Merafe meldet 61 000 Tonnen Ferrochrom und schreitet beim Hochlauf voran
Die zurechenbare Ferrochromproduktion des Glencore-Merafe-Joint-Ventures liegt nach neun Monaten 46 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Die dem börsennotierten Unternehmen Merafe zurechenbare Ferrochromproduktion aus der Glencore Merafe Chrome Venture belief sich in den neun Monaten bis zum 30. September auf 61 000 t. Damit lag sie um 46% unter dem Niveau des entsprechenden Zeitraums im Jahr 2025. Der Rückgang ist nach Angaben von Merafe in einer Mitteilung an Mining Weekly primär auf die Einstellung der Produktion in zwei Hochöfen des Joint Ventures zurückzuführen.
Konkret wurde die Produktion im Boshoek-Hochofen ab dem 1. Mai und im Wonderkop-Hochofen ab dem 31. Mai des Vorjahres gestoppt. Beide Anlagen laufen inzwischen wieder: Nach Abschluss neuer Strompreisvereinbarungen mit dem staatlichen südafrikanischen Energieversorger Eskom im Juni wurden die Betriebsanlagen im Boshoek-Hochofen im September und im Wonderkop-Hochofen im Oktober wieder hochgefahren. Die Hochfahrphase der Produktion in beiden Hochöfen soll nun bis zum Ende des vierten Quartals am 31. Dezember fortgesetzt werden.
Die neuen Strompreisvereinbarungen machen 62 Cent je Kilowattstunde wirksam
Die ausgehandelten Preisvereinbarungen mit Eskom haben die vom südafrikanischen National Energy Regulator genehmigte Tarifeinheit von 62 Cent/kWh für das Joint Venture sowie für Samancor Chrome vollständig wirksam werden lassen. Das dreijährige Strompreiskader der überarbeiteten, ausgehandelten Preisvereinbarungen ermögliche eine höhere operative Stabilität und Flexibilität, heißt es in der Mitteilung von Merafe.
Neben Ferrochrom berichtete Merafe auch über die übrigen Produktionszahlen des Joint Ventures. Die dem Unternehmen zurechenbare Chromitkonzentrat-Produktion belief sich für die neun Monate bis zum 30. September auf 658 000 t, was einem Rückgang um 7% entspricht. Als Hauptgründe nennt das Unternehmen eine niedrigere Run-of-Mine-Produktion und einen geringeren Zulauf aus Aufbereitungsanlagen der oberen Gruppe-Zwei-Riff-Lagerstätten.
Die dem Unternehmen Merafe zurechenbare Produktion von Platingruppenmetall-Konzentraten aus dem Joint Venture während dieses Zeitraums belief sich auf 10 200 oz. Das entspricht einem um 8% niedrigeren Wert. Ursächlich dafür waren eine geringere Primärbergbau-Produktion und eine veränderte Zulaufmischung.
Ferrochrom macht Edelstahl widerstandsfähig gegen Rost und Verschleiß
Ferrochrom ist eine Legierung aus Eisen und Chrom, die durch das Schmelzen von Chromiterz mit Kohlenstoffkohle und Koks in Lichtbogenöfen hergestellt wird. Mehr als 80% des Ferrochroms werden verwendet, um Edelstahl widerstandsfähig gegen Rost, Oxidation und Verschleiß zu machen. Der Großteil der globalen Ferrochromproduktion stammt aus Südafrika, Kasachstan und Indien – Ländern mit eigenen Chromitvorkommen.
Für deutsche Anleger ist die Einordnung wichtig: Merafe wickelt seine Produktion über ein Joint Venture mit dem Rohstoffhändler Glencore ab. Die Produktionszahlen des Joint Ventures sind damit ein direkter Indikator für die operative Entwicklung des Unternehmens, auch wenn Merafe selbst nur ein Teil der Produktion zugerechnet wird. Die Höhe der zugerechneten Mengen hängt dabei maßgeblich davon ab, welche Anlagen des Verbunds tatsächlich in Betrieb sind.
Bereits am 1. Juni 2026 berichtete aktien.news über den Rückzug eines Entlassungsverfahrens
Die aktuellen Zahlen stehen in einem größeren Zusammenhang, der sich in der Berichterstattung von aktien.news bereits abgezeichnet hat. Bereits am 1. Juni 2026 berichtete aktien.news, dass das Glencore-Merafe-Chrom-Joint-Venture ein laufendes Verfahren nach Abschnitt 189 des südafrikanischen Arbeitsrechts zurückgezogen hat. Dieser Schritt folgte auf die Genehmigung eines vergünstigten Stromtarifs für südafrikanische Ferrochrom-Produzenten durch die nationale Energieregulierungsbehörde Nersa. Das Verfahren nach „Section 189" hätte zur Entlassung von Mitarbeitern führen können.
Der Hintergrund: Der südafrikanische Energieversorger Eskom hatte im April bei der Nersa die Einführung eines Sondertarifs von 62 Cent pro Kilowattstunde für Ferrochrom-Schmelzhütten beantragt. Nach öffentlichen Konsultationen und Anhörungen am 25. Mai traf die Regulierungsbehörde am 29. Mai ihre Entscheidung. Damit war der Weg für die Wiederinbetriebnahme der Anlagen frei.
Bereits am 29. Oktober 2026 berichtete aktien.news, dass Glencore die Produktion der Eisen-Chrom-Legierung Ferrochrom in den drei Monaten bis zum 30. September deutlich gesteigert hat. Die zurechenbare Ferrochrom-Produktion legte im Quartalsvergleich um 29 Prozent zu. Grund dafür war die schrittweise Wiederaufnahme der Ferrochrom-Schmelzprozesse an mehreren südafrikanischen Standorten. Glencore-CEO Gary Nagle erklärte damals: „Wir haben die progressive Wiederinbetriebnahme unserer Ferrochrom-Schmelzanlagen fortgesetzt, wobei Boshoek im September und Wonderkop im Oktober nach Lion zu Beginn des Jahres wieder anliefen. Infolgedessen stieg die zurechenbare Ferrochrom-Produktion 29% quartalsvergleichsweise."
Für Anleger steht die operative Stabilisierung im Vordergrund
Die Kombination aus dem Neunmonatsrückgang von 46% und dem Quartalsplus von 29% zeigt, wie stark die Produktion des Joint Ventures von der Verfügbarkeit und dem Preis der Elektrizität abhängt. Die Stilllegung der beiden Hochöfen hatte die Produktion bis Ende September deutlich belastet; die Wiederinbetriebnahme im September und Oktober wirkt sich erst im Schlussquartal aus. Genau deshalb ist die Hochlaufphase bis zum 31. Dezember der zentrale Termin für die Bewertung des laufenden Geschäftsjahres.
Ein zweiter Punkt betrifft die Kostenbasis. Mit der vollständigen Wirksamkeit der Tarifeinheit von 62 Cent/kWh für das Joint Venture und für Samancor Chrome verfügt das Unternehmen nach eigener Darstellung über einen dreijährigen Rahmen, der höhere operative Stabilität und Flexibilität ermöglichen soll. Für Anleger ist das insofern relevant, als Strom in der Ferrochromproduktion einen wesentlichen Kostenblock darstellt – das Schmelzen in Lichtbogenöfen ist energieintensiv.
Zu beachten ist zudem, dass Merafe nur ein Teil der Produktion des Joint Ventures zugerechnet wird. Die hier genannten Mengen von 61 000 t Ferrochrom, 658 000 t Chromitkonzentrat und 10 200 oz Platingruppenmetall-Konzentrat sind daher nicht mit der Gesamtproduktion der Glencore Merafe Chrome Venture gleichzusetzen. Auch die rückläufigen Zahlen beim Chromitkonzentrat und beim Platingruppenmetall-Konzentrat zeigen, dass sich die Erholung nicht auf alle Produktlinien gleichermaßen erstreckt.
Die Hochlaufphase soll bis zum 31. Dezember abgeschlossen sein
Der konkrete Fahrplan für die kommenden Wochen ist im Quelltext klar umrissen: Die Hochfahrphase der Produktion in beiden Hochöfen soll bis zum Ende des vierten Quartals am 31. Dezember fortgesetzt werden. Ein darüber hinausgehender Produktionsausblick für das Gesamtjahr oder für das folgende Jahr wird in der Mitteilung nicht genannt.
Im weiteren Marktumfeld gibt es Hinweise auf Bewegung bei der Chromproduktion in Südafrika. Bereits am 22. Juli 2026 berichtete aktien.news im Rahmen eines Rohstoff-Monitors, dass Sibanye-Stillwater eine deutliche Ausweitung seiner Chromproduktion plant. Südafrika gilt als einer der rohstoffreichsten Staaten der Welt und beheimatet bedeutende Vorkommen an Platingruppenmetallen, Gold und Chrom.
Drei Fachbegriffe erklären die Produktionskette des Joint Ventures
- Ferrochrom: eine Legierung aus Eisen und Chrom, die durch Schmelzen von Chromiterz mit Kohlenstoffkohle und Koks in Lichtbogenöfen entsteht.
- Chromitkonzentrat: aufbereitetes Erz, das als Ausgangsmaterial für die Ferrochromherstellung dient.
- Platingruppenmetall-Konzentrat: ein Zwischenprodukt der Aufbereitung, das die Metalle der Platinfamilie enthält.
