US-Soldat wegen Insider-Trading auf Prediction Markets angeklagt
Ein Army-Sergeant nutzte Geheimdienstwissen zur Maduro-Festnahme für Wetten – und erzielte dabei fast 410.000 Dollar Gewinn.

Ein US-amerikanischer Soldat steht im Mittelpunkt eines historischen Strafverfahrens: Master Sergeant Gannon Ken Van Dyke, 38, wurde in North Carolina festgenommen und wegen Drahtbetrugs sowie der unrechtmäßigen Nutzung vertraulicher Regierungsinformationen angeklagt. Es handelt sich um die erste bundesrechtliche Strafverfolgung wegen Insider-Tradings, die explizit mit Prediction Markets – also Wettplattformen auf zukünftige Ereignisse – in Verbindung steht.
Van Dyke dient seit 2008 in der US-Armee und ist als Special-Forces-Soldat auf dem Stützpunkt Fort Bragg stationiert. Laut der Anklageschrift des US-Staatsanwalts für den Southern District of New York war er an der Planung und Durchführung des Überfalls vom 3. Januar in Caracas beteiligt, bei dem der venezolanische Machthaber Nicolás Maduro und seine Frau festgenommen wurden.
Die Wetten und der mutmaßliche Betrug
Kurz nach seiner Beteiligung an der Operationsplanung soll Van Dyke rund 33.000 US-Dollar auf der Krypto-Wettplattform Polymarket platziert haben. Die Wetten bezogen sich darauf, ob US-Streitkräfte bis zum 31. Januar in Venezuela präsent sein würden und ob Maduro bis zu diesem Datum nicht mehr im Amt wäre. Der erzielte Gewinn soll sich auf knapp 410.000 US-Dollar belaufen haben. Nach seiner Festnahme wurde Van Dyke gegen eine ungesicherte Kaution von 250.000 US-Dollar freigelassen und soll vor einem Bundesgericht in Manhattan erscheinen.
Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die weitgehend unregulierten Prediction Markets, die in den vergangenen Jahren stark an Popularität gewonnen haben. Polymarket ist eine Offshore-Plattform, die Kryptowährungen für die Abwicklung von Wetten nutzt und damit außerhalb des direkten Zugriffs US-amerikanischer Finanzaufsichtsbehörden operiert. CEO Shayne Coplan erklärte über soziale Medien, das Unternehmen habe das Justizministerium proaktiv über die verdächtigen Aktivitäten auf Van Dykes Konto informiert.
Regulierte Konkurrenz und behördliche Reaktion
Im Gegensatz zu Polymarket ist der US-Konkurrent Kalshi eine regulierte Plattform, die unter Aufsicht der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) steht. Kalshi bestätigte, dass Van Dyke bereits zuvor daran gehindert worden war, ein Konto zu eröffnen. Eine zivilrechtliche Klage der CFTC belegt, dass Van Dyke am 24. Dezember – drei Tage vor der erfolgreichen Kontoeröffnung bei Polymarket – versucht hatte, ein Konto bei einem CFTC-lizenzierten Markt zu eröffnen. Kalshi machte zuletzt auch durch die Suspendierung und Bestrafung von drei politischen Kandidaten Schlagzeilen, die auf ihren eigenen Wahlkampf gewettet hatten.
Branchenbeobachter sehen in dem Fall das Ende der unregulierten „Wilden-Westen"-Ära der Prediction Markets. Obwohl einige Offshore-Plattformen kaum Identitätsprüfungen vornehmen, ermöglicht die Blockchain-Technologie die Nachverfolgung verdächtiger Handelsmuster – im vorliegenden Fall sollen die Aktivitäten bereits wenige Stunden nach der Militäroperation aufgefallen sein.
Rechtliche Präzedenzwirkung und politische Konsequenzen
Rechtsexperten messen dem Verfahren erhebliche Bedeutung für künftige Fälle bei. Der frühere Bundesstaatsanwalt Renato Mariotti erklärte: „Dieser Fall wird wichtige Präzedenzfälle schaffen, die Händler in anderen Fällen betreffen könnten." Damit öffnet das Verfahren möglicherweise die Tür für Anklagen gegen Privatpersonen, die nicht-öffentliche Unternehmensinformationen für Wetten auf Ereigniskontrakte nutzen.
Auch die Politik reagiert: Senator Bernie Moreno (Republikaner, Ohio) brachte am Freitag einen Gesetzentwurf ein, der US-Senatoren den Handel auf Prediction Markets verbieten soll. Der Fall Van Dyke beschleunigt damit offensichtlich den Übergang von einem weitgehend unregulierten Umfeld hin zu verstärkter staatlicher Aufsicht – und sendet ein deutliches Signal an Militärangehörige wie Privatpersonen, dass die Nutzung vertraulicher Informationen für persönliche Gewinne auf diesen Plattformen strafrechtliche Konsequenzen haben kann.
