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UNDP warnt: Entwicklungsländer von sich überschneidenden Krisen getroffen

Steigende Energiekosten, Super-El-Niño und explodierende Kreditkosten bringen ärmere Länder in eine Lage wie während der Pandemie.

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UNDP warnt: Entwicklungsländer von sich überschneidenden Krisen getroffen

Steigende Energiekosten, ein Super-El-Niño-Ereignis und explodierende Kreditkosten erhöhen den Druck auf Entwicklungsländer zusehends. Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) teilte am Freitag mit, die Bedingungen näherten sich jenen während der Pandemie an, als die G20 die Schuldenzahlungen für die ärmsten Nationen aussetzte. UNDP-Administrator Alexander De Croo warnte gegenüber Reportern in Washington vor einem möglichen „Dominoeffekt“, bei dem viele Länder in finanzielle Not geraten.

Anlass der Warnung sind die jährlichen Treffen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank, die vom 12. bis 18. Oktober in der thailändischen Hauptstadt Bangkok stattfinden. Dort werden führende Finanzbeamte aus aller Welt zusammenkommen, um über die globale Wirtschaft, künstliche Intelligenz, den Klimawandel und weitere Herausforderungen zu verhandeln. Die enormen Probleme der Entwicklungsländer dürften dabei eine zentrale Rolle spielen.

De Croo ging allerdings nicht so weit, eine neue Runde von Schuldenstreichungen zu fordern. Er verwies jedoch darauf, dass viele Regierungen bereits Schritte unternommen haben, um ihre Bürger vor dem Anstieg der Ölpreise zu schützen. Diese fiskalischen Spielräume seien nun erschöpft, die Schuldenstände stiegen, ohne dass echte Entlastung in Sicht sei.

Die Details

Die staatlichen Kreditkosten erreichen derzeit ihre höchsten Werte seit mehreren Jahrzehnten. Getrieben werden sie durch wachsende Inflationsbedenken, da der Iran-Krieg die Energiepreise in die Höhe treibt. Gleichzeitig wird erwartet, dass das stärkste El-Niño-Wetterphänomen seit 1950 in einigen Regionen zu weiteren Überschwemmungen und in anderen zu Dürren führt. Dies wird bis Ende 2027 voraussichtlich 49 Millionen weitere Menschen in Ernährungsunsicherheit stürzen.

De Croo sagte, Umfragen des UNDP seit Kriegsbeginn hätten gezeigt, dass sich der Konflikt von einem regionalen Krieg zu einer „Krise gewandelt hat, die etwa 100 Länder betrifft“. Nach seinen Worten sollten sich die Länder auf Maßnahmen konzentrieren, um die verletzlichsten Bevölkerungsgruppen zu unterstützen. Zwar hätten einige Staaten ihre Energiequellen diversifiziert und ihre Ernährungssysteme angepasst, doch diese Bemühungen benötigten Zeit – was sie derzeit in eine „wirklich schwierige Lage“ bringe.

George Gray Molina, Chefvolkswirt des UNDP, sieht im September einen wesentlichen Wandel: Einige Regierungen begannen, höhere Energiepreise an die Bürger weiterzugeben und Subventionen, Steuererleichterungen und andere Maßnahmen zurückzufahren, die die Lebensmittel- und Energiepreise seit Kriegsbeginn weitgehend stabil gehalten hatten. „Das bedeutet, dass sie diese Belastung fiskalisch und finanziell nicht mehr kontrollieren können“, sagte er. „Wir halten dies für ein bedeutendes Problem, das diskutiert werden muss.“ Selbst Schwellenländer hätten ihre fiskalischen Puffer schnell aufgebraucht, während sie eifrig versuchten, die steigenden Energiepreise abzumildern.

Molina betonte, dass die Entwicklungen auf den Anleihemärkten und bei den Ölpreisen in den nächsten 60 Tagen entscheidend sein würden. Höhere Preise hätten bereits im September zu Protesten und sozialen Unruhen in 10 Ländern beigetragen, so das UNDP. Und viele Länder erwarten eine Verschlechterung der Lage: Von den 26 vom UNDP befragten Nationen stuften 22 die Krise als hohe oder mittlere Priorität ein. 13 gaben an, dass sie auf einer bestehenden wirtschaftlichen oder fiskalischen Krise aufliegt, und alle 26 bewerteten, dass das Schlimmste noch bevorstehe.

Hintergrund: Was bisher geschah

Bereits am 11.04.2026 berichtete aktien.news, dass der Iran-Krieg eine Gruppe wirtschaftlich angeschlagener Länder mit niedrigerem Einkommen besonders hart trifft. Sri Lanka, Ägypten und Pakistan standen demnach erneut vor massiven Finanzierungsproblemen, da die Energieimporte kriegsbedingt deutlich teurer geworden waren. Analysten warnten, dass die fragilen Erholungen dieser Volkswirtschaften durch den Konflikt abrupt gestoppt werden könnten.

Am 12.04.2026 berichtete aktien.news, dass der Krieg im Nahen Osten die Jahrestagung von IWF und Weltbank dominierte. Beide Institutionen kündigten an, ihre globalen Wachstumsprognosen zu senken und ihre Inflationserwartungen anzuheben. Besonders hart trafen die Folgen des Konflikts Schwellenländer und Entwicklungsländer, die mit steigenden Energiepreisen und gestörten Lieferketten kämpften. Vor dem Ausbruch des Iran-Krieges am 28. Februar hatten IWF und Weltbank noch mit einer Anhebung ihrer Wachstumsprognosen gerechnet.

Am 23.05.2026 berichtete aktien.news, dass 27 Länder seit Beginn des Nahostkonflikts Maßnahmen eingeleitet haben, um Notfallinstrumente der Weltbank zu aktivieren. Dies ermöglicht ihnen einen schnellen Zugang zu Mitteln aus bereits bestehenden Programmen. Dem internen Dokument zufolge hatten drei Länder seit Beginn des Konflikts am 28. Februar neue Eventualinstrumente vollständig abgeschlossen und genehmigt, während sich die übrigen 24 Nationen noch im administrativen Prozess befanden.

Am 23.09.2026 berichtete aktien.news, dass die Leiterin des Internationalen Währungsfonds, Kristalina Georgieva, in einem Interview mit der BBC forderte, die führenden Industrienationen müssten ihre Kreditaufnahme drosseln und die Schuldenstände senken. Globale Wirtschaftsschocks hätten die Schuldenstände „wie eine Treppe, nicht in den Himmel, nach oben getrieben“, warnte sie.

Was das für Anleger bedeutet

Für deutsche Privatanleger ist die Entwicklung vor allem über drei Kanäle relevant. Erstens bleiben die Öl- und Energiepreise der zentrale Treiber der Inflation – Molina bezeichnet die Entwicklung bei den Ölpreisen in den nächsten 60 Tagen als entscheidend. Zweitens rücken die Anleihemärkte in den Fokus: Steigende staatliche Kreditkosten sind bereits Auslöser der aktuellen Warnung, und die UNDP-Ökonomen messen ihrer weiteren Entwicklung besondere Bedeutung bei. Drittens zeigt die Umfrage unter 26 Nationen, dass die Mehrheit der befragten Regierungen mit einer Verschlechterung rechnet – ein Signal für anhaltenden Druck auf Schwellenländer-Anlagen.

Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten. Die vom UNDP genannten Fakten beschreiben jedoch ein Umfeld, in dem fiskalische Puffer aufgebraucht sind und politische Maßnahmen zur Abfederung an ihre Grenzen stoßen.

Ausblick

Konkrete Termine nennt die Quelle nur wenige. Vom 12. bis 18. Oktober treffen sich IWF und Weltbank in Bangkok; dort sollen die Herausforderungen der Entwicklungsländer diskutiert werden. Molina verweist auf ein Zeitfenster von 60 Tagen, in dem sich die Lage an den Anleihemärkten und beim Ölpreis entscheiden dürfte. Das Super-El-Niño-Ereignis wird bis Ende 2027 voraussichtlich 49 Millionen weitere Menschen in Ernährungsunsicherheit stürzen. Eine neue Runde von Schuldenstreichungen hat De Croo nicht gefordert.

Kurz erklärt

  • El Niño: Ein Klimaphänomen im Pazifik, das weltweit Überschwemmungen und Dürren auslösen kann.
  • Fiskalischer Spielraum: Der Handlungsspielraum eines Staates, über Ausgaben und Einnahmen auf Krisen zu reagieren.
  • Schuldenstreichung: Der teilweise oder vollständige Verzicht von Gläubigern auf die Rückzahlung von Staatsschulden.
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