TeamViewer-Aktie verliert 3% nach Bernstein-Herabstufung wegen KI-Risiken
Analysten senken Kursziel drastisch von 11 auf 7,60 Euro und warnen vor Disruption durch künstliche Intelligenz.

Die Aktie des deutschen Software-Unternehmens TeamViewer (ETR: TMV) geriet am Mittwoch unter Druck und verlor rund 3 Prozent an Wert. Auslöser war eine deutliche Herabstufung durch die Investmentbank Bernstein, die ihre Gewinnprognosen kräftig nach unten korrigierte und vor erheblichen Risiken durch künstliche Intelligenz warnte.
Bernstein senkte seine Schätzungen für den bereinigten Gewinn je Aktie (EPS) für die Geschäftsjahre 2026 und 2027 um durchschnittlich 11 Prozent. Gleichzeitig wurde das Kursziel von zuvor 11 Euro auf nur noch 7,60 Euro reduziert – ein Rückgang um mehr als 30 Prozent. Die Einstufung "Market-Perform" behielt das Analysehaus allerdings bei.
Analyst Richard Nguyen begründete die pessimistische Einschätzung mit "sich verlangsamenden Wachstumsaussichten" und steigenden kurzfristigen Disruptionsrisiken durch KI-Technologien. TeamViewer werde als "AI Transformer" eingestuft – ein Unternehmen, dessen Kerngeschäft durch künstliche Intelligenz teilweise repliziert werden könne.
KI als Wettbewerbsbedrohung
"KI macht die Konnektivitätslösungen von TeamViewer nicht überflüssig; das KI-Risiko ist vielmehr wettbewerbsbedingt", erklärte Nguyen in seiner Analyse. Besonders problematisch seien die nur moderaten Wechselkosten für Kunden, vor allem im Segment der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), die rund 70 Prozent des Konzernumsatzes ausmachen.
KI-Agenten und auf Large Language Models (LLM) basierende Support-Tools könnten einen "erheblichen Teil des Wertes replizieren, der auf der Fernkonnektivität aufbaut". Dies verringere die Differenzierung auf Workflow-Ebene und setze TeamViewer unter Druck, sich "schnell genug in ein AI-First-Unternehmen zu verwandeln".
In Bernsteins KI-Risikomatrix positioniert sich TeamViewer im Quadranten für hohe Automatisierbarkeit bei mittlerer bis geringer Verteidigungsfähigkeit. Der zusammengesetzte Automatisierungswert liegt bei 7,0, der Verteidigungswert bei nur 6,9.
Schwaches Wachstum erwartet
Die Wachstumsdynamik des Unternehmens gibt zusätzlich Anlass zur Sorge. TeamViewer prognostiziert für das Geschäftsjahr 2026 ein Umsatzwachstum von lediglich 0 bis 3 Prozent auf währungsbereinigter Basis. Das Wachstum der jährlich wiederkehrenden Umsätze (ARR) soll zum Ende des Geschäftsjahres 2025 bei nur 2 Prozent liegen.
Besonders schwach dürfte das erste Quartal 2026 ausfallen, wobei sowohl das Enterprise- als auch das KMU-Segment unter Druck stehen. Hinzu kommen stärkere Gegenwinde durch negative Wechselkurseffekte.
Immerhin bleibt die Rentabilität robust: TeamViewer erwartet für das Geschäftsjahr 2026 eine bereinigte EBITDA-Marge von rund 43 Prozent. Eine wesentliche Beschleunigung des Umsatzwachstums sieht Analyst Nguyen jedoch "kurzfristig möglicherweise nicht eintreten".
Abwartende Haltung
"Wir bleiben an der Seitenlinie, auch wenn wir unser Market-Perform-Rating beibehalten, da wir TeamViewer als ein Unternehmen im Umbruch betrachten", fasste Nguyen seine Einschätzung zusammen. Das Unternehmen befinde sich in einer kritischen Transformationsphase, deren Ausgang noch ungewiss sei.
Während KI langfristig durchaus Aufwärtspotenzial schaffen könne, berge der Übergang "hohe kurzfristige Disruptionsrisiken". Anleger sollten die Entwicklung der KI-Strategie von TeamViewer sowie die Wachstumszahlen der kommenden Quartale genau beobachten.
