Ungarns Zentralbank hält Leitzins bei 5,5 Prozent – einstimmiger Beschluss
Die Nationalbank Ungarns belässt den Basiszinssatz bei 5,5 Prozent und senkt ihr Inflationsziel ab 2028 auf 2,5 Prozent.

Die ungarische Zentralbank hat ihren Leitzins auf 5,5 Prozent belassen. Der Beschluss fiel auf der Sitzung am 22. September einstimmig, wie aus den am Mittwoch veröffentlichten Protokollen hervorgeht. Damit bestätigen die Währungshüter in Budapest ihren vorsichtigen Kurs, den sie seit Monaten verfolgen.
Neben der Zinsentscheidung traf die Nationalbank Ungarns (MNB) eine zweite weitreichende Festlegung: Sie senkt ihre Inflationszielmarke ab dem Jahr 2028 auf 2,5 Prozent. Die Protokolle zeigen zudem, dass sich die politischen Entscheidungsträger auf einen künftig datengesteuerten Ansatz verständigt haben. Die Zentralbank erklärte, die Entscheider befürworteten, vorsichtige Entscheidungen über das Niveau des Basiszinssatzes auf der Grundlage eingehender Daten zu treffen.
Für Anleger in der Region ist das ein wichtiges Signal. Ungarn zählt innerhalb der Europäischen Union traditionell zu den Ländern mit den höchsten Leitzinsen, was den Forint und lokale Staatsanleihen für internationale Investoren interessant macht. Die nächste Zinsentscheidungssitzung der Bank ist für den 20. Oktober angesetzt.
Die Details
Im Mittelpunkt der jüngsten Sitzung stand die Bestätigung des Status quo: Der Basiszinssatz bleibt bei 5,5 Prozent. Der einstimmige Beschluss vom 22. September unterstreicht, dass innerhalb des geldpolitischen Rats derzeit kein Dissens über das Zinsniveau besteht. Die Veröffentlichung der Protokolle erfolgte am Mittwoch.
Zugleich rückt die Zentralbank ihre langfristige Zielsetzung neu aus. Die Inflationszielmarke wird ab 2028 auf 2,5 Prozent gesenkt. Damit verankert die Notenbank ihre Preisstabilitätsvorgabe auf einem niedrigeren Niveau als zuvor. Die Entscheidung über das Inflationsziel und die Zinspause wurden im selben Protokoll dokumentiert.
Ein weiteres zentrales Element ist die Kommunikation zur künftigen Vorgehensweise. Laut den Protokollen einigten sich die politischen Entscheidungsträger darauf, künftig einen datengesteuerten Ansatz zu verfolgen. Konkret befürworteten die Entscheider, vorsichtige Entscheidungen über das Niveau des Basiszinssatzes auf der Grundlage eingehender Daten zu treffen. Die Zentralbank knüpft damit weitere geldpolitische Schritte ausdrücklich an die Datenlage.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuelle Zinspause ist Teil einer längeren Phase der geldpolitischen Lockerung. Bereits am 26.05.2026 berichtete aktien.news, dass Ungarns Zentralbank ihren Leitzins unverändert bei 6,25 Prozent belassen hatte. Damals blieb Ungarn das Land mit dem zweithöchsten Leitzins in der Europäischen Union – nur Rumänien lag noch darüber. Gouverneur Mihaly Varga hielt anschließend um 15:00 Uhr Ortszeit in Budapest ein Briefing ab, um die Entscheidung zu erläutern. Trotz der Zinspause sendete die Zentralbank damals erstmals konkrete Signale für eine baldige Lockerung.
Am 07.05.2026 berichtete aktien.news, dass die Ungarische Nationalbank ihren Blick auf den kommenden Verbraucherpreisindex für Juni richtete. Notenbanker Zoltan Kurali erklärte damals auf einer Bloomberg-Veranstaltung, der Juni-Bericht zum Verbraucherpreisindex biete die nächste Gelegenheit, die wirtschaftlichen Auswirkungen zu bewerten. Kurali betonte den vorsichtigen Kurs der ungarischen Währungshüter mit den Worten: „Wir gehören zum vorsichtigen Lager." Diese Haltung spiegelt die Zurückhaltung der Notenbank wider, vorschnell auf kurzfristige Marktbewegungen zu reagieren.
Am 13.07.2026 meldete aktien.news, dass die ungarische Zentralbank signalisiert habe, ihren Zinssenkungskurs in den kommenden Monaten fortsetzen zu können. Gouverneur Mihaly Varga äußerte sich entsprechend bei einem Treffen mit Vertretern ungarischer Geschäftsbanken. Bereits im Juni hatte die Ungarische Nationalbank ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf 6,0 Prozent gesenkt. Als Hauptgrund nannte Gouverneur Varga die sinkende Inflation im Land. Die Senkung um einen Viertelprozentpunkt entsprach dem vorsichtigen, schrittweisen Ansatz, den die Zentralbank in ihrer Geldpolitik verfolgt.
Am 24.09.2026 berichtete aktien.news, dass die Nationalbank von Ungarn (MNB) ihr Inflationsziel zum ersten Mal seit 2013 von 3 Prozent auf 2,5 Prozent ab dem Jahr 2028 gesenkt hat. Die Notenbank begründete den Schritt damit, die Inflation auf einem niedrigeren Niveau verankern zu wollen. Zugleich solle er „die Erfüllung der Anforderungen für die Einführung des Euro unterstützen". Der Schritt habe Anlegern ein neues Signal gesendet, dass die neue Regierung in Budapest an ihrem Ziel festhält, den Euro einzuführen. Dies habe die Nachfrage nach lokalen Staatsanleihen gestärkt, die im Vergleich zu ihren polnischen und rumänischen Pendants deutlich besser abgeschnitten haben.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger, die in ungarische Staatsanleihen oder den Forint investieren, bleibt die Richtung der Geldpolitik entscheidend. Die einstimmige Zinspause bei 5,5 Prozent zeigt, dass die Notenbank derzeit keinen Anlass für eine schnelle weitere Lockerung sieht. Zugleich hat sie mit dem datengesteuerten Ansatz klargemacht, dass künftige Schritte von der Datenlage abhängen – ein Hinweis darauf, dass kurzfristige Marktbewegungen allein nicht ausschlaggebend sind.
Bemerkenswert ist die Kombination aus unverändertem Leitzins und gesenktem Inflationsziel. Die Absenkung der Zielmarke auf 2,5 Prozent ab 2028 verankert die Erwartungen der Marktteilnehmer auf einem niedrigeren Niveau. Nach Einschätzung aus dem Archivbericht vom 24.09.2026 hat dieser Schritt die Nachfrage nach lokalen Staatsanleihen gestärkt, die im Vergleich zu polnischen und rumänischen Papieren deutlich besser abschnitten. Anleger sollten jedoch beachten, dass höhere Zinsen in Ungarn auch höhere Risiken mit sich bringen – etwa Wechselkurs- und Inflationsrisiken.
Ausblick
Der nächste feste Termin steht bereits: Die nächste Zinsentscheidungssitzung der Bank ist für den 20. Oktober angesetzt. Bis dahin dürften die Marktteilnehmer vor allem auf neue Konjunktur- und Inflationsdaten blicken, die nach dem datengesteuerten Ansatz der Notenbank über das weitere Vorgehen entscheiden. Die Zentralbank hat sich ausdrücklich darauf festgelegt, vorsichtige Entscheidungen über das Niveau des Basiszinssatzes auf der Grundlage eingehender Daten zu treffen.
Ein weiterer langfristiger Faktor bleibt das Inflationsziel von 2,5 Prozent ab 2028. Nach der Darstellung im Archivbericht vom 24.09.2026 soll dieser Schritt auch „die Erfüllung der Anforderungen für die Einführung des Euro unterstützen". Damit bleibt der Euro-Beitritt ein Thema, das die ungarische Geldpolitik über die kommenden Jahre begleiten dürfte.
Kurz erklärt
- Leitzins: Der von einer Zentralbank festgelegte Zinssatz, zu dem sich Geschäftsbanken Geld beschaffen können und der die Kreditkonditionen in einer Volkswirtschaft prägt.
- Inflationsziel: Eine von der Notenbank angestrebte Zielmarke für die Teuerungsrate, an der sie ihre Geldpolitik ausrichtet.
- Basispunkt: Eine kleine Maßeinheit für Zinsänderungen, mit der Notenbanken Anpassungen ihrer Sätze angeben.
- Datengesteuerter Ansatz: Eine geldpolitische Vorgehensweise, bei der Entscheidungen vor allem auf Basis aktueller Wirtschaftsdaten getroffen werden.
