Südafrikas Bergbau: 53 Tote und ein neuer Brand-Trend
Mandela Mining Precinct zeigt Innovationen – doch die Sicherheitszahlen verschlechtern sich deutlich.

Das Mandela Mining Precinct (MMP) hat in dieser Woche seine zweite Biennale Schau im International Convention Centre des Council for Scientific and Industrial Research (CSIR) in Pretoria abgehalten. Der erste Tag stand im Zeichen der Präsentation von Forschungsergebnissen, aufstrebenden Technologien und praktischen Lösungen, die den sich wandelnden Bedürfnissen des südafrikanischen Bergbausektors gerecht werden sollen. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand das Motto „Kollaborative Innovation für einen zukunftsfähigen Bergbau“.
Julie Courtnage, Geschäftsführerin des MMP, forderte die Teilnehmer auf, „Kollaboration als Verb“ zu verstehen und „echte Zusammenarbeit“ zu praktizieren. „Echte Kollaboration bedeutet, dass Organisationen mit unterschiedlichen Mandaten, Prioritäten, Finanzierungsmodellen, Regeln, Zeitplänen und Risikobereitschaften herausfinden, wie sie gemeinsam etwas erreichen können, was keine von ihnen allein effektiv bewältigen könnte“, sagte sie. Dieser Prozess könne „langsam, frustrierend und chaotisch sein“. Manchmal sei die Technologie der einfachste Teil. Wenn sie funktioniere, verschaffe sie Zugang zu etwas, das erheblich wertvoller sei als das, was jede einzelne Organisation für sich selbst leisten könne: kollektive Kapazitäten und Fähigkeiten.
Die Redner machten deutlich, dass Technologie allein den Bergbausektor nicht transformieren kann. Vielmehr müssten Menschen, Qualifikationen, Führung und Verhaltensänderungen im Mittelpunkt des Prozesses bleiben. Diese Botschaft zog sich durch die gesamte Veranstaltung und verband die vorgestellten technischen Lösungen mit der Frage nach ihrer tatsächlichen Wirkung in den Betrieben.
Die Zahl der tödlichen Unfälle ist deutlich gestiegen
Zamaswazi Nkosi vom Spezialbereich Forschungsdelivery des Mine Health and Safety Council präsentierte alarmierende Sicherheitsdaten. Bis zum 19. Oktober waren 53 Minenarbeiter in den Gruben des Landes ums Leben gekommen. Das entspricht einem Anstieg um 43 Prozent gegenüber den 37 Toten im Jahr 2025. Zudem wurden 45 tödliche Unfälle registriert, ein Anstieg um 41 Prozent gegenüber 32 Fällen.
Nkosi erklärte, dies sei auf breit angelegte Gründe zurückzuführen und nicht durch ein oder zwei große Einzelereignisse erklärbar. Trotz dieser besorgniserregenden Zunahme merkte sie an, dass es ermutigend sei, Verbesserungen und Interventionen in einigen Bereichen zu sehen. Die gemeldeten Verletzungen sanken von 1.594 auf 1.441, was einer Verringerung um 10 Prozent entspricht.
Während die Verletzungszahlen rückläufig waren, stiegen jedoch die Signale für Brände und Hitze. Bei den Bränden war ein Anstieg von null auf zehn zu verzeichnen, bei der Hitze von drei auf 13. Obwohl diese Zahlen gering seien, warnte Nkosi davor, dass sie einen neuen Trend zeigten. Das Brandrisiko benötige frühzeitig Aufmerksamkeit, da die Minen zunehmend Diesel-, Batterie- und elektrifizierte Ausrüstung einsetzen.
Nkosi verwies darauf, dass Todesfälle durch Gesteinsschlag und Seismizität, zwischen Menschen und beweglichen Maschinen, durch Verhalten, Qualifikationen und Auftragnehmer sowie durch Feuer und Energie verursacht wurden. Dies unterstreiche die Bedeutung der auf der Veranstaltung vorgestellten Technologien. Dazu zählten Advanced Orebody Knowledge (AOK), die AOK E-PEGS-Positionierung, die erfolgreiche Anwendung der menschenzentrierten Technologie SATCAP sowie Lithiumbatterien und Bergrettungsdienste.
Nkosi warnt vor einer Forschungslücke bei Mudströmen und Schachtstürzen
Nkosi warnte zudem vor einer Forschungslücke bei Mudströmen (Mudrushes), Stürzen in Schächten und Ertrinkungsunfällen. Bei diesen Ereignissen verloren 17 Menschen ihr Leben, ohne dass dafür eine dedizierte Schau geboten wurde. Sie betonte die Notwendigkeit, dass alle Technologien prüfen müssen, ob sie Gefahren früh genug erkennen, Menschen von der Gefahr trennen und ob sie unter den verschiedenen bergbaulichen Bedingungen für jede Schicht funktionieren.
Nkosi machte deutlich, dass die Installation einer Technologie nicht automatisch deren Wirkung bedeutet. Der Maßstab sei vielmehr der Nachweis eines reduzierten Risikos am Punkt der Exposition. Diese Aussage ordnet die auf der Schau präsentierten Innovationen in einen strengeren Bewertungsrahmen ein.
Eine der vorgestellten Technologien war AOK, die darauf abzielt, das Wissen über Erzkörper und Gebirgsdruck vor dem Abbauort zu verbessern, um sichereren und effizienteren Bergbau zu unterstützen. Dies umfasst das Erfassen durch Scannen, Bohren, Radar, Akustik, Positionierung und Gesteinsbildgebung. Hinzu kommt die Analyse durch Erkennung von Lithologie, geologischen Strukturen, gefährlichen Bedingungen und räumlichem Kontext sowie die Visualisierung durch Erstellung nutzbarer digitaler Gesichter, Ampelsysteme und Informationen für operative Entscheidungen.
Es wurde ausgeführt, dass die AOK geologisches und geotechnisches Verständnis ermöglicht, die frühzeitige Identifizierung von Gefahren, Schulungen zum Risiko des Gesteinsfalls, Echtzeit-Entscheidungen im Betrieb, Effizienz bei Bohrungen und Förderung sowie klare Sichtverhältnisse („glass rock visions“) fördert.
Integrated Rock Mass Imaging gilt als Beispiel gelebter Zusammenarbeit
Eine weitere Technologie, die die Zusammenarbeit demonstrierte, war die Integrated Rock Mass Imaging (IRMI). Unternehmen, die an diesem Projekt beteiligt sind, gelten als gutes Beispiel dafür, da viele von ihnen Beiträge leisteten, die über den Umfang der Finanzierung hinausgingen. IRMI zielt darauf ab, den Gebirgsdruck jenseits der exponierten Oberfläche zu verstehen, indem integrierte 3D-Interpretationen angewendet werden, um fundiertere Entscheidungen im Bergbau zu treffen. Die Beiträge der Technologien und unterstützenden Partner umfassten Oberflächengeometrie, Nahfeld-Radar, Bohrlochbeobachtungen und Kreuzloch-Bildgebung.
Im Hinblick auf SATCAP wurde ein Projekt skizziert, das darauf abzielt, die Kompetenzen von Branchen-Gutachtern zu stärken. Diese sollen die technische Bereitschaft, die menschliche Bereitschaft und das Change Management für die Einführung moderner Technologien in den Minen des Landes bewerten. Dies beinhaltete die Entwicklung eines exemplarischen Lernmanagementsystems zur Weiterbildung der Gutachter und zur Unterstützung bei der Durchführung von Bereitschaftsbewertungen. Es wurde dieses Jahr an ausgewählten Standorten pilotiert, mit dem Ziel, es zu verfeinern und nächstes Jahr an die Mining Qualifications Authority zu übergeben. Damit soll der Branche ein praktisches, anpassbares und zukunftsfähiges Werkzeug bereitgestellt werden, das die Technologieakzeptanz, die Qualifikationsentwicklung und informierte Entscheidungsfindung in den Bergbauoperationen unterstützt.
Der Minerals Council fordert einen Mechanismus für gemeinsame Branchenprobleme
Mzila Mthenjane, CEO des Minerals Council South Africa, lobte die Fortschritte bei der Bewältigung der Sicherheitssituation, insbesondere im Hinblick auf Kontrollmechanismen und die Befugnis der Arbeiter, unsichere Arbeitsbedingungen abzulehnen. Er betonte, dass gute Forschung und Technologie unerlässlich seien, der Wert jedoch über Berichte und Prototypen hinausgehen müsse. „Die Frage lautet nun, wie effektiv sie die Betriebsumgebungen erreichen und reale Probleme lösen. Das ist ein wichtiger Maßstab für den Fortschritt“, sagte er.
Mthenjane forderte einen Mechanismus, durch den gemeinsame Probleme der Branche kollaborativ angegangen werden könnten. Dort sollten Forschungskapazitäten auf operative Erfahrung treffen, Technologien getestet und risikomindernd geprüft werden und Wissen geteilt werden. Die Zukunft des Bergbaus könne nicht von einzelnen Organisationen geprägt werden, die isoliert arbeiten, sondern erfordere eine gemeinsame Vision, starke Partnerschaften und die Bereitschaft, neue Denk- und Arbeitsweisen zu übernehmen.
Dr. Kavin Naidoo, Executive des CSIR Business Excellence and Integration Group, lobte die Fortschritte des MMP sowie die erheblichen Investitionen der Regierung und des Privatsektors. Er forderte mehr Stakeholder auf, dies zu verstärken. Naidoo hob zudem die Notwendigkeit der Rechenschaftspflicht hervor, wobei die Auswirkungen der geleisteten Arbeit hinterfragt werden müssten. Er betonte, dass Südafrika klarstellen müsse, dass der Bergbau und die Bergbausicherheit als nationale Priorität vorangetrieben werden. Zudem brauche es Klarheit über die strategischen Prioritäten bei der Zusammenarbeit mit internationalen Partnern.
Frühere Berichte von aktien.news ordnen die Entwicklung ein
Bereits am 18.09.2026 berichtete aktien.news, dass Südafrikas Minister für Mineral- und Erdölressourcen, Gwede Mantashe, die Bergbauindustrie zu mehr Rechenschaft aufgerufen hat, während die Branche weiterhin ihr Ziel der „Zero Harm“ verfolgt. Auf dem Mine Health and Safety Summit am 17. September präsentierte er die aktuellen Sicherheitsdaten. Die Branche habe im Jahr 2024 insgesamt 42 Todesfälle verzeichnet – die niedrigste Zahl an tödlichen Unfällen in der Geschichte des südafrikanischen Bergbaus. Im Jahr 2025 verbesserte sich dieser Rekordwert weiter auf 41 Todesfälle.
Am 30.09.2026 berichtete aktien.news über den Mintek-Roundtable vom 29. September in Johannesburg. Danach muss Südafrika die Zusammenarbeit zwischen Forschern, Industrie, Regierung und weiteren Interessengruppen deutlich verstärken, damit wissenschaftliche Forschung in kommerziell tragfähige Lösungen übersetzt wird. Die Notwendigkeit einer engeren Kooperation zog sich als zentrales Thema durch die Sitzung „Die Quadruple Helix in der Wissenschaft: Lösung der Mineralprobleme der Zukunft“.
Am 03.10.2026 berichtete aktien.news, dass Forschung, Innovation und die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Industrie entscheidend sind, wenn Afrika mehr Wert aus seinen kritischen Mineralrohstoffen schöpfen will. Das betonte Margreth Tadie, außerplanmäßige Professorin für chemische Verfahrenstechnik an der Universität Stellenbosch und Inhaberin des Lehrstuhls für geometallurgische Forschung von African Rainbow Minerals, am 2. Oktober in ihrer Keynote auf der Mintek-Sci-2026-Konferenz in Johannesburg.
Am 14.10.2026 berichtete aktien.news über das Wits Mining Institute, das am 8. Oktober sein jährliches Branchen-Seminar abhielt. Branchenführer diskutierten die zentralen Herausforderungen der Branche und die erforderlichen Veränderungen für einen nachhaltigeren und inklusiveren Sektor. Im Mittelpunkt standen vier Säulen: Vermächtnis, Bergwerksstilllegung und sozialer Konsens; Technologie, Innovation und Modernisierung; Qualifikationen, Jugend und die Zukunft der Arbeit; sowie kritische Mineralien, Investitionen und der gerechte Übergang.
Die gestiegenen Unfallzahlen treffen Anleger in südafrikanischen Bergbauwerten direkt
Für deutsche Privatanleger, die über Bergbauunternehmen, Rohstofffonds oder südafrikanische Aktien engagiert sind, liefert die Veranstaltung mehrere relevante Signale. Erstens verschlechtert sich die Sicherheitslage im laufenden Jahr deutlich: 53 Tote bis zum 19. Oktober stehen einem Anstieg um 43 Prozent gegenüber dem Vorjahr gegenüber. Sicherheitsvorfälle können in Südafrika zu Betriebsunterbrechungen, behördlichen Auflagen und Reputationsrisiken führen.
Zweitens zeigen die gestiegenen Brand- und Hitzesignale von null auf zehn beziehungsweise von drei auf 13 einen neuen Trend, der mit der zunehmenden Elektrifizierung der Grubenausrüstung zusammenhängt. Anleger sollten diese Entwicklung bei der Bewertung von Investitionen in südafrikanische Bergbauwerte im Blick behalten.
Drittens unterstreicht die Betonung von Zusammenarbeit, Qualifikation und Change Management, dass technologische Investitionen allein nicht ausreichen. Der Minerals Council und das CSIR fordern Rechenschaftspflicht und messbare Risikoreduzierung am Punkt der Exposition. Für Anleger bedeutet dies, dass die Wirksamkeit von Sicherheitstechnologien künftig stärker an konkreten Ergebnissen gemessen werden dürfte.
Das SATCAP-System soll im kommenden Jahr an die Mining Qualifications Authority übergeben werden
Das SATCAP-Projekt wurde in diesem Jahr an ausgewählten Standorten pilotiert. Ziel ist es, das System zu verfeinern und nächstes Jahr an die Mining Qualifications Authority zu übergeben. Damit soll der Branche ein praktisches, anpassbares und zukunftsfähiges Werkzeug zur Verfügung stehen, das Technologieakzeptanz, Qualifikationsentwicklung und informierte Entscheidungsfindung unterstützt.
Der Minerals Council South Africa fordert einen dauerhaften Mechanismus, in dem Forschungskapazitäten auf operative Erfahrung treffen, Technologien getestet und risikomindernd geprüft werden und Wissen geteilt wird. Dr. Kavin Naidoo vom CSIR verlangt zudem Klarheit über die strategischen Prioritäten Südafrikas bei der Zusammenarbeit mit internationalen Partnern. Die Biennale Schau des MMP findet nach Angaben der Veranstalter alle zwei Jahre statt.
Diese Fachbegriffe aus dem Bergbau sollten Anleger kennen
- Gesteinsschlag: Ein plötzliches Versagen von Gestein in einem Bergwerk, bei dem Material mit großer Wucht in den Abbauraum eindringt.
- Seismizität: Erschütterungen des Gebirges, die durch bergbauliche Aktivitäten ausgelöst werden und die Stabilität unter Tage beeinflussen können.
- Mudrush: Ein plötzlicher Ausbruch von Schlamm und Wasser aus einem Erzkörper oder einer Schüttung, der unter Tage zur Gefahr für Beschäftigte wird.
