Studie entzaubert Mythos: Amerikas Reichtum gehört nicht nur Tech-Milliardären
Ökonomen widerlegen Mythos: Amerikas Reichtum steckt in Hot-Dog-Buden und Autohäusern, nicht nur in Tech-Konzernen.

Zwei renommierte US-Ökonomen haben ein Jahrzehnt lang Steuerdaten ausgewertet und kommen zu einem überraschenden Ergebnis: Der amerikanische Reichtum ist längst nicht so stark auf Tech-Milliardäre und Wall-Street-Größen konzentriert, wie gemeinhin angenommen wird. Stattdessen gehört ein großer Teil des Vermögens einer weitgehend unsichtbaren Klasse von Unternehmern aus vermeintlich unspektakulären Branchen.
Owen Zidar, Professor für Volkswirtschaftslehre und öffentliche Angelegenheiten an der Princeton University, und Eric Zwick, Joel F. Gemunder Professor für Volkswirtschaftslehre und Finanzen an der Booth School of Business der University of Chicago, haben ihre Forschungsergebnisse nun in einem Buch zusammengefasst. „The Everywhere Millionaire: Who Is Really Rich in America and How They Got There“ erschien am 15. September und stellt das gängige Bild vom amerikanischen Vermögen grundlegend in Frage.
Die unsichtbaren Millionäre
Im Zentrum der Analyse steht die Erkenntnis, dass Vermögen in den USA breiter gestreut ist, als viele glauben. Die Autoren identifizieren eine Klasse von „Millionären überall“ – Unternehmer, die in traditionellen, oft wenig glamourösen Geschäftsfeldern tätig sind. Dazu zählen Autohändler, Betreiber von Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnikfirmen (HVAC) sowie Restaurantbesitzer.
Ein Paradebeispiel ist Dick Portillo, der aus einer Investition von null Dollar über 50 Jahre hinweg ein milliardenschweres Hot-Dog-Imperium aufbaute. Laut Zidar und Zwick ist seine Geschichte nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Der Aufbau von Vermögen in Amerika folgt demnach oft einem anderen Muster als dem von Tech-Start-ups oder Finanzkarrieren.
Daten statt Mythen
Die beiden Ökonomen haben für ihr Buch über ein Jahrzehnt lang umfangreiche Steuerdaten analysiert, um ein realistisches Bild der Vermögensverteilung in den USA zu zeichnen. Ihre Arbeit widerlegt die weit verbreitete Annahme, dass amerikanischer Reichtum fast ausschließlich in den Händen einiger weniger Tech-Billiardäre wie Elon Musk oder Jeff Bezos und Wall-Street-Finanziers liegt.
Stattdessen zeigt die Datenauswertung, dass ein erheblicher Teil des Vermögens von Unternehmern gehalten wird, die in klassischen Dienstleistungs- und Handwerksbranchen tätig sind. Diese Gruppe bleibt in der öffentlichen Wahrnehmung oft unsichtbar, obwohl sie einen signifikanten Beitrag zur gesamten Vermögensbildung in den USA leistet.
Lehren für deutsche Anleger
Für deutsche Leser und Anleger bietet die Studie interessante Perspektiven. Während hierzulande oft der Fokus auf DAX-Konzernen und Tech-Werten liegt, zeigt die amerikanische Erfahrung, dass beständiger Vermögensaufbau auch in traditionellen Branchen möglich ist. Die Analyse von Zidar und Zwick unterstreicht, dass Unternehmertum in vermeintlich unspektakulären Bereichen langfristig zu beachtlichem Vermögen führen kann.
Das Buch „The Everywhere Millionaire“ liefert damit einen datenbasierten Gegenentwurf zur vorherrschenden Erzählung über amerikanischen Reichtum. Es zeigt, dass der Weg zum Millionär in den USA für normale Menschen oft bodenständiger verläuft, als die öffentliche Aufmerksamkeit für Tech-Giganten vermuten lässt.
