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Ungarische Zentralbank setzt auf starken Forint gegen Inflation

Die NBH sieht eine anhaltende Forint-Aufwertung als zentrales Element ihrer Strategie zur Erreichung des revidierten Inflationsziels.

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Ungarische Zentralbank setzt auf starken Forint gegen Inflation

Die ungarische Zentralbank hat signalisiert, dass eine anhaltende Aufwertung des Forint ein zentrales Element ihrer Strategie zur Erreichung ihres revidierten Inflationsziels darstellt. Das geht aus einer Analyse der Bank of America hervor, über die Investing.com berichtet. Die Nationalbank Ungarns (NBH) führte in der Hintergrundanalyse zur Überarbeitung ihres Verbraucherpreisindex-Ziels aus, dass eine nominelle Währungsaufwertung die dauerhaft hohen Inflationsunterschiede im Dienstleistungssektor gegenüber dem Euroraum kompensieren kann.

Diese Inflationsunterschiede sind nach Angaben der Notenbank durch eine starke Lohnkonvergenz entstanden. Die Zentralbank betonte zudem, dass sich das Lohnwachstum in Ungarn auf ein Niveau normalisieren müsse, das mit dem Produktivitätswachstum vereinbar ist. Derzeit liegt die Jahressteigerung der Löhne bei 7 bis 8 Prozent.

Die NBH räumte ein, dass die realen Wechselkurse des Forint im Vergleich zu den mittel- und osteuropäischen Partnerländern über das vergangene Jahrzehnt hinweg deutlich unterperformt haben. Damit bestätigt die Notenbank eine Entwicklung, die den ungarischen Währungsraum im regionalen Vergleich seit längerem beschäftigt.

Höheres CPI-Ziel als Puffer für die Realwirtschaft

Die Zentralbank stellte ihr um 0,5 Prozentpunkte höheres CPI-Ziel im Vergleich zur Europäischen Zentralbank so dar, dass es weiterhin Raum für einen Beitrag zur Preisniveaukonvergenz zum Euroraum lasse. Auf diese Weise sollen die als „übermäßige Belastung für die Realwirtschaft" bezeichneten Auswirkungen einer schnellen nominalen Aufwertung abgemildert werden. Die Notenbank argumentiert also mit einem bewussten Spannungsfeld: Einerseits soll der Forint stärker werden, andererseits will man die Wirtschaft nicht überfordern.

In ihrer Analyse bewertete die Zentralbank die Stärke des Forint als wesentlich nützlicher für die Dämpfung der Inflation, als sie wachstumsdämpfend wirkt. Diese Einschätzung ist bemerkenswert, weil sie die klassische Zielkonflikt-Debatte zwischen Preisstabilität und Wachstum in Richtung der Inflationsbekämpfung auflöst. Die NBH fand zudem keinen identifizierbaren langfristigen Zusammenhang zwischen nominaler Aufwertung und Exportleistung innerhalb der Europäischen Union. Damit entkräftet sie das häufig vorgebrachte Argument, eine stärkere Währung schade dem Exportsektor.

Mindestlohn-Entscheidung steht aus

Für die politische Ebene ergibt sich daraus eine unmittelbare Konsequenz. Die neue Regierung muss bald entscheiden, ob sie den Plan der Fidesz-Partei umsetzt, den Mindestlohn im Jahr 2027 um 14 Prozent deutlich anzuheben. Diese Anpassung steht unter der Bedingung einer Neuverhandlung, falls Wachstum oder Inflation von den Projektionen abweichen.

Für deutsche Anleger ist die Entwicklung in Ungarn in mehrfacher Hinsicht relevant. Der Forint gehört zu den wichtigsten Währungen in Mittel- und Osteuropa, und seine Entwicklung beeinflusst die Wettbewerbsfähigkeit ungarischer Standorte, an denen auch zahlreiche deutsche Unternehmen produzieren. Ein stärkerer Forint verteuert ungarische Exporte, senkt aber gleichzeitig die importierte Inflation. Die NBH sendet mit ihrer Analyse ein klares Signal: Sie nimmt eine Aufwertung der Landeswährung bewusst in Kauf, um die Teuerung nachhaltig zu drücken.

Ob dieser Kurs aufgeht, hängt maßgeblich davon ab, ob sich das Lohnwachstum wie erhofft an das Produktivitätswachstum annähert. Bleibt die Lohndynamik bei 7 bis 8 Prozent, dürfte der Druck auf die Notenbank hoch bleiben, an ihrer aufwertungsfreundlichen Linie festzuhalten. Die anstehende Mindestlohn-Entscheidung wird damit auch zu einem Test für die geldpolitische Glaubwürdigkeit der NBH.

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