US-Iran-Waffenstillstand beflügelt Märkte – Ölpreis bricht ein
Ein zweiwöchiger Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran löst eine globale Erholungsrally aus – Ölpreis fällt unter 100 Dollar.

Ein zweiwöchiger Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran hat an den globalen Finanzmärkten eine kräftige Erholungsrally ausgelöst. Aktienmärkte weltweit legten deutlich zu, während der Ölpreis massiv einbrach. Gleichzeitig signalisierte die anhaltende Nachfrage nach Gold und Staatsanleihen, dass Anleger weiterhin auf der Hut bleiben.
US-Präsident Donald Trump erklärte, er habe zugestimmt, geplante Angriffe auf die iranische Infrastruktur für zwei Wochen auszusetzen. Bedingung sei die „VOLLSTÄNDIGE, SOFORTIGE und SICHERE ÖFFNUNG der Straße von Hormus" durch den Iran. Der iranische Außenminister Abbas Araghchi bestätigte auf der Plattform X, dass Teheran seine „Verteidigungsoperationen" einstellen werde. Eine sichere Passage für Schiffe durch die Straße von Hormus sei für die nächsten zwei Wochen in Abstimmung mit den iranischen Streitkräften „möglich".
Asiatische Börsen mit starken Gewinnen
Die Aktienmärkte reagierten regionenübergreifend mit deutlichen Kursgewinnen. Anleger werteten die Ankündigung als potenziellen Wendepunkt in einem Konflikt, der die Märkte seit Wochen verunsichert hatte. Besonders stark legte Südkoreas Kospi mit über 5% zu, der Small-Cap-Index Kosdaq gewann 3,4%.
Japans Nikkei 225 stieg um 4%, der breiter gefasste Topix legte 3,2% zu. Australiens S&P/ASX 200 rückte um 2,7% vor. In Hongkong kletterte der Hang Seng Index um mehr als 2%, während der CSI 300 in Festlandchina um 2,15% zulegte.
Auch die US-Futures zeigten sich in starker Verfassung: Die Futures auf den Dow Jones Industrial Average stiegen um 967 Punkte bzw. 2,1%. S&P-500-Futures gewannen ebenfalls 2,1%, Nasdaq-100-Futures kletterten um 2,3%.
Ölpreis bricht unter 100 Dollar ein
Besonders dramatisch fiel die Reaktion am Ölmarkt aus. Der Kontrakt für die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um mehr als 14% auf 96,98 Dollar pro Barrel. Die internationale Benchmark Brent verlor mehr als 12% und notierte bei rund 96 Dollar pro Barrel – damit rutschten beide Sorten deutlich unter die psychologisch wichtige Marke von 100 Dollar.
Sinkende Ölpreise könnten die unmittelbaren Inflationsängste lindern. Allerdings wirken die breiteren Auswirkungen der Energiespitzen während des Konflikts laut Marktbeobachtern immer noch auf die Weltwirtschaft nach. „Zusammen mit dem Inflationsschock nehmen die Wachstumssorgen zu", warnte Analyst Leung.
Gold und Anleihen bleiben gefragt
Bemerkenswert ist, dass klassische sichere Häfen trotz der Deeskalation weiter Zuflüsse verzeichneten – ein ungewöhnliches Signal. Der Gold-Spotpreis stieg um 2,2% auf 4.803,83 Dollar pro Unze, Gold-Futures legten sogar um über 3% auf 4.835,90 Dollar zu.
Auch US-Staatsanleihen waren gefragt. Die Renditen für 10-jährige Papiere fielen um 9 Basispunkte auf 4,253%, die 20-jährigen Renditen sanken ebenfalls um 9 Basispunkte auf 4,839%. Die Renditen für 30-jährige Staatsanleihen gaben um 7 Basispunkte auf 4,851% nach. Fallende Renditen bedeuten steigende Anleihekurse und signalisieren erhöhte Nachfrage.
Analyst Leung erklärte, die aktuelle Marktbewegung spiegele eher eine Neupositionierung wider als eine entscheidende Rückkehr zu einem dauerhaften „Risk-on"-Umfeld. Genau diese Dynamik erkläre, warum Anleihen und Gold weiterhin Zuflüsse verzeichnen, selbst während die Aktienmärkte steigen. Die zugrunde liegenden makroökonomischen Sorgen bleiben damit vorerst ungelöst.
