USA kopieren Chinas Strategie bei kritischen Rohstoffen
Washington richtet 12-Milliarden-Dollar-Reserve ein – nach dem Vorbild des asiatischen Rivalen

Die Vereinigten Staaten setzen bei der Sicherung kritischer Rohstoffe zunehmend auf Methoden, die jahrzehntelang das Erfolgsrezept Chinas waren. Mit "Project Vault" schafft Präsident Donald Trump eine staatlich geführte Mineralienreserve im Wert von 12 Milliarden Dollar – finanziert größtenteils durch eine US-Regierungsbehörde.
Die Strategie erinnert stark an Beijings bewährtes Vorgehen: staatliche Kontrolle, strategische Reserven und die Beteiligung von Unternehmen mit Staatsanteil. Genau jener Ansatz also, den Washington bislang kritisiert und bekämpft hat. Die neu geschaffene "U.S. Strategic Critical Minerals Reserve" soll Amerika unabhängiger von ausländischen Lieferanten machen – insbesondere von China.
Paradigmenwechsel in der US-Rohstoffpolitik
Morgan Bazilian, Direktor des Payne Institute an der Colorado School of Mines, spricht von einem "vollständigen Paradigmenwechsel". Die USA geben damit ihre bisherige Marktphilosophie teilweise auf und setzen auf staatliche Intervention. Ein bemerkenswerter Kurswechsel für eine Nation, die traditionell auf freie Märkte setzt.
Der Sinneswandel kommt nicht von ungefähr: China hatte im vergangenen Jahr eindrucksvoll demonstriert, welche Macht die Kontrolle über Seltenerdmetalle verleiht. Beijing nutzte seine Vormachtstellung bei der Verarbeitung dieser Rohstoffe, um Handelszugeständnisse von der Trump-Administration zu erzwingen.
Seltenerdmetalle sind unverzichtbar für Hightech-Produkte, Elektrofahrzeuge, Windturbinen und Militärtechnologie. China kontrolliert derzeit rund 70 Prozent der weltweiten Förderung und über 90 Prozent der Verarbeitung. Diese Abhängigkeit gilt in Washington als strategisches Risiko.
Staatliche Beteiligung als neue Normalität
Besonders brisant: Ein Teil der Mineralien für die US-Reserve dürfte von Bergbauunternehmen stammen, die sich teilweise in Staatsbesitz befinden. Eine Ironie der Geschichte, hatte Washington doch jahrelang chinesische Staatsunternehmen als unfaire Wettbewerber kritisiert.
Die 12-Milliarden-Dollar-Initiative ist Teil einer umfassenderen Strategie zur Stärkung der heimischen Lieferketten. Experten sehen darin einen pragmatischen Schritt, der zeigt: Im globalen Wettbewerb um kritische Rohstoffe scheint das chinesische Modell erfolgreicher als die bisherige US-Strategie.
