Promi-Krypto: Fast fünfmal häufiger ein Betrug als ohne Werbung
Neue Kryptowährungen mit Promi-Werbung sind fast fünfmal häufiger Betrug und verfallen öfter auf null – sammeln aber viel mehr Geld ein.

Neue Kryptowährungen, die öffentlich von Prominenten beworben wurden, entpuppen sich deutlich häufiger als Betrug als Projekte ohne prominente Fürsprecher. Das berichtet das US-Finanzportal MarketWatch unter Berufung auf eine entsprechende Analyse. Demnach waren die beworbenen Coins fast fünfmal so häufig Betrug wie Kryptowährungen, die ohne Celebrity-Unterstützung an den Markt gingen.
Die Bewerbung erfolgte häufig über soziale Medien und dort insbesondere über Twitter. Neben dem deutlich höheren Betrugsrisiko verfielen die beworbenen Kryptowährungen mit einer Wahrscheinlichkeit, die zu einem vollständigen Wertverfall auf null führte. Bei Projekten ohne prominente Empfehlungen traten solche Entwicklungen dagegen deutlich seltener auf.
Bemerkenswert ist der wirtschaftliche Effekt der Prominenz: Trotz des erhöhten Risikos sammelten die beworbenen Kryptowährungen im Durchschnitt etwa fünfmal mehr Geld ein als diejenigen ohne Celebrity-Unterstützung. Der berühmte Name war den Veranstaltern damit einen zusätzlichen Betrag von mindestens 80 Millionen US-Dollar oder mehr wert.
Aufmerksamkeit als Sackgasse
Die Analyse bringt die Dynamik auf eine einfache Formel: Die „Aufmerksamkeitsökonomie“ ist eigentlich die Sackgassen-Ökonomie. Wer Reichweite und Bekanntheit als Qualitätsmerkmal deutet, verwechselt Marketing mit Substanz. Genau diese Verwechslung macht prominente Werbung für neue Krypto-Projekte so gefährlich.
Für deutsche Privatanleger ist die Botschaft eindeutig: Ein bekanntes Gesicht ist kein Gütesiegel. Die Zahlen zeigen, dass Prominenz das Risiko eines Totalverlusts nicht senkt, sondern erhöht – während sie gleichzeitig mehr Kapital anzieht. Wer in neue Coins investiert, sollte daher nicht auf den Namen schauen, der sie bewirbt, sondern auf das Projekt selbst.
Der Befund ordnet sich in ein Muster ein, das den Kryptomarkt seit Jahren begleitet: Neue Token lassen sich mit geringem Aufwand erstellen und vermarkten. Fehlt ein wirksamer Anlegerschutz, wird die Reichweite zum entscheidenden Verkaufsargument. Prominente beschleunigen diesen Prozess, weil sie Vertrauen leihen, das sie selbst kaum überprüfen können.
Ob sich das ändert, hängt auch vom Verhalten der Anleger ab. Solange beworbene Coins im Schnitt fünfmal mehr Kapital einsammeln, bleibt der Anreiz für Veranstalter hoch, auf bekannte Gesichter zu setzen. Die Analyse von MarketWatch liefert damit nicht nur eine Risikowarnung, sondern auch eine Erklärung, warum sich das Muster wiederholt.
Die Kernzahlen im Überblick:
- Fast fünfmal so häufig Betrug bei beworbenen Kryptowährungen
- Häufigerer vollständiger Wertverfall auf null
- Rund fünfmal mehr eingesammeltes Kapital als ohne Promi-Werbung
- Mindestens 80 Millionen US-Dollar zusätzlicher Wert durch das berühmte Gesicht
Für Anleger bleibt festzuhalten, dass die Höhe der eingesammelten Mittel nichts über die Seriosität eines Projekts aussagt. Im Gegenteil: Gerade die erfolgreich beworbenen Coins erwiesen sich in der Analyse als besonders anfällig für Betrug und Totalverlust.
