Bank of America sieht EUR/USD bei 1,15 zum Jahresende 2026
Die US-Großbank erwartet einen moderat steigenden Euro und einen Dollar, der 2026 nahe dem aktuellen Niveau verharrt.

Die Bank of America rechnet damit, dass der Euro gegenüber dem US-Dollar bis Ende 2026 auf 1,15 steigt. Für das Ende des Jahres 2027 liegt die Prognose der US-Großbank bei 1,20. Das geht aus einer aktuellen Währungsprognose hervor, über die Investing.com berichtet.
Damit positioniert sich die Bank of America für die kommenden 15 Monate auf einen moderat festeren Euro. Die Projektionen spiegeln nach Angaben des Instituts die eigene Einschätzung der Dollar-Bewegungen gegenüber wichtigen Währungen der entwickelten Märkte wider. Der Ausblick wurde in einem Bericht mit dem Titel „G10 FX back-to-school: dollar unloaded“ veröffentlicht, der am 8. September 2026 erschien.
Bemerkenswert ist der Vergleich mit dem Marktkonsens. Die Jahresend-Prognose der Bank of America von 1,15 für EUR/USD liegt unter dem medianen Bloomberg-Konsens von 1,17. Für das Ende von 2027 liegt das Ziel der Bank mit 1,20 dagegen leicht über dem Konsensmedian von 1,19. Die Bank of America hat ihre Währungsprognosen nach eigenen Angaben nur minimal angepasst.
Die Details
Die Prognose umfasst mehr als nur das Euro-Dollar-Paar. Die Bank of America erwartet, dass der Dollar das laufende Jahr gegenüber den meisten Währungen der G10-Länder nahe dem aktuellen Niveau abschließen wird. Eine Ausnahme bildet der japanische Yen. Erst im Jahr 2027 rechnet die Bank dann mit einem moderaten Wertverlust des Dollar.
Neben den Kernprognosen hat das Institut auch seine Vorhersagen für die Währungen Australasiens und der Nordics überarbeitet. Diese Anpassungen erfolgten seit dem Vormonat. Konkrete Zahlen zu diesen Währungsräumen nennt der Bericht in der vorliegenden Zusammenfassung nicht.
Die Prognosen der Bank of America beziehen sich auf einen Zeitraum von 15 Monaten. Sie decken damit sowohl das restliche Jahr 2026 als auch das Folgejahr ab. Der Titel des Berichts – „dollar unloaded“ – deutet auf die Grundthese der Strategen hin: eine schrittweise Entlastung des Dollar, die sich aber erst 2027 voll entfaltet.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuelle Prognose markiert eine bemerkenswerte Wende in der Haltung der Bank of America. Bereits am 10.06.2026 berichtete aktien.news, dass die BofA ihre pessimistische Haltung gegenüber dem Euro bekräftigt hatte. Damals argumentierte die US-Großbank, dass eine sich vergrößernde Wachstumskluft zwischen den Vereinigten Staaten und der Eurozone die Gemeinschaftswährung weiter unter Druck setzen könnte. Hinzu kam das Risiko einer restriktiveren US-Notenbank Federal Reserve. Die BofA hielt damals an ihrer Short-Position im EUR/USD-Währungspaar fest und verwies auf schwächer werdende technische Signale sowie eine sich verschlechternde fundamentale Unterstützung für den Euro.
Auch beim japanischen Yen hatte die Bank of America zuletzt umgesteuert. Am 19.05.2026 berichtete aktien.news, dass die BofA ihre Prognose für USD/JPY zum Jahresende 2026 von 157 auf 152 gesenkt hatte. Damit rückte die US-Großbank ihre mittelfristige Haltung gegenüber dem Yen nach Jahren des strukturellen Pessimismus in Richtung neutral. FX-Stratege Shusuke Yamada begründete den Schritt mit einer sich verbessernden strukturellen Flussdynamik. „Wir waren seit 2021 strukturell pessimistisch gegenüber dem JPY eingestellt und haben unseren Ausblick seit 2022 auf eine längere Phase der JPY-Schwäche gestützt, die durch strukturelle Abflüsse getrieben wurde“, erklärte Yamada. „Es gibt jedoch nun Anzeichen für eine Verbesserung der strukturellen Flussdynamik“, fügte er hinzu.
Andere Häuser waren zuletzt deutlich optimistischer für den Dollar. Am 27.06.2026 berichtete aktien.news, dass die Schweizer Großbank UBS ihre Prognose für EUR/USD zum Jahresende 2026 von zuvor 1,14 auf nunmehr 1,12 gesenkt hatte. Die UBS erwartete, dass der US-Dollar die globalen Devisenmärkte bis weit in die zweite Jahreshälfte 2026 hinein dominieren würde. Als Haupttreiber nannte sie höhere Erwartungen an die US-Zinsen sowie robuste wirtschaftliche Fundamentaldaten.
Auf der anderen Seite stand Morgan Stanley. Bereits am 30.01.2026 berichtete aktien.news, dass Morgan Stanley erwartete, der Euro setze seine Aufwärtsbewegung gegenüber dem US-Dollar fort und erreiche im zweiten Quartal 2025 die Marke von 1,23 Dollar. Die US-Investmentbank begründete ihre Prognose mit anhaltenden Belastungsfaktoren für den Greenback. „EUR/USD hat seit Jahresbeginn zugelegt, da unkonventionelle Katalysatoren die Risikoprämien für den US-Dollar auf die höchsten Stände getrieben haben, die zuletzt im zweiten Quartal 2025 verzeichnet wurden“, erklärten die Strategen von Morgan Stanley damals.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Prognose vor allem für die Einschätzung von Dollar-Investments relevant. Ein höherer EUR/USD-Kurs bedeutet, dass ein in Dollar denominiertes Investment bei unverändertem Dollarkurs in Euro gerechnet an Wert verliert. Umgekehrt profitieren Anleger mit Dollar-Beständen von einem schwächeren Euro.
Die Spannbreite der Bankenhäuser ist derzeit groß. Während die UBS zuletzt 1,12 für das Jahresende 2026 erwartete, lag Morgan Stanley mit seinem Aufwärtsziel von 1,23 deutlich höher. Die Bank of America liegt mit 1,15 zwischen diesen Positionen und unter dem Bloomberg-Konsens von 1,17. Diese Divergenz zeigt, wie unsicher die Einschätzung der weiteren Dollar-Entwicklung ist.
Wichtig ist die zeitliche Staffelung der BofA-Prognose. Für 2026 rechnet die Bank nur mit begrenzten Bewegungen – der Dollar soll gegenüber den meisten G10-Währungen nahe dem aktuellen Niveau schließen. Die eigentliche Abwertungserwartung ist auf 2027 datiert. Anleger sollten daher zwischen kurzfristigen und längerfristigen Erwartungen unterscheiden.
Ausblick
Die Bank of America hat ihre Prognosen nach eigenen Angaben nur minimal angepasst. Für die kommenden Monate bleibt abzuwarten, ob sich die Erwartung eines stabilen Dollar im Jahr 2026 bestätigt. Der Bericht „G10 FX back-to-school: dollar unloaded“ vom 8. September 2026 bildet die aktuelle Grundlage der Bank für die nächsten 15 Monate.
Die Prognosen für die Währungen Australasiens und der Nordics wurden seit dem Vormonat überarbeitet. Konkrete neue Ziele für diese Währungsräume nennt die vorliegende Zusammenfassung nicht. Der japanische Yen bleibt die einzige G10-Währung, für die die Bank of America im laufenden Jahr eine Abweichung vom stabilen Dollar-Niveau erwartet.
Kurz erklärt
- EUR/USD: Wechselkurs zwischen Euro und US-Dollar, der angibt, wie viele Dollar ein Euro wert ist.
- G10-Währungen: Gruppe der zehn wichtigsten und meistgehandelten Währungen der entwickelten Volkswirtschaften.
- Bloomberg-Konsens: Median der Prognosen zahlreicher Banken und Analysten, die von Bloomberg erfasst werden.
- Short-Position: Marktposition, die auf fallende Kurse des zugrunde liegenden Werts setzt.
