Südkoreanische Aktien schließen fast 2% höher dank Rekord-Chip-Exporte
Der KOSPI dreht ins Plus, angetrieben von Halbleiterwerten nach überraschend starken Exportdaten aus Südkorea.

Der südkoreanische Leitindex KOSPI hat am Donnerstag einen deutlichen Erholungstag hingelegt. Der Index schloss mit einem Plus von 133,31 Punkten beziehungsweise 1,95% bei 6.971,35 Punkten. Zuvor war er zu Beginn der Sitzung noch um bis zu 1,1% gefallen, ehe die Käufer die Oberhand gewannen.
Mit dem Schlusskurs beendete der KOSPI eine Serie von drei aufeinanderfolgenden Verlusttagen. Zugleich markierte der Handelstag den größten täglichen prozentualen Anstieg seit dem 18. September. Getragen wurde die Aufwärtsbewegung vor allem von den Halbleiterherstellern, nachdem die inländischen Handelsdaten die Prognosen deutlich übertrafen und einen neuen Rekord erreichten.
„Der Inlandsmarkt wurde nach den Exportdaten vor allem durch die Stärke im Halbleitersektor angeführt. Allerdings müssen wir erst sehen, ob die Wachstumsraten weiterhin steigen werden“, sagte Seo Sang-young, Analyst bei Mirae Asset Securities. Der Experte verweist damit auf die Frage, ob die Dynamik der vergangenen Wochen nachhaltig ist oder ob es sich um einen kurzfristigen Effekt handelt.
Die Details
Südkoreas Exporte stiegen im September im Jahresvergleich um 83,5% auf einen Rekordwert von 120,9 Milliarden Dollar. Damit übertrafen sie die mediane Markterwartung, die bei einem Anstieg von 62,0% gelegen hatte, deutlich. Die Lieferungen von Halbleitern verdreifachten sich nach Angaben aus dem Quelltext mehr als, was auf die globalen Ausgaben für künstliche Intelligenz zurückgeführt wird.
Auch die industrielle Aktivität in Südkorea wuchs im September mit dem stärksten Tempo seit vier Monaten. Eine Umfrage zeigte, dass die Exportnachfrage das schnellste Wachstum seit 15,5 Jahren verzeichnete. Führend waren dabei insbesondere der Chip- und der Automobilsektor.
Bei den Einzelwerten zogen die beiden Schwergewichte den Index nach oben: Der Halbleiterhersteller Samsung Electronics stieg um 2,79%, der Mitbewerber SK Hynix legte um 3,21% zu. Von den insgesamt 916 gehandelten Wertpapieren legten 542 Aktien zu, während 332 fielen.
Ausländer waren unterdessen Nettoverkäufer von Aktien im Wert von 547,3 Milliarden Won, was 402,93 Millionen Dollar entspricht. Am Devisenmarkt wurde der Won auf der Onshore-Abrechnungsplattform zu 1.358,4 pro Dollar notiert, was 0,20% niedriger ist als der Vorabendkurs von 1.355,7.
Am Anleihemarkt fiel die Rendite der liquidesten dreijährigen südkoreanischen Staatsanleihe um 0,2 Basispunkte auf 4,009%. Die Rendite des benchmark-relevanten zehnjährigen Papiers stieg dagegen um 2,8 Basispunkte auf 4,429%.
Die positiven inländischen Daten folgten auf eine Meldung des US-Halbleiterherstellers Micron Technology. Das Unternehmen hatte am Mittwoch seine quartalsweisen Umsatzerlöse oberhalb der Schätzungen prognostiziert und erklärt, Kunden hätten ihre Verpflichtungen unter langfristigen Liefervereinbarungen auf 32 Milliarden Dollar erhöht. Dies deutet auf eine anhaltende Nachfrage nach KI-Speicherchips hin.
Der südkoreanische Finanzminister erklärte, die Behörden würden die Finanzmärkte genau beobachten und gegebenenfalls präventive Maßnahmen ergreifen.
Hintergrund: Was bisher geschah
Der südkoreanische Aktienmarkt hat in diesem Jahr bereits mehrere außergewöhnliche Bewegungen erlebt. Bereits am 22.01.2026 berichtete aktien.news, dass der KOSPI erstmals die psychologisch wichtige Marke von 5.000 Punkten durchbrochen hatte. Mit einem Plus von fast 2 Prozent kletterte der Index damals auf 5.019,54 Zähler, getragen von Samsung Electronics und SK Hynix, die von der explosionsartigen Nachfrage nach KI-Chips profitierten.
Am 24.06.2026 meldete aktien.news eine deutliche Erholung des KOSPI. Der Index kletterte um 3,4% auf 8.480,21 Punkte, blieb damit jedoch unter seinem Intraday-Hoch von 8.577,52 Punkten. Am Vortag war der Index inmitten eines heftigen Ausverkaufs bei Chip- und Technologiewerten um fast 10% eingebrochen – einer der schwersten Tagesverluste der jüngeren Geschichte des Index. Samsung-Aktien legten damals zwischen 7% und 10% zu.
Am 31.07.2026 folgte ein historischer Handelstag: Nach einer schmerzhaften dreitägigen Verlustserie schloss der Kospi mit einem Plus von 17,9% – dem größten prozentualen Anstieg seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 1985, wie Dow Jones Market Data belegt. SK Hynix und Samsung schossen um 29 beziehungsweise 26 Prozent in die Höhe, die größten Kursgewinne seit Beginn der verfügbaren Aufzeichnungen.
Am 14.08.2026 berichtete aktien.news, dass der KOSPI auf seinen stärksten Wochengewinn seit Anfang Juni zusteuerte. Der Leitindex stieg bis 06:20 Uhr GMT um 2,3% auf 6.967,32 Punkte und überschritt zwischenzeitlich sogar die Marke von 7.000 Punkten. Zeitweise legte der Index um bis zu 3% zu, womit sich das Ende einer siebenwöchigen Verlustserie abzeichnete.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist der südkoreanische Markt vor allem über die Halbleiterkette relevant. Samsung Electronics und SK Hynix zählen zu den größten Anbietern von Speicherchips und gelten als Frühindikatoren für die globale Nachfrage nach KI-Hardware. Die aktuellen Exportzahlen und die Micron-Prognose liefern Hinweise darauf, dass die Investitionen in Rechenzentren und KI-Infrastruktur weiterhin hoch sind.
Gleichzeitig zeigt der Blick auf die Ausländerströme, dass internationale Investoren am Donnerstag per Saldo Aktien im Wert von 547,3 Milliarden Won verkauften. Die Rally wurde also nicht von ausländischem Kapital getragen, sondern von inländischen Käufern. Das ist ein wichtiger Unterschied für die Beurteilung der Nachhaltigkeit.
Hinzu kommt die Währungsseite: Der Won notierte mit 1.358,4 pro Dollar leicht schwächer als am Vorabend. Für Anleger, die in Won denomierte Positionen halten, kann eine schwächere Währung die in Euro oder Dollar gemessene Rendite schmälern. Der Finanzminister hat bereits signalisiert, dass die Behörden die Märkte genau beobachten und bei Bedarf präventiv eingreifen wollen.
Ausblick
Der Analyst Seo Sang-young von Mirae Asset Securities formulierte die zentrale offene Frage: Ob die Wachstumsraten weiterhin steigen werden, ist aus seiner Sicht noch nicht ausgemacht. Konkrete Termine oder Unternehmenszahlen für die kommenden Wochen nennt der Quelltext nicht. Beobachten dürften Marktteilnehmer künftig die monatlichen Handelsdaten Südkoreas sowie die weiteren Quartalsprognosen der großen Halbleiterhersteller, die als Indikator für die Chipnachfrage gelten.
Kurz erklärt
- KOSPI: Der wichtigste Aktienindex Südkoreas, der die Entwicklung der größten börsennotierten Unternehmen des Landes abbildet.
- Basispunkt: Eine Maßeinheit für Zinsänderungen, die vor allem am Anleihemarkt verwendet wird.
- Nettoverkäufer: Eine Anlegergruppe, die unter dem Strich mehr Aktien verkauft als kauft.
