Trumps kommunale Anleihen erreichen bis zu eine Milliarde Dollar
Der US-Präsident ist Gläubiger hunderter Städte, Krankenhäuser und Versorger – oft jener, die seine Politik direkt betrifft.

US-Präsident Donald Trump hat sein Engagement am Markt für kommunale Anleihen deutlich ausgebaut. Nach einer Analyse des US-Senders CNBC auf Basis seiner Finanzoffenlegungen hält er inzwischen mehr als 1.000 Positionen in kommunalen Schuldtiteln mit einem Gesamtwert zwischen 300 Millionen und einer Milliarde US-Dollar. Damit ist der Präsident Gläubiger bei Hunderten von Städten, Krankenhäusern, Schulen, Versorgungsunternehmen und anderen öffentlichen Einrichtungen im ganzen Land – viele davon sind direkt von Entscheidungen seiner eigenen Regierung betroffen.
Allein zum Jahresende 2025 wies Trump 807 Positionen in kommunalen Anleihen im Wert von 240,7 Millionen bis 797,6 Millionen US-Dollar aus. Seitdem hat er mindestens 243 Käufe im Jahr 2026 offengelegt, die zusammen zwischen 68,2 Millionen und 233,8 Millionen US-Dollar umfassen. Darunter sind 48 Neukäufe, die am 22. September bekannt wurden, als sein Finanzbericht für den Monat Juli öffentlich wurde.
Auffällig: Anders als bei seinen Aktienbeständen, die während dieser Präsidentschaft aktiv gehandelt wurden, meldet Trump bei Anleihen ausschließlich Käufe – Verkäufe tauchen nicht auf. Die genauen aktuellen Werte bleiben unklar, weil die bundesstaatlichen Einreichungen breite Wertspannen verwenden und spätere Marktbewegungen nicht abbilden.
Die Details
In einigen Fällen hielt Trump Anleihen eines Emittenten, bevor seine Regierung Maßnahmen ergriff, die diesen beeinflussten. In anderen Fällen kauften seine Konten die Schuldtitel, nachdem die Bundesregierung regulatorische oder finanzierungsbezogene Schritte gegenüber genau demselben Kreditnehmer oder Projekt unternommen hatte. CNBC fand nach eigenen Angaben keine Hinweise darauf, dass Trump oder seine Investmentmanager von Vorwissen über Regierungsentscheidungen profitierten, dass seine finanziellen Interessen diese Politik explizit geprägt hätten oder dass er einzelne Transaktionen gelenkt hätte.
Das Weiße Haus und die Trump Organization erklärten, Trumps Investitionen würden in diskretionären Konten gehalten, die von unabhängigen Finanzinstituten verwaltet werden. Der Sprecher des Weißen Hauses, Davis Ingle, sagte, weder Trump noch seine Familie hätten „die Fähigkeit, Einfluss zu nehmen oder Input zu geben“, darauf, wie das Portfolio investiert wird oder wann Wertpapiere gekauft oder verkauft werden. Ein Sprecher der Trump Organization erklärte ähnlich, externe Manager hätten die „alleinige und ausschließliche Autorität“ über Investitionsentscheidungen, einschließlich Asset-Allokation und Handel.
Ein Beispiel aus dem Energiesektor: Trumps Bestände umfassen Anleihen, die mit drei kohlegefeuerten Kraftwerken verbunden sind, die Erleichterungen von strengeren bundesweiten Umweltvorschriften erhielten. Im Februar 2025 kauften seine Konten zwischen 50.001 und 100.000 US-Dollar in Umweltkontroll-Anleihen, die mit Georgias Power Plant Bowen verbunden sind. Fünfundsiebzig Tage später unterzeichnete Trump eine Proklamation, die Dutzende Kohlekraftwerke – darunter alle vier Einheiten von Bowen – zwei Jahre lang von strengeren EPA-Grenzwerten für giftige Luftverschmutzung ausnahm. Nach der Ausnahme kauften Trumps Konten weitere Schulden im Wert von bis zu 200.000 US-Dollar, die mit zwei weiteren betroffenen Einrichtungen verbunden waren: Georgias Power Plant Scherer und Alabamas James M. Barry Plant. Die Proklamation hätte die Einhaltung der strengeren Standards von 2027 bis 2029 verzögert, obwohl die EPA sie im Februar schließlich widerrief.
Im Juli 2025 unterzeichnete Trump eine Executive Order, um Bau und Genehmigung von Rechenzentren sowie der Infrastruktur, die sie antreibt, zu beschleunigen. Vier Monate später begannen seine Konten, Omaha Public Power District Electric Revenue Bonds zu kaufen, und erwarben zwischen 750.002 und 1,5 Millionen US-Dollar im November und Dezember. S&P Global Ratings hatte in einem Bericht vom November erklärt, Rechenzentren dürften den Großteil des Stromnachfragewachstums des Versorgers in den nächsten drei Jahren antreiben. CNBC fand keine Hinweise darauf, dass Trumps Executive Order den Versorger oder ein bestimmtes Projekt in seinem Versorgungsgebiet gezielt hätte.
Auch im Gesundheitswesen ist Trump engagiert. Seine Konten beendeten 2025 mit 72 Positionen in kommunalen Anleihen, die mit Krankenhäusern und Gesundheitssystemen verbunden sind, im Wert von rund 24,2 Millionen bis 76,3 Millionen US-Dollar. Viele dieser Institutionen hängen von Medicaid-Ausgaben ab, die durch das Steuersenkungs- und Ausgabenpaket von 2025, bekannt als „big beautiful bill“, über ein Jahrzehnt hinweg um etwa 900 Milliarden US-Dollar gekürzt werden sollen – so die parteiunabhängige Gesundheitsorganisation KFF. S&P warnte, niedrigere Medicaid-Versicherungsquoten und Limits für Provider-Zahlungen könnten einige Krankenhaus-Credits unter Druck setzen. Dennoch kauften Trumps Konten weiter krankenhausbezogene Schulden, darunter Anleihen des gemeinnützigen Gesundheitssystems UPMC in Pittsburgh und von Memorial Hermann in der Region Houston. Der Juli-Bericht enthält fünf weitere Käufe mit Bezug zu Gesundheitseinrichtungen.
Nicht alle Positionen wirken zu Trumps finanziellen Gunsten. Am 12. März kauften seine Konten zwischen 250.001 und 500.000 US-Dollar an Staatsschulden von Minnesota. Fünfzehn Tage zuvor hatten die Centers for Medicare & Medicaid Services 259,5 Millionen US-Dollar an vierteljährlichen bundesstaatlichen Medicaid-Finanzierungen an den Staat zurückgehalten, unter Verweis auf eine Prüfung nicht unterstützter oder potenziell betrügerischer Ansprüche. Minnesota hat gegen den Großteil des noch ausstehenden Geldes Klage eingereicht, die anhängig ist. Am 11. Dezember kauften Trumps Konten zwischen 500.001 und 1 Million US-Dollar an Schulden der Minneapolis Public Schools – zehn Tage nach Beginn einer monatelangen Immigrationsrazzia in Minnesota, bei der zwei Demonstranten ums Leben kamen. Beamte in Minneapolis schätzten die wirtschaftlichen Kosten der Razzia auf fast 700 Millionen US-Dollar. Das Schuldistrikt berichtete später von nahezu 441.000 weniger servierten Mahlzeiten und Snacks von Januar bis März sowie von Ausgaben in Höhe von 253.000 US-Dollar für Technologie für temporäres Online-Lernen. Weniger als zwei Wochen nach dem Kauf der Minnesota-Staatsschulden erwarben Trumps Konten zwei Staatsschulden von Illinois im Wert von jeweils 1 Million bis 5 Millionen US-Dollar. Zuvor hatte das Department of Health and Human Services versucht, bestimmte Kinderbetreuungs- und Familienhilfefinanzierungen für Illinois und vier weitere Staaten wegen angeblicher Betrugsvorwürfe einzufrieren; ein Bundesrichter blockierte das Einfrieren innerhalb von Tagen und erließ im Februar eine vorläufige Verfügung.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 18.01.2026 berichtete aktien.news, dass Trump zwischen Mitte November und Ende Dezember Anleihen im Gesamtwert von etwa 100 Millionen Dollar erwarb; die Vermögensaufstellung dokumentierte 191 Kauf- und Verkaufsgeschäfte, darunter Anleihen von <a class="tvreplink" target="_blank" href="https://de.tradingview.com/symbols/Nasdaq%3ANFLX">Netflix und Warner Bros. Discovery im Wert von bis zu zwei Millionen Dollar – nur wenige Tage nach der angekündigten Fusion der beiden Medienkonzerne im Wert von 72 Milliarden Dollar. Am 17.01.2026 meldete aktien.news Anleihekäufe von über 100 Millionen US-Dollar, überwiegend Kommunalanleihen von Städten, Schulbezirken, Versorgungsunternehmen und Krankenhäusern, ergänzt um Unternehmensanleihen von Boeing, Occidental Petroleum und General Motors sowie Engagements in Netflix und Warner Bros Discovery im Kontext einer geplanten 83-Milliarden-Dollar-Übernahme. Am 26.04.2026 berichtete aktien.news, dass Trump im März Anleihen im Wert von mindestens 51 Millionen US-Dollar erwarb; die am Samstag veröffentlichten Unterlagen des Office of Government Ethics dokumentierten 175 Finanztransaktionen, wobei der kombinierte Maximalwert über alle Anlageklassen bei etwa 161 Millionen US-Dollar lag. Die 26 größten Einzeltransaktionen lagen jeweils zwischen einer und fünf Millionen US-Dollar und betrafen hauptsächlich Kommunalanleihen sowie US-Staatsanleihen, daneben Papiere von Weyerhaeuser und General Motors.
Was das für Anleger bedeutet
Der kommunale Anleihemarkt der USA boomt: Kommunale Emittenten verkauften 2025 einen Rekordwert von 580 Milliarden US-Dollar in Anleihen, ein Anstieg von 13 Prozent gegenüber 2024, wobei der Zuwachs laut Municipal Securities Rulemaking Board überwiegend auf neue Kreditaufnahmen und steuerbefreite Emissionen und nicht auf Refinanzierungen zurückging. 2026 setzte sich die Entwicklung fort: Bis August wurden 408,5 Milliarden US-Dollar verkauft, ein Plus von 4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, während die ausstehenden kommunalen Schulden im ersten Quartal rund 4,5 Billionen US-Dollar erreichten – ein Anstieg von 4,8 Prozent im Jahresvergleich, so die Securities Industry and Financial Markets Association. Höhere Zinssätze machen die Papiere attraktiver, zumal die Zinsen auf die meisten kommunalen Schulden von der Bundeseinkommensteuer ausgenommen sind. J.P. Morgan Private Bank schätzt, dass eine steuerfreie Rendite von 4 Prozent bei kommunalen Anleihen für einen Anleger in der höchsten Steuerklasse nach Steuern ungefähr dasselbe Einkommen bietet wie eine steuerpflichtige Anleihe mit 6,75 Prozent Rendite. Unternehmensanleihen und US-Treasuries sind dagegen steuerpflichtig. Dieser Vorteil blieb unter Trumps eigener Steuergesetzgebung intakt: Das Gesetz zur Steuersenkung und zum Ausgabenprogramm von 2025 bewahrte die bundeseinheitliche Steuerbefreiung für kommunale Anleihen, einschließlich qualifizierter privater Aktivitätsanleihen. Für deutsche Privatanleger ist wichtig: Die steuerliche Behandlung in den USA unterscheidet sich grundlegend vom deutschen System, und direkte Engagements in einzelnen kommunalen Schuldtiteln sind hierzulande kaum verbreitet. Anleger, die Exposure zu kommunalen Anleihen suchen, nutzen routinemäßig börsengehandelte Fonds (ETFs) und andere indizierte Produkte, um die Auswahl einzelner Schuldtitel zu vermeiden. Ethikexperten weisen darauf hin, dass kommunale Schulden im Allgemeinen ein entfernteres Interessenkonfliktpotenzial darstellen als Unternehmensaktien, die Bedenken sich jedoch verschärfen, wenn staatliche Maßnahmen einen Emittenten direkt treffen.
Ausblick
Es ist unklar, warum Trumps Konten so viele kommunale Anleihen gekauft haben oder welche Rolle einzelne Emittenten in der breiteren Anlagestrategie spielen. Weder das Weiße Haus noch die Trump Organization gaben eine Erklärung als Antwort auf die detaillierten Fragen von CNBC zu den Anleihekäufen ab. Die Klage Minnesotas gegen den Großteil des noch ausstehenden Medicaid-Geldes ist weiterhin anhängig. Die EPA widerrief die Erleichterungen bei den strengeren Grenzwerten für giftige Luftverschmutzung im Februar.
Kurz erklärt
- Kommunalanleihe: Schuldtitel, die Städte, Bundesstaaten oder öffentliche Einrichtungen zur Finanzierung von Infrastruktur und öffentlichen Aufgaben begeben.
- Steuerbefreiung: Vorteil, bei dem Zinserträge nicht der Bundeseinkommensteuer unterliegen.
- Diskretionäres Konto: Depot, bei dem ein externer Vermögensverwalter die Anlageentscheidungen eigenständig trifft.
- Medicaid: US-amerikanisches staatliches Gesundheitsprogramm für einkommensschwache Bevölkerungsgruppen.
- ETF: börsengehandelter Fonds, der einen Index oder ein Marktsegment abbildet.
