Trump-Russland-Diesel-Deal: Wachsende Kritik aus Kongress und Ausland
Sieben US-Senatoren fordern Kursumkehr, Selenskyj nennt den Deal ein Geschenk an Putin.

US-Präsident Donald Trump sieht sich nach der Ankündigung seines Russland-Diesel-Deals mit wachsendem Widerstand konfrontiert – sowohl im Inland als auch international. Trump hatte am Freitag bekanntgegeben, dass der russische Präsident Wladimir Putin zugestimmt habe, umgehend 300.000 Tonnen Diesel „für den amerikanischen und globalen Markt" freizugeben. Der Deal ist politisch brisant, weil Trump erst vor wenigen Wochen Gesetze unterzeichnet hatte, die neue US-Sanktionen und Zölle gegen Nationen autorisieren, die russisches Öl und Gas importieren.
Hintergrund des Abkommens ist der massive Anstieg der Kraftstoffpreise in den USA, ausgelöst durch den anhaltenden Krieg mit dem Iran, der seit Ende Februar die globalen Energiemärkte erschüttert. Der durchschnittliche Dieselpreis in den USA liegt laut AAA derzeit bei 6,28 US-Dollar pro Gallone – ein Rückgang gegenüber dem Ende September verzeichneten Rekordhoch von 6,53 US-Dollar. Die steigenden Preise sind zu einem zentralen Wahlkampfthema vor den Zwischenwahlen im nächsten Monat geworden, bei denen entschieden wird, ob Trumps Republikanische Partei die Kontrolle über den Kongress behält.
„Niedrigere Preise für Amerikaner, insbesondere für unsere großartigen Landwirte, Rancher und Lkw-Fahrer, haben für mich oberste Priorität", schrieb Trump in einem Post auf Truth Social. Umfragen zeigen jedoch, dass eine Mehrheit der Amerikaner seinen Umgang mit der Wirtschaft und dem Krieg im Iran missbilligt.
Die Details des Abkommens
Neben der anfänglichen Freigabe von 300.000 Tonnen Diesel kündigte Trump weitere Lieferstufen an: Im November sollen 500.000 Tonnen folgen, danach eine weitere Million Tonnen. Zusätzlich sollen drei weitere Millionen Tonnen „innerhalb eines kurzen Zeitraums" geliefert werden – abhängig vom Zustand der russischen Raffinerien, die während des anhaltenden Krieges zwischen Russland und der Ukraine von der Ukraine angegriffen wurden. Russlands stellvertretender Ministerpräsident Alexander Nowak bestätigte diese Zahlen gegenüber der staatlichen Nachrichtenagentur Tass und erklärte, das Exportvolumen könnte künftig drei Millionen Tonnen pro Monat erreichen.
Um den Import zu ermöglichen, setzt das US-Finanzministerium die Sanktionen gegen russische Dieselexporte bis zum 7. April aus. Andere Vermögenswerte, wie jene bei amerikanischen Banken, bleiben weiterhin eingefroren. Trumps Finanzminister Scott Bessent erklärte gegenüber Fox News, das Abkommen würde über bestehende rechtliche Kanäle der USA funktionieren, um die Preise zu senken, und jeder im Kongress, der das Gegenteil behaupte, liege im Unrecht.
Analysten haben allerdings infrage gestellt, ob Russland in der Lage ist, diese Mengen tatsächlich zu liefern, und inwieweit dies die Preise für amerikanische Verbraucher senken wird. Die USA verbrauchen täglich etwa 3,6 Millionen Tonnen Diesel. Selbst wenn Russland die versprochenen 300.000 Tonnen in diesem Monat liefert, entspricht dies nur etwa der Hälfte des täglichen US-Verbrauchs.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 10. Oktober 2026 berichtete aktien.news, dass Trump eine spektakuläre politische Kehrtwende vollzogen hatte: Der US-Präsident kündigte an, russischen Diesel in die USA und auf die Weltmärkte zu importieren – obwohl er erst drei Wochen zuvor ein Gesetz unterzeichnet hatte, das neue Sanktionen gegen Länder autorisiert, die russisches Öl und Gas importieren. Ebenfalls am 10. Oktober 2026 meldete aktien.news, dass das US-Finanzministerium eine befristete Ausnahmegenehmigung erteilt hat, die den Import russischen Diesels bis zum 7. April erlaubt und damit die seit Oktober 2025 bestehenden Sanktionen vorübergehend aussetzt. Gleichzeitig reagierte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj scharf und bezeichnete den Deal als „Geschenk an Putin" – eine Maßnahme, die einer „Investition in einen Krieg gleichkommt, der beendet und nicht verlängert werden muss".
Breiter Widerstand aus Kongress und Ausland
Eine Gruppe von sieben Senatoren – vier Republikaner und drei Demokraten – erklärte am Sonntag, dass das Geschäft gegen US-Gesetze verstoße, und forderte Trump auf, den „Kurs umzukehren". „Die Vereinigten Staaten sollten Putin keine finanzielle Lebensader bieten, während Russland weiterhin ukrainische Zivilisten tötet", so die Abgeordneten. Sie verwiesen darauf, dass der Kongress „russische Energieimporte im Jahr 2022 explizit verboten hat, um zu verhindern, dass amerikanische Dollar Putins brutalen Krieg gegen die Ukraine finanzieren". Die Erklärung wurde von den Republikanern Susan Collins, Lisa Murkowski, Thom Tillis und John Curtis sowie den Demokraten Jeanne Shaheen, Richard Blumenthal und Ron Wyden unterzeichnet.
Nicht jeder lehnt den Deal ab: Der Republikaner Thomas Massie erklärte, die USA sollten die Sanktionen für alle Erdölprodukte aufheben. Auch international stößt Trump auf Widerstand. Der kanadische Premierminister Mark Carney und der britische Verteidigungsminister Wes Streeting kritisierten das Abkommen und erklärten, die USA und andere Verbündete der Ukraine sollten sich darauf konzentrieren, den Druck auf Russland zur Beendigung des Krieges zu erhöhen.
Am Sonntag gab Trump zudem bekannt, dass Russland und die Ukraine einen „Energiewaffenstillstand" erreicht hätten, nannte jedoch keine weiteren Details. Selenskyj begrüßte dies, aus Moskau gab es keine Reaktion.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist das Geschehen auf mehreren Ebenen relevant. Der Iran-Krieg und die dadurch ausgelösten Verwerfungen auf den globalen Energiemärkten treffen auch europäische Verbraucher und Unternehmen. Ein möglicher Rückgang der Dieselpreise durch russische Lieferungen könnte die Transportkosten und damit die Margen von Logistik- und Agrarbetrieben beeinflussen. Gleichzeitig bleibt die geopolitische Unsicherheit hoch: Die Auseinandersetzung zwischen Trump und dem US-Kongress über die Rechtmäßigkeit des Deals sowie die internationale Kritik könnten das Abkommen noch gefährden. Die befristete Sanktionsaussetzung bis zum 7. April schafft zudem eine zeitliche Begrenzung, die Planungssicherheit erschwert.
Ausblick
Die Zwischenwahlen im nächsten Monat werden zeigen, ob Trumps Strategie zur Senkung der Kraftstoffpreise politisch aufgeht. Die Sanktionsaussetzung des US-Finanzministeriums läuft bis zum 7. April. Russland hat angekündigt, das Exportvolumen auf bis zu drei Millionen Tonnen pro Monat steigern zu wollen – abhängig vom Zustand der durch ukrainische Angriffe beschädigten Raffinerien. Ob der Kongress rechtliche Schritte einleitet, um den Deal zu stoppen, bleibt offen.
Kurz erklärt
- Sanktionsaussetzung: Eine zeitlich begrenzte Ausnahmegenehmigung, die es erlaubt, trotz bestehender Sanktionen Handel mit einem sanktionierten Land zu betreiben.
- Midterms: Zwischenwahlen in den USA, die in der Mitte einer Präsidentschaftsamtszeit stattfinden und über die Zusammensetzung des Kongresses entscheiden.
- Energiewaffenstillstand: Eine Vereinbarung zwischen Konfliktparteien, gegenseitige Angriffe auf Energieinfrastruktur vorübergehend einzustellen.
