Brasiliens Kreditwachstum übertrifft Prognose mit 10,2 Prozent deutlich
Staatliche Stimulierungsmaßnahmen treiben Privatkundenkredite trotz rekordhoher Zinsen von 15 Prozent an.

Brasiliens Kreditvergabe ist im Jahr 2025 um 10,2 Prozent gewachsen und hat damit die Prognose der Zentralbank deutlich übertroffen. Laut offiziellen Daten vom Dienstag wurde das Wachstum hauptsächlich durch eine stärker als erwartete Kreditnachfrage privater Haushalte getrieben. Dies geschah trotz der extrem restriktiven Geldpolitik der brasilianischen Notenbank.
Die Regierung von Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hatte 2025 umfassende Kreditstimulierungsmaßnahmen eingeführt. Diese zielten darauf ab, Lohn- und Gehaltsabzugskredite für Beschäftigte des privaten Sektors auszuweiten. Zudem wurden subventionierte Programme zum Hauserwerb auf Familien mit mittlerem Einkommen ausgedehnt. Die Maßnahmen zeigen nun ihre volle Wirkung im Kreditmarkt.
Die brasilianische Zentralbank hatte im Dezember noch ein moderateres Wachstum von nur 9,4 Prozent prognostiziert. Als Begründung führten die Währungshüter die hohen Kreditkosten an. Der Leitzins liegt seit Juli 2024 bei 15 Prozent – dem höchsten Stand seit fast zwei Jahrzehnten. Mit dieser straffen Geldpolitik will die Notenbank die Inflation auf das Ziel von 3 Prozent drücken.
Privatkundenkredite als Wachstumstreiber
Besonders deutlich fiel das Wachstum bei Privatkunden aus. Die Kreditvergabe an private Haushalte stieg um 11,6 Prozent und übertraf damit die Dezember-Prognose der Zentralbank von 10,4 Prozent klar. Die Unternehmenskredite wuchsen mit 8,1 Prozent hingegen weitgehend erwartungsgemäß. Die Zentralbank hatte hier 8,0 Prozent geschätzt.
Allein im Dezember stieg das Gesamtkreditvolumen in Lateinamerikas größter Volkswirtschaft gegenüber dem Vormonat um 1,8 Prozent auf 7,1 Billionen Real (umgerechnet 1,37 Billionen US-Dollar). Im Vorjahr 2024 hatte das Kreditwachstum noch bei 11,5 Prozent gelegen. Der Rückgang zeigt, dass die hohen Zinsen durchaus bremsend wirken.
Ausfallquoten steigen leicht an
Die Ausfallquoten für Verbraucher- und Geschäftskredite stiegen im Dezember leicht von 5,3 auf 5,4 Prozent. Diese breite Messgröße umfasst allerdings keine zweckgebundenen Kredite. Gleichzeitig verringerten sich die Kreditmargen minimal auf 33,6 Prozentpunkte, nach 33,8 Punkten im November. Dies deutet auf einen intensiveren Wettbewerb der Banken hin.
Die Entwicklung zeigt den Spagat der brasilianischen Wirtschaftspolitik. Während die Zentralbank mit Rekordzinsen die Inflation bekämpft, versucht die Regierung durch gezielte Kreditprogramme das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Für Anleger bleibt Brasilien damit ein Markt mit hohen Chancen, aber auch erheblichen makroökonomischen Risiken.
