US-Bundesstaaten driften bei Einkommensteuer immer weiter auseinander
Republikanische Staaten senken Steuern, demokratische erhöhen sie – die politische Spaltung erreicht das Steuersystem.

Die politische Polarisierung in den USA schlägt sich zunehmend in den Einkommensteuersystemen der Bundesstaaten nieder. Während republikanisch regierte Staaten aggressiv Steuern senken oder ganz abschaffen, treiben demokratisch kontrollierte Staaten Steuererhöhungen für Spitzenverdiener voran. Der Mittelweg verschwindet zusehends.
Seit 2021 haben bereits 23 US-Bundesstaaten ihre Spitzensteuersätze gesenkt. Mississippi und Oklahoma haben konkrete Schritte eingeleitet, die persönliche Einkommensteuer vollständig abzuschaffen. South Carolina bereitet für dieses Jahr eine Senkung des Spitzensteuersatzes auf 1,99 Prozent vor. In Missouri könnten die Bürger im November über einen Plan abstimmen, die Einkommensteuer schrittweise abzuschaffen und die Umsatzsteuer auszuweiten.
Demokraten setzen auf höhere Steuern für Reiche
Demokratisch geführte Bundesstaaten verfolgen die entgegengesetzte Strategie. Das Parlament des Bundesstaates Washington legte Gouverneur Bob Ferguson einen Gesetzentwurf vor, der eine Einkommensteuer von 9,9 Prozent auf Einkünfte über einer Million US-Dollar vorsieht. New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani drängt die Gesetzgeber des Bundesstaates ebenfalls auf Steuererhöhungen für einkommensstarke Haushalte.
Als Begründung nennen Demokraten zwei Ziele: den Kampf gegen wachsende Ungleichheit sowie das Schließen von Haushaltslücken, die durch erwartete Kürzungen der Bundesregierung bei Gesundheits- und Ernährungsprogrammen entstehen dürften. Auch in Rhode Island und Colorado stehen entsprechende Initiativen vor Abstimmungen in diesem Herbst.
Dramatische Verschiebung in zwei Jahrzehnten
Die Zahlen der Tax Foundation, einer Organisation, die sich für niedrigere Steuern einsetzt, verdeutlichen das Ausmaß der Veränderung. Im Jahr 2006 wiesen 15 Bundesstaaten Spitzensteuersätze von unter 5 Prozent auf, nur ein einziger lag über 10 Prozent. Heute liegt mehr als die Hälfte aller Bundesstaaten unter der 5-Prozent-Marke, während fünf Staaten sowie der District of Columbia bereits im zweistelligen Bereich liegen.
Für deutsche Anleger und Unternehmen mit US-Engagement ist diese Entwicklung relevant: Die steuerliche Attraktivität einzelner Bundesstaaten beeinflusst Standortentscheidungen, Zuzug von Fachkräften und letztlich die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit ganzer Regionen. Die Schere zwischen steuergünstigen Südstaaten und hochbesteuerten Küstenstaaten dürfte sich in den kommenden Jahren weiter öffnen.
