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United Airlines senkt Gewinnprognose: Treibstoffpreise belasten, Passagiere buchen weiter

Die US-Fluggesellschaft rechnet im vierten Quartal nur noch mit 50 Cent bis 1,50 Dollar bereinigtem Gewinn je Aktie.

• 5 Min
United Airlines senkt Gewinnprognose: Treibstoffpreise belasten, Passagiere buchen weiter

United Airlines hat am Dienstag seine Gewinnprognose für das laufende Jahr gesenkt. Als Hauptgrund nennt die US-Fluggesellschaft die weiter steigenden Treibstoffkosten. Zugleich betont das Unternehmen, dass Passagiere trotz höherer Ticketpreise weiterhin buchen.

Für das vierte Quartal rechnet United nur noch mit einem bereinigten Gewinn von 50 Cent bis 1,50 Dollar pro Aktie. Die von der Nachrichtenagentur LSEG befragten Analysten der Wall Street hatten im Durchschnitt 1,76 Dollar pro Aktie erwartet. Am oberen Ende dieser Spanne würde dies die bereinigten Gewinne von United im Gesamtjahr 2026 auf maximal 7,22 Dollar pro Aktie begrenzen.

Mitte Juli hatte United noch mit einem Jahresgewinn von 9 bis 11 Dollar pro Aktie gerechnet. Die neue Prognose bedeutet damit eine deutliche Korrektur innerhalb weniger Monate. Treibstoff zählt zu den größten Kostenpositionen im Luftfahrtsektor, und ein Anstieg der Kraftstoffpreise hat die Kosten der Fluggesellschaften in diesem Jahr um Milliarden Dollar erhöht. Trotz der starken Nachfrage belastet das die Gewinne – und treibt die Flugpreise in die Höhe.

Die Details

Für das am 30. September endende dritte Quartal legte United solide Zahlen vor. Der Nettogewinn stieg um 8,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 1,03 Milliarden Dollar beziehungsweise 3,14 Dollar pro Aktie. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres hatte der Nettogewinn bei 949 Millionen Dollar beziehungsweise 2,90 Dollar pro Aktie gelegen.

Die Treibstoffkosten von United stiegen im Quartal im Jahresvergleich um fast 62 Prozent auf 4,84 Milliarden Dollar. Der Umsatz für die drei zum 30. September endenden Monate kletterte um 17,4 Prozent auf 17,88 Milliarden Dollar, verglichen mit 15,23 Milliarden Dollar im Vorjahr.

Besonders deutlich zeigte sich die höhere Preissetzungsmacht bei den passagierteilbezogenen Einnahmen. Im Inland stiegen sie im Jahresvergleich um 14,5 Prozent, im Ausland um 17,4 Prozent – ein Zeichen für höhere Tarife. Die Passagierzahlen liegen nach Angaben von United um mehr als 2 Prozent über denen des Vorjahres.

Bereinigt um einmalige Positionen meldete United für das dritte Quartal einen Nettogewinn von 833 Millionen Dollar beziehungsweise 2,54 Dollar pro Aktie.

Für das laufende vierte Quartal geht die Fluggesellschaft davon aus, dass sie durchschnittlich 4,80 Dollar pro Gallone für Treibstoff zahlen wird. Im dritten Quartal lag der Durchschnittspreis noch bei 3,90 Dollar pro Gallone. Der erwartete Treibstoffpreis für das Schlussquartal liegt damit deutlich über dem Niveau der zurückliegenden drei Monate.

Hintergrund: Was bisher geschah

Die aktuelle Prognosesenkung ist Teil einer längeren Entwicklung. Bereits am 22.04.2026 berichtete aktien.news, dass United seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr 2026 deutlich nach unten korrigierte. Als Hauptgrund nannte die US-Fluggesellschaft damals den massiven Anstieg der Kerosinpreise infolge des Krieges gegen den Iran. Der bereinigte Gewinn pro Aktie sollte nun zwischen 7 und 11 US-Dollar liegen. Noch im Januar hatte United einen bereinigten Gewinn je Aktie von 12 bis 14 US-Dollar in Aussicht gestellt – mehr als einen Monat vor dem Angriff der USA und Israels auf den Iran. Von LSEG befragte Analysten hatten zuletzt im Schnitt 9,58 US-Dollar je Aktie für das Gesamtjahr erwartet.

Am 10.07.2026 berichtete aktien.news über Delta Air Lines, die mit ihren Ergebnissen für das zweite Quartal die Erwartungen der Analysten übertraf. Ausschlaggebend war eine robuste Reisenachfrage, die dem Konzern trotz eines schwierigen Kostenumfelds solide Einnahmen bescherte. Dennoch gab die Aktie nach der Veröffentlichung nach, denn der bereinigte Gewinn je Aktie sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 25 Prozent auf 1,56 US-Dollar. Maßgeblich dafür waren stark gestiegene Treibstoffkosten.

Am 16.07.2026 folgten zwei weitere Meldungen. Zum einen warnte United vor massiven Mehrkosten durch steigende Treibstoffpreise: Die in Chicago ansässige Fluggesellschaft rechnete für das laufende Jahr mit zusätzlichen Treibstoffkosten von fast 6 Milliarden Dollar gegenüber den Schätzungen vom Jahresbeginn 2026. Trotz dieser erheblichen Belastung hob United das untere Ende seiner Gewinnprognose für das Gesamtjahr an – auf 9 bis 11 Dollar pro Aktie, gegenüber der im April abgegebenen Prognose von 7 bis 11 Dollar. Der Mittelwert der neuen Spanne lag bei 10 Dollar und damit leicht unter der durchschnittlichen Analystenschätzung von 10,46 Dollar pro Aktie.

Zum anderen berichtete aktien.news am 16.07.2026, dass die United-Aktie nach einem verhaltenen Ausblick für das dritte Quartal rund 2 Prozent nachgab, nachdem sie zwischenzeitlich sogar mehr als 4 Prozent im Minus notiert hatte. Auslöser der Kursschwäche war vor allem der erneute Anstieg der Kerosinpreise.

Was das für Anleger bedeutet

Für deutsche Privatanleger, die in US-Airlines investiert sind oder ein Investment prüfen, zeigt der Bericht ein vertrautes Muster: Die Nachfrage nach Flugreisen ist robust, doch die Kostenentwicklung bestimmt maßgeblich, wie viel davon beim Gewinn ankommt. United kann höhere Tarife offenbar durchsetzen – die passagierteilbezogenen Einnahmen stiegen im In- und Ausland zweistellig. Das reicht derzeit aber nicht aus, um den Treibstoffkostenschub vollständig aufzufangen.

Auffällig ist die Geschwindigkeit der Prognosekorrektur. Zwischen der Anhebung des unteren Endes der Jahresprognose Mitte Juli und der nun veröffentlichten Quartalsprognose liegt nur ein kurzer Zeitraum. Anleger sollten daher die Treibstoffpreise und die daraus abgeleiteten Annahmen der Unternehmen genau verfolgen, denn sie sind der zentrale Treiber der Gewinnentwicklung. Der Fall Delta zeigt zudem, dass auch ein Ergebnis über den Analystenerwartungen den Aktienkurs nicht stützen muss, wenn die Kostenbelastung im Vordergrund steht.

Zu beachten ist außerdem, dass United sowohl bereinigte als auch unbereinigte Gewinnkennzahlen ausweist. Die bereinigten Werte blenden einmalige Positionen aus; im dritten Quartal lag der bereinigte Nettogewinn mit 833 Millionen Dollar unter dem ausgewiesenen Nettogewinn von 1,03 Milliarden Dollar. Ein Vergleich beider Größen hilft, die operative Entwicklung besser einzuordnen. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.

Ausblick

Für das vierte Quartal erwartet United einen bereinigten Gewinn von 50 Cent bis 1,50 Dollar pro Aktie. Diese Annahme basiert auf einem durchschnittlichen Treibstoffpreis von 4,80 Dollar pro Gallone, nach 3,90 Dollar pro Gallone im dritten Quartal. Am oberen Ende der Spanne würde der bereinigte Gewinn im Gesamtjahr 2026 bei maximal 7,22 Dollar pro Aktie liegen. Weitere konkrete Termine oder Planungen nennt das Unternehmen im vorliegenden Bericht nicht.

Kurz erklärt

  • Bereinigter Gewinn pro Aktie: Gewinn je Aktie, bei dem Sonder- und Einmaleffekte herausgerechnet werden, um die operative Ertragskraft vergleichbar zu machen.
  • Passagierteilbezogene Einnahmen: Erlös je befördertem Passagier und zurückgelegter Strecke, der zeigt, wie viel eine Airline pro Flugleistung einnimmt.
  • Gallone: angloamerikanisches Volumenmaß, das in den USA unter anderem für die Abrechnung von Flugtreibstoff verwendet wird.
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