Ungarn hebt Netto-Schuldenaufnahme 2026 auf 27 Milliarden Dollar an
Die staatliche Schuldenagentur AKK erhöht das Emissionsvolumen deutlich – wegen höherem Defizit und Vorfinanzierung von EU-Geldern.

Ungarn hat seinen Plan für die Nettoschuldenaufnahme in diesem Jahr auf 8.717 Billionen Forint (27,02 Milliarden Dollar) angehoben. Das teilte die staatliche Schuldenmanagementagentur AKK am Montag mit. Der ursprüngliche Zielwert hatte bei 5.445 Billionen Forint gelegen. Die Anpassung fällt damit deutlich aus und betrifft das laufende Jahr 2026.
Als Begründung nennt die Agentur zwei Faktoren: ein höheres Haushaltsdefizit sowie eine vorzeitige Finanzierung der Erholungsmittel der Europäischen Union. Ungarn nimmt also mehr Schulden auf, um sowohl die Lücke im Staatshaushalt zu schließen als auch EU-Gelder früher als geplant vorzustrecken.
Der Chief Executive Officer der AKK, Gergely Tardos, sagte gegenüber Reportern, dass die Agentur bereits 87% der erhöhten geplanten Nettoschuldenaufnahme finanziert habe. Ein großer Teil der zusätzlichen Emissionen ist demnach schon am Markt platziert. Tardos betonte zudem, dass Ungarn in diesem Jahr keine zusätzlichen Verkäufe von Fremdwährungsanleihen plane, da bis Jahresende Milliardenbeträge an EU-Erholungsgeldern erwartet würden.
Die Details
Die Nettoschuldenaufnahme in Forint wird den ursprünglichen Plan um 2.494 Billionen Forint übertreffen. Da der Großteil der erhöhten Emissionen bereits abgeschlossen sei, werde die AKK wahrscheinlich das Volumen der bei zukünftigen Forint-Schuldenauktionen angebotenen Anleihen reduzieren, so Tardos. Anleger, die auf regelmäßige Auktionen setzen, müssen also mit kleineren Zuteilungen rechnen.
Bei der Währungsstruktur der Schulden erwartet die Agentur eine leichte Verschiebung. Fremdwährungsschulden sollen bis Ende dieses Jahres 28,1% der Gesamtschuld ausmachen, im Vergleich zu 29,9% Ende 2025. Beide Werte liegen weiterhin unter dem von der Regierung selbst festgelegten Limit von 30%. Ungarn bleibt damit innerhalb seiner eigenen Obergrenze für Fremdwährungsverbindlichkeiten.
Tardos erklärte außerdem, die Finanzierungsbedarfe des nächsten Jahres könnten „deutlich niedriger“ sein als die im Jahr 2026. Als Treiber nennt er die Bemühungen der Regierung, das Haushaltsdefizit zu senken. Dies geschieht im Rahmen ihres Plans, die Kriterien für die Einführung des Euro bis 2030 zu erfüllen.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die jüngste Anhebung des Emissionsplans ist Teil einer längeren Entwicklung der ungarischen Staatsfinanzen. Bereits am 05.05.2026 berichtete aktien.news, dass Ungarns primäres Haushaltsdefizit sich im laufenden Jahr gegenüber dem Vorjahreswert von 0,9 Prozent der Wirtschaftsleistung ausweiten könnte. Zentralbankgouverneur Mihaly Varga betonte damals ausdrücklich die Notwendigkeit, das Defizit unter Kontrolle zu halten.
Am 11.05.2026 meldete aktien.news, dass die neue Regierung unter Ministerpräsident Péter Magyar bis Ende August Zugang zu insgesamt 10,4 Milliarden Euro an EU-Mitteln erhalten wollte. Das Geld – bestehend aus 6,5 Milliarden Euro an Zuschüssen und 3,9 Milliarden Euro an günstigen Darlehen aus dem EU-Wiederaufbaufonds – war unter der Vorgängerregierung von Viktor Orbán wegen Rechtsstaatlichkeitsproblemen eingefroren worden. Diese EU-Gelder spielen nun auch bei der aktuellen Vorfinanzierung eine zentrale Rolle.
Am 29.06.2026 berichtete aktien.news, dass Magyars Warnung vor einem massiven Haushaltsdefizit im Jahr 2026 die Marke von 7% der Wirtschaftsleistung überschreiten könnte – trotz einer Einigung zur Freigabe von EU-Fördergeldern in Milliardenhöhe. Ein solches Defizit wäre das größte Haushaltsloch unter allen EU-Mitgliedstaaten gewesen, basierend auf den jüngsten Wirtschaftsprognosen der Europäischen Kommission. Magyar hatte seinen Vorgänger Viktor Orbán bei den Wahlen am 12. April in einem Erdrutschsieg besiegt.
Am 24.09.2026 berichtete aktien.news, dass die ungarische Zentralbank ihr Inflationsziel zum ersten Mal seit 2013 von 3% auf 2,5% ab dem Jahr 2028 gesenkt hat. Die Nationalbank von Ungarn (MNB) begründete den Schritt damit, die Inflation auf einem niedrigeren Niveau verankern zu wollen. Zugleich solle er „die Erfüllung der Anforderungen für die Einführung des Euro unterstützen“. Der Schritt stärkte die Nachfrage nach lokalen Staatsanleihen, die im Vergleich zu ihren polnischen und rumänischen Pendants deutlich besser abschnitten.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger, die in ungarische Staatsanleihen investieren, sind mehrere Punkte relevant. Erstens sinkt das Emissionsvolumen bei künftigen Forint-Auktionen, da die AKK den Großteil der erhöhten Aufnahme bereits abgeschlossen hat. Wer auf regelmäßige Zuteilungen angewiesen ist, könnte daher kleinere Stücke erhalten.
Zweitens bleibt Ungarn bei Fremdwährungsanleihen zurückhaltend. Zusätzliche Verkäufe sind in diesem Jahr nicht geplant, und der Anteil der Fremdwährungsschulden soll leicht auf 28,1% sinken. Das reduziert das Wechselkursrisiko auf Ebene des Emittenten, bleibt aber unter dem selbst gesetzten Limit von 30%.
Drittens ist der Euro-Pfad ein wichtiger Treiber. Die Regierung will die Kriterien für die Euro-Einführung bis 2030 erfüllen und dafür das Haushaltsdefizit senken. Gelingt das, könnten die Finanzierungsbedarfe im nächsten Jahr „deutlich niedriger“ ausfallen als 2026. Diese Aussage stammt von AKK-Chef Tardos und ist eine Erwartung, keine Zusage.
Ausblick
Die AKK hat für dieses Jahr bereits 87% der erhöhten Nettoschuldenaufnahme finanziert. Bis Jahresende erwartet Ungarn Milliardenbeträge an EU-Erholungsgeldern, die zur Deckung des Finanzierungsbedarfs beitragen sollen. Für das kommende Jahr stellt Tardos „deutlich niedrigere“ Finanzierungsbedarfe in Aussicht, getrieben von den Bemühungen der Regierung, das Haushaltsdefizit zu senken. Hintergrund ist der Plan, die Kriterien für die Einführung des Euro bis 2030 zu erfüllen.
Kurz erklärt
- Forint: Die ungarische Landeswährung, in der Ungarn den Großteil seiner neuen Schulden aufnimmt.
- Fremdwährungsanleihe: Eine Anleihe, die nicht in der Heimatwährung des Emittenten ausgegeben wird und daher ein Wechselkursrisiko trägt.
- Netto-Schuldenaufnahme: Der Betrag, um den die gesamte Schuldenlast eines Staates innerhalb eines Zeitraums tatsächlich wächst.
