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Super-El-Niño und Iran-Krieg bedrohen globale Lebensmittelpreise

Ein mögliches Super-El-Niño-Ereignis verschärft zusammen mit kriegsbedingten Düngemittelengpässen die weltweiten Ernährungsrisiken erheblich.

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Super-El-Niño und Iran-Krieg bedrohen globale Lebensmittelpreise

Ein ungewöhnlich starkes El-Niño-Phänomen könnte im weiteren Jahresverlauf die globale Ernährungssicherheit massiv unter Druck setzen. Gleichzeitig belasten die durch den Iran-Krieg verursachten Störungen die Versorgung mit wichtigen Düngemitteln weltweit. Klimaforscher und Ökonomen warnen vor einer gefährlichen Kombination aus Klima- und Konfliktrisiken.

US-Meteorologen schätzen die Wahrscheinlichkeit für ein „starkes" El-Niño-Ereignis im Zeitraum Oktober bis Dezember auf eins zu drei. Europäische Klimamodelle deuten sogar auf eine noch höhere Wahrscheinlichkeit für einen sogenannten „Super-El-Niño" hin. Allerdings schränkt die sogenannte „Frühlingsbarriere" die Genauigkeit dieser Prognosen derzeit noch ein.

El Niño – spanisch für „der Junge" – bezeichnet die natürliche Erwärmung der Meeresoberflächentemperaturen im tropischen Ostpazifik, die alle paar Jahre auftritt. Ein solches Ereignis wird ausgerufen, wenn die Meerestemperaturen dort um mindestens 0,5 Grad Celsius über den langfristigen Durchschnitt steigen. Für einen „Super-El-Niño", der keine offizielle wissenschaftliche Kategorie darstellt, müssen die Temperaturen sogar um mindestens 2 Grad Celsius über den Normalwert klettern.

Kakao, Reis und Speiseöle besonders gefährdet

Chris Jaccarini, Senior Analyst für Lebensmittel und Landwirtschaft bei der Energy and Climate Intelligence Unit, warnt, dass sich 2026 als ein weiteres Jahr abzeichne, in dem Konflikt- und Klimarisiken zu einer kostspieligen Realität geworden sind. Bestimmte Rohstoffe seien dem Wetterereignis besonders ausgesetzt. El Niño erhöhe typischerweise den Preisdruck auf Kakao, Speiseöle, Reis und Zucker.

Darüber hinaus nennt Jaccarini umfassendere Risiken für weitere tropische Produkte wie Bananen, Tee, Kaffee, Schokolade und mit Soja gefüttertes Fleisch. Die Erwartungen einer El-Niño-Rückkehr folgen auf ein mehrjähriges La-Niña-Ereignis, das im Vergleich zu normalen Jahren die globalen Temperaturen tendenziell senkt. Der Wechsel zwischen diesen Klimaphänomenen kann die Landwirtschaft in vielen Regionen der Welt erheblich destabilisieren.

Straße von Hormus: Düngemittelversorgung massiv gestört

Parallel dazu haben die Öl- und Gaspreise sowie die Düngemittelkosten stark angezogen, weil der Iran-Krieg den Schiffsverkehr durch die strategisch wichtige Straße von Hormus nahezu zum Erliegen gebracht hat. Diese schmale Wasserstraße verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist für den Welthandel von zentraler Bedeutung. Normalerweise passiert etwa ein Drittel des weltweiten Seehandels mit Düngemitteln diese Route.

Seit die USA und Israel am 28. Februar Luftangriffe auf den Iran starteten, ist der Schiffsverkehr dort praktisch zusammengebrochen. Zwar begrüßten führende Politiker weltweit am Mittwoch die Ankündigung eines vorübergehenden Waffenstillstands zwischen den USA und dem Iran. Experten erklärten gegenüber CNBC jedoch, dass das Abkommen keinen klaren Weg zum Frieden biete und die durch die wochenlangen Angriffe verursachten Störungen nachhaltige Auswirkungen haben werden.

Die Preissprünge bei Treibstoff und Düngemitteln treffen die USA zudem zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt: Sie fallen mit dem Beginn der US-Aussaatsaison zusammen. Dies schürt bei amerikanischen Landwirten die Angst vor erhöhten Lebensmittelpreisen und geringeren Ernteerträgen. Paul Donovan, Chefökonom der Schweizer Bank UBS, betont, dass jeder Anstieg der Energiepreise unweigerlich die Angst vor höheren Lebensmittelpreisen schüre, da die Düngemittelherstellung energieintensiv sei und Erdgas zur Produktion bestimmter Chemikalien verwendet werde.

UN warnen: 45 Millionen Menschen mehr von Hunger bedroht

Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) hat in einer im vergangenen Monat veröffentlichten Analyse eindringlich gewarnt: Die Zahl der Menschen mit unsicherer Ernährungslage könnte weltweit ein Niveau erreichen, das zuletzt zu Beginn der großangelegten russischen Invasion in der Ukraine Anfang 2022 verzeichnet wurde.

Das WFP schätzt, dass die Zahl der Menschen, die unter akutem Hunger leiden, um 45 Millionen ansteigen könnte, falls der Iran-Krieg über den Juni hinaus andauert und die Ölpreise über 100 US-Dollar pro Barrel bleiben. Diese alarmierende Prognose käme zu den bereits jetzt 318 Millionen Menschen weltweit hinzu, deren Ernährungslage als unsicher gilt.

Die Kombination aus einem möglichen Super-El-Niño, gestörten Düngemittellieferketten und anhaltenden geopolitischen Spannungen stellt damit eine ernste Bedrohung für die globale Ernährungssicherheit dar – mit direkten Folgen auch für die Lebensmittelpreise in Deutschland und Europa.

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