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Syrien bezieht trotz Westorientierung massiv Öl aus Russland

Russische Öllieferungen nach Syrien stiegen 2025 um 75 Prozent – trotz Misstrauen gegenüber Moskau und westlicher Ausrichtung Damaskus'.

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Syrien bezieht trotz Westorientierung massiv Öl aus Russland

Russland hat sich zum wichtigsten Öllieferanten Syriens entwickelt – und das trotz der pro-westlichen Ausrichtung der neuen syrischen Regierung und des weit verbreiteten Misstrauens gegenüber Moskau. Wie Reuters auf Basis offizieller Bekanntmachungen sowie Schiffsverfolgungsdaten von LSEG, MarineTraffic und Shipnext berichtet, sind die russischen Öllieferungen nach Syrien im Jahr 2025 um 75 Prozent auf rund 60.000 Barrel pro Tag gestiegen.

Für die globalen Ölexporte Russlands macht diese Menge nur einen winzigen Bruchteil aus. Für Syrien jedoch, dessen heimische Produktion weit hinter der Nachfrage zurückbleibt, macht Moskau damit zum dominierenden Rohöllieferanten des Landes – und übernimmt die Rolle, die zuvor der Iran innehatte. Teheran war während des 14-jährigen Bürgerkriegs ein enger Verbündeter des gestürzten Machthabers Baschar al-Assad und stellte seine Lieferungen nach dessen Sturz im Dezember 2024 ein.

Wirtschaftliche Not treibt den Handel an

Zwei Analysten und drei syrische Beamte erklärten gegenüber Reuters, der Handel spiegele die wirtschaftliche Notwendigkeit in Damaskus wider. Gleichzeitig verschaffe er Moskau Einfluss in einem Land, in dem Russland weiterhin zwei Marine- und Luftwaffenstützpunkte unterhält. Die Beziehung zu Russland berge das Risiko, die Beziehungen zur EU und zu Washington zu belasten – doch Damaskus habe derzeit kaum Alternativen, so die Beamten, die anonym blieben.

Der syrische Ökonom Karam Shaar warnte vor den Risiken für den Energiesektor: „Sollten die Vereinigten Staaten keine Einigung oder Beilegung mit Russland in Bezug auf die Ukraine erzielen, wäre es keine Überraschung, wenn sie Syrien von heute auf morgen anweisen würden, diese Öllieferungen zu stoppen." Er fügte hinzu, dass sich die syrische Regierung der Risiken bewusst sei und nach alternativen Lieferanten suche.

Ein Beamter der staatlichen Syrian Petroleum Company (SPC) bestätigte, dass Damaskus versuche, die Lieferanten zu diversifizieren. So habe man – bisher erfolglos – ein Ölabkommen mit der Türkei angestrebt, die der neuen syrischen Regierung unter Ahmed al-Sharaa nahesteht. Das Schifffahrtsanalyseunternehmen SynMax erklärte, finanzielle Engpässe, kommerzielle Risiken und jahrelange Konflikte schränkten den Zugang Syriens zu konventionellen Tankbetreibern ein, wodurch mit Russland verbundene Netzwerke zu den praktikabelsten Optionen gehörten.

Syriens Energielage: Heimische Produktion weit unter Bedarf

Die Zahlen verdeutlichen das strukturelle Energieproblem Syriens. Das größte Ölfeld des Landes, al-Omar in Deir Ezzor, produziert lediglich rund 5.000 Barrel pro Tag. Die gesamte heimische Produktion lag 2025 bei etwa 35.000 Barrel pro Tag – ein Bruchteil des Vorkriegsniveaus von 350.000 Barrel pro Tag. Der tägliche Öl- und Treibstoffbedarf wird von der Syrian Petroleum Company und Beamten des Energieministeriums auf 120.000 bis 150.000 Barrel geschätzt.

Zusätzlich werden nach Schätzungen von Beamten rund 50.000 Barrel pro Tag aus dem benachbarten Libanon geschmuggelt, der Öl aus verschiedenen Quellen bezieht, darunter die Türkei, Saudi-Arabien und Russland. Die verbleibende Lücke – etwa ein Drittel des Inlandsbedarfs – wird durch die russischen Lieferungen gedeckt. Die Verträge wurden laut einem Beamten der Syrian Company for Oil Transport mit einem Abschlag gegenüber der Referenzsorte Brent abgeschlossen.

Russland war das erste Land, das nach dem Sturz Assads einen Tanker nach Syrien schickte. Im Jahr 2025 lieferte Moskau insgesamt 16,8 Millionen Barrel – rund 46.000 Barrel pro Tag – durch 19 Ladungen, die zwischen dem 28. Februar und dem 31. Dezember verschifft wurden, so Daten von Kpler. Reuters verfolgte die Namen von 21 Schiffen, die fast wöchentlich aus Russland in syrischen Häfen eintreffen – alle stehen derzeit unter westlichen Sanktionen.

Sanktionierte Schiffe und undurchsichtige Lieferketten

Der Handel wird über eine rotierende Flotte abgewickelt, die mit Russlands Netzwerk aus sanktionierten oder risikoreichen Tankern verbunden ist. Diese operieren unter mehreren Flaggen, darunter Panama, Liberia, die Marshallinseln, die Komoren, Madagaskar, Oman und Russland. Ein Teil der Lieferkette umfasst sogenannte Ship-to-Ship-Transfers – Umladungen von Schiff zu Schiff –, die laut SynMax häufig in der Nähe von Griechenland, Zypern oder Ägypten durchgeführt werden.

Solche Transfers auf See werden häufig genutzt, um Transportkosten zu senken oder Sanktionen zu umgehen, indem Herkunft und Eigentum der Ladung verschleiert werden. „Die Ship-to-Ship-Operationen deuten darauf hin, dass die Vereinigten Staaten bei diesen Aktivitäten nicht völlig wegschauen und dass die syrischen und russischen Behörden zumindest versuchen, einige dieser Lieferungen zu verbergen", sagte Ökonom Shaar.

Noam Raydan, Analystin für maritime Risiken und Energie am Washington Institute, mahnte zur Vorsicht bei der Bewertung des Handels: „Die Frage ist, wer die sanktionierten Akteure sind, die tatsächlich von diesem Handel profitieren." Syrische Behörden geben in staatlichen Medien zwar bekannt, wenn Öllieferungen eintreffen, legen deren Herkunft jedoch nicht offen – offenbar in der Erkenntnis, dass Russland im Inland aufgrund seiner militärischen Unterstützung für die Assad-Regierung unpopulär ist.

Die Zentralbank Syriens hat erst im März ihr Konto bei der Federal Reserve Bank of New York reaktiviert – zum ersten Mal seit 2011. Dies eröffnet neue Möglichkeiten für eine umfassendere Bankkommunikation mit dem globalen Finanzsystem, doch der Weg zur vollständigen wirtschaftlichen Normalisierung bleibt lang. SynMax betonte, dass „ein Übergang zu konventionellen internationalen Lieferketten wahrscheinlich nicht sofort erfolgen wird".

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