Taiwan: Zentralbank optimistisch trotz Sorgen um KI-Blase und Marktvolatilität
Notenbankprotokolle zeigen Zuversicht beim Wirtschaftswachstum, doch Risiken durch boomenden Aktienmarkt werden genau beobachtet.

Die taiwanesische Zentralbank zeigt sich optimistisch für die wirtschaftliche Entwicklung der Insel, mahnt jedoch gleichzeitig zur Vorsicht. Laut dem am Donnerstag veröffentlichten Protokoll der jüngsten Vorstandssitzung äußerten mehrere der 15 Vorstandsmitglieder Bedenken hinsichtlich einer möglichen KI-Blase und den Risiken des stark gestiegenen Aktienmarktes.
Im Dezember hatte die Zentralbank in einer einstimmigen Entscheidung den Leitzins bei 2% belassen – ein Niveau, das seit März 2024 unverändert gilt. Gleichzeitig hob sie ihre Wachstumsprognose für 2025 an, gestützt auf die boomenden Technologieexporte in die USA. Taiwan ist weltweit führend in der Produktion fortschrittlicher Halbleiter, die die KI-Revolution antreiben.
Der Erfolg der Halbleiterindustrie spiegelt sich auch am Aktienmarkt wider: Der taiwanesische Leitindex legte 2025 um beeindruckende 26% zu. Mehrere Vorstandsmitglieder erwarten dank der anhaltenden KI-Nachfrage ein solides Wirtschaftswachstum bis mindestens 2026.
Warnung vor Überhitzung
Trotz des positiven Ausblicks äußerte ein Vorstandsmitglied Bedenken: "Obwohl die Wahrscheinlichkeit einer KI-Blase gering ist, ist eine fortlaufende Überwachung gerechtfertigt." Ein anderes Mitglied wies auf die gestiegene Marktkapitalisierung und das signifikante Wachstum bei Exchange-Traded Funds (ETFs) hin.
"In Verbindung mit den häufigen Zuflüssen ausländischen Kapitals könnten diese Entwicklungen die Volatilität der inländischen Finanz- und Devisenmärkte verschärfen", heißt es im Protokoll. Besonders der hohe Anteil ausländischer institutioneller Anleger am taiwanesischen Aktienmarkt bereitet Sorgen.
Wechselkursrisiken im Fokus
Ein drittes Vorstandsmitglied warnte, dass selbst ein teilweiser Ausverkauf durch ausländische Investoren erheblichen Abwärtsdruck auf den Taiwan-Dollar ausüben könnte. Die Zentralbank hat das Mandat, einen stabilen Wechselkurs zu gewährleisten – eine Aufgabe, die angesichts der hohen Kapitalzuflüsse zunehmend anspruchsvoller wird.
Die nächste vierteljährliche Zinssitzung findet im März statt. Bereits am Freitag wird die Regierung vorläufige Zahlen zum Wirtschaftswachstum des vierten Quartals und des Gesamtjahres 2025 veröffentlichen. Analysten erwarten robuste Wachstumszahlen, getrieben durch die starke Nachfrage nach Halbleitern und KI-Technologie.
