpasste diplomatische Termine, blockierte Besuche und Handelsspannungen erschweren die Bemühungen um ein bilaterales Mineralienabkommen zwischen Brasilien und den USA – und das vor den brasilianischen Wahlen im Oktober. Analysten sprechen von einem breiten politischen Vakuum, das die wachsenden Reibungen zwischen Brasília und Washington widerspiegelt.
Trotz des fehlenden Bundesabkommens vertiefen die USA ihr Engagement auf regionaler Ebene. Der zentral gelegene Bundesstaat Goiás treibt eine Absichtserklärung mit US-Partnern voran, um Forschung, Investitionen und Verarbeitung rund um den Seltene-Erden-Betrieb Serra Verde auszuweiten. Serra Verde hat sich bereits ein Darlehen in Höhe von 565 Millionen US-Dollar von der U.S. International Development Finance Corp. gesichert und ist derzeit Ziel einer Übernahme durch das an der Nasdaq notierte Unternehmen USA Rare Earth (Ticker: USAR).
Das Vorgehen Bundesstaat für Bundesstaat zeigt: Selbst wenn die große politische Einigung auf sich warten lässt, suchen beide Seiten pragmatische Wege, um die strategische Zusammenarbeit im Bereich kritischer Mineralien voranzutreiben. Für deutsche und europäische Investoren, die die globale Rohstoffversorgung im Blick behalten, bleibt Brasilien damit ein Markt mit erheblichem Potenzial – aber auch mit erheblicher politischer Unsicherheit.
