US-Dollar erstarkt, Anleiherenditen steigen: Märkte im Bann von Fed und Fiskalsorgen
Steigende Renditen, ein starker Dollar und politische Unsicherheit in Europa belasten die globalen Finanzmärkte spürbar.

Die globalen Finanzmärkte präsentieren sich derzeit in einer volatilen Verfassung. Geprägt ist das Bild von einem erstarkenden US-Dollar, einem massiven Ausverkauf bei Staatsanleihen und wachsender politischer Unsicherheit in Europa. Am Mittwoch setzte sich der globale Renditeanstieg weiter fort und setzte Anleger weltweit unter Druck.
Die Rendite der 30-jährigen US-Staatsanleihe erreichte mit 5,7041 % ein neues 24-Jahres-Hoch. Die 10-jährigen Papiere kletterten auf 5,334 %. Investoren fordern angesichts der weltweit steigenden Staatsverschuldung höhere Risikoprämien. Diese Entwicklung belastet die Stimmung an den Aktienmärkten und führt zu einer „Risk-off"-Haltung bei Indizes wie S&P 500, Dow Jones und Nasdaq.
Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht das Protokoll der jüngsten FOMC-Sitzung der US-Notenbank Fed. Marktteilnehmer suchen nach Hinweisen auf den weiteren geldpolitischen Kurs. Die Fed hatte bereits im September die Zinsen um 25 Basispunkte auf eine Spanne von 3,75 % bis 4,00 % angehoben.
Kaum Spielraum für taubenhafte Überraschungen
Devisenstratege Francesco Pesole von ING betont, dass der Spielraum für eine „taubenhafte" Überraschung gering sei. Die Märkte gehen fest von einer weiteren Anhebung im Dezember aus. Der starke Dollar drückt in der Folge auf andere Währungen und Rohstoffe.
Während das Britische Pfund um 0,59 % auf 1,31999 USD nachgab, verlor der Euro 0,71 % auf 1,1180 USD. Silber geriet ebenfalls unter Druck, da die hohen Renditen bei US-Staatsanleihen die Opportunitätskosten für das zinslose Edelmetall erhöhen. Für deutsche Anleger bedeutet der schwächere Euro unter anderem höhere Kosten für US-Importe und teurere Rohstoffkäufe in Dollar.
Parallel dazu belasten fiskalische Sorgen in Frankreich den Euro. Die Renditespanne zwischen französischen Staatsanleihen (OATs) und deutschen Bundesanleihen weitete sich aus. Investoren fordern aufgrund eines prognostizierten Haushaltsdefizits von 5,4 % des BIP bis 2026 einen Risikoaufschlag.
Politische Blockaden und die Forderung von Marine Le Pen nach einem Eingreifen der EZB zur Senkung der Schuldenkosten sorgen für zusätzliche Nervosität. Ihre Vorschläge zu Ausgabenkürzungen sorgten kurzzeitig für Aufmerksamkeit. Analysten von ING sehen daher kurzfristige Risiken für den EUR/USD im Bereich von 1,1150 bis 1,1180.
Energiepreise erzeugen zusätzlichen Inflationsdruck
Zusätzlichen Inflationsdruck erzeugen die steigenden Energiepreise. Brent-Rohöl-Futures legten um über 1 % auf rund 101,54 US-Dollar pro Barrel zu. Gestützt werden sie durch Versorgungsrisiken im Nahen Osten, insbesondere durch Berichte über Angriffe auf Tanker im Persischen Golf.
Die Märkte preisen für die kommende Fed-Sitzung im Oktober eine Wahrscheinlichkeit von etwa 20 % für eine weitere Zinserhöhung ein. Der Fokus der Anleger bleibt auf den anstehenden Auktionen für US-Staatsanleihen und der weiteren fiskalischen Stabilität in Europa gerichtet.
Für deutsche Privatanleger sind die Entwicklungen in mehrfacher Hinsicht relevant. Höhere US-Renditen machen Anleihen wieder attraktiver und erhöhen den Konkurrenzdruck auf Aktienbewertungen. Gleichzeitig verschärft der starke Dollar den Wettbewerb für exportorientierte Unternehmen und verteuert Rohstoffimporte. Die Kombination aus geldpolitischer Unsicherheit, steigender Staatsverschuldung und geopolitischen Risiken dürfte die Märkte in den kommenden Wochen weiterhin in Atem halten.
