US-Gericht stärkt Aufsicht der Bundesstaaten über Wettplattformen
Berufungsgericht weist Klage von Kalshi zurück – Nevada darf Glücksspiel regulieren.

Ein US-Berufungsgericht hat die Aufsichtsbefugnis der Bundesstaaten über Wettplattformen gestärkt. Das 9. US-Berufungsgericht in San Francisco wies die Klage des Anbieters Kalshi mit einer 3:0-Entscheidung zurück. Die Richter urteilten, dass das Bundesgesetz für den Warenterminhandel (Commodity Exchange Act) Nevada nicht daran hindere, eigene Glücksspielregulierungen auf die Sportwetten-Kontrakte von Kalshi anzuwenden.
Der vorsitzende Richter Ryan Nelson betonte in der Urteilsbegründung, dass die CFTC (U.S. Commodity Futures Trading Commission) keine nationale Glücksspielbehörde sei. Er wies das Argument von Kalshi und der CFTC zurück, wonach es sich bei den Sportwetten um „Swaps“ im Sinne der Dodd-Frank-Finanzreformen handele. Nelson stellte klar, dass es sich bei den Angeboten um klassisches Glücksspiel handele, das in die Zuständigkeit der Bundesstaaten falle.
Widersprüchliche Urteile erhöhen Druck auf Supreme Court
Dieses Urteil verschärft einen rechtlichen Konflikt. Das 3. US-Berufungsgericht in Philadelphia hatte im April in einem ähnlichen Fall entschieden, dass New Jersey keine Befugnis zur Regulierung der Kalshi-Plattform habe. Durch diese widersprüchlichen Entscheidungen zweier Berufungsgerichte steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Oberste Gerichtshof der USA (Supreme Court) eine Grundsatzentscheidung treffen muss.
Die zentrale Frage lautet, ob die Bundesstaaten oder die CFTC für die Aufsicht über den wachsenden Markt der Prognoseplattformen zuständig sind. Kalshi hatte das eigene Angebot selbst als „erste App für legale Sportwetten“ beworben, was die Argumentation der Richter zusätzlich stützte.
Branche wächst rasant seit US-Wahl 2024
Die Branche der Prognoseplattformen hat seit der US-Präsidentschaftswahl 2024 massiv an Popularität gewonnen. Neben Kalshi gehören auch Anbieter wie Polymarket, Coinbase oder Gemini zu diesem wachsenden Markt. Kalshi bietet neben Sportwetten auch Prognosen zu Wahlen, Wirtschaft und kulturellen Ereignissen an.
Mehrere Bundesstaaten – darunter Nevada, Massachusetts, Michigan und Washington – gehen gerichtlich gegen die Plattform vor. Die Generalstaatsanwältin von Arizona, Kris Mayes, begrüßte das Urteil und betonte, dass Finanzreformgesetze nicht dazu dienen dürften, die traditionelle Polizeigewalt der Bundesstaaten im Glücksspielbereich auszuhebeln.
Rückverweisung an das erstinstanzliche Gericht
Das aktuelle Urteil bestätigt eine Entscheidung von Bezirksrichter Andrew Gordon aus dem November 2025. Der Fall wurde nun an das erstinstanzliche Gericht zurückverwiesen, um insbesondere die rechtliche Lage der Wahlprognosen zu prüfen, die in Nevada als illegal gelten. Weder Kalshi noch die CFTC nahmen unmittelbar Stellung zu dem Urteil.
Für deutsche Anleger ist der Fall von Bedeutung, da er die regulatorischen Rahmenbedingungen für Prognosemärkte weltweit beeinflussen könnte. Sollte der Supreme Court die Aufsicht der Bundesstaaten bestätigen, droht eine Zersplitterung des Marktes mit unterschiedlichen Regeln in jedem Bundesstaat – ein Szenario, das die Geschäftsmodelle der Plattformen erheblich erschweren würde.
