Thailand: Inflation sinkt überraschend stark – Trendwende ab April erwartet
Verbraucherpreise fallen zehnten Monat in Folge um 0,66 Prozent, Zentralbank könnte Leitzins weiter senken.

Die thailändische Wirtschaft kämpft weiterhin mit sinkenden Verbraucherpreisen. Im Januar fiel der Verbraucherpreisindex (VPI) um 0,66 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat – deutlich stärker als von Ökonomen erwartet. Diese hatten lediglich mit einem Rückgang von 0,40 Prozent gerechnet. Damit verharrt die Teuerungsrate bereits den zehnten Monat in Folge im negativen Bereich.
Als Hauptgründe für die anhaltende Deflationstendenz nennt das thailändische Handelsministerium niedrigere Energiepreise und staatliche Unterstützungsmaßnahmen. Im Dezember hatte die Inflationsrate noch bei minus 0,28 Prozent gelegen. Die aktuelle Entwicklung liegt weit unter dem Zielkorridor der thailändischen Zentralbank von ein bis drei Prozent.
Zentralbank könnte erneut Zinsen senken
Die schwache Preisentwicklung erhöht den Druck auf die Bank of Thailand, ihre Geldpolitik weiter zu lockern. Einige Ökonomen erwarten bereits eine erneute Leitzinssenkung bei der nächsten Sitzung am 25. Februar. Zentralbankgouverneur Vitai Ratanakorn hatte zuletzt erklärt, dass die Inflation voraussichtlich erst im nächsten Jahr in das Zielband zurückkehren werde.
Allerdings sieht das Handelsministerium keine echte Deflation am Horizont. "Die Kernrate bleibt weiterhin positiv", betonte Natiya Suchinda, stellvertretende Leiterin des Büros für Handelspolitik und Strategie. Der Kern-VPI, der volatile Energie- und Lebensmittelpreise ausklammert, stieg im Januar um 0,60 Prozent und lag damit im Rahmen der Erwartungen.
Trendwende ab Frühjahr prognostiziert
Für die kommenden Monate rechnet das Ministerium zunächst mit einer Fortsetzung des negativen Trends. Im Februar und März dürfte die Gesamtinflation weiter im Minus verharren, im ersten Quartal insgesamt bei minus 0,43 Prozent liegen. Ab April erwarten die Experten jedoch eine Wende: Die Inflation soll dann wieder in den positiven Bereich drehen.
Die Prognose für das Gesamtjahr zeigt einen schrittweisen Anstieg: Im zweiten Quartal werden 0,38 Prozent erwartet, im dritten Quartal 0,90 Prozent und im vierten Quartal 1,15 Prozent. "Die erwartete Rückkehr in den positiven Bereich ist auf saisonale Faktoren zurückzuführen", erklärte Natiya. In den Sommermonaten würden typischerweise die Preise für frisches Gemüse und Obst steigen.
Für Anleger mit Interesse an südostasiatischen Märkten bleibt die Entwicklung in Thailand ein wichtiger Indikator. Die anhaltend schwache Inflation könnte die Attraktivität thailändischer Anleihen erhöhen, sollte die Zentralbank die Zinsen weiter senken.
