Steigende Steuerlast bei Renten
Mehr Rentenbezieher und höhere Rentensummen führen zu Rekordwerten

Rund jeder vierte Bundesbürger hat im vergangenen Jahr Rentenleistungen bezogen. Insgesamt waren 68 Prozent der gesamten Rentensumme einkommensteuerpflichtig, was einen Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren darstellt. Insgesamt erhielten rund 22,1 Millionen Menschen in Deutschland Leistungen aus gesetzlicher, privater oder betrieblicher Rente im Wert von 381 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Dies entspricht einer Steigerung von 0,6 Prozent oder 121.000 Empfängern im Vergleich zu 2022. Die Höhe der gezahlten Renten stieg um 4,9 Prozent oder 17,7 Milliarden Euro auf einen neuen Rekordwert. Zum Vergleich: Im Jahr 2016 betrug die gesamte Rentensumme 289 Milliarden Euro, was zeigt, dass die Ausgaben seither um 100 Milliarden Euro gestiegen sind.
Der Anstieg des steuerpflichtigen Anteils der Rentenleistungen ist auf die Neuregelung der Besteuerung von Alterseinkünften im Alterseinkünftegesetz von 2005 zurückzuführen. Dieses Gesetz führte einen Übergang von einer vorgelagerten zu einer nachgelagerten Besteuerung der gesetzlichen Rente ein. Das bedeutet, dass die Rentenbeiträge in der Ansparphase schrittweise steuerfrei gestellt werden und erst die Leistungen in der Auszahlungsphase steuerlich belastet werden. Mit Inkrafttreten des Wachstumschancengesetzes im vergangenen März wurde die Übergangsphase, die ursprünglich bis 2040 vorgesehen war, bis zum Jahr 2058 verlängert. Der Anteil der steuerpflichtigen Renteneinkünfte richtet sich nach dem Jahr des Rentenbeginns: Je später der Rentenbeginn, desto höher ist der besteuerte Anteil der Renteneinkünfte. Auch Rentenerhöhungen tragen dazu bei, dass der Besteuerungsanteil steigt, da diese vollständig steuerpflichtig sind.
Viele Rentnerinnen und Rentner müssen jedoch aufgrund der Höhe ihrer Einkünfte keine Steuern zahlen. Der steuerpflichtige Teil ihrer Renten liegt nach relevanten Abzügen oft unterhalb des Grundfreibetrags. Daher bleiben viele Renten steuerfrei, wenn keine weiteren Einkünfte vorliegen. Wie viele Rentner tatsächlich für das vergangene Jahr Einkommensteuer zahlen müssen, ist noch nicht bekannt, da die Fristen zur Steuerveranlagung noch nicht abgelaufen sind. Bisher liegen nur Zahlen bis 2020 vor. In jenem Jahr mussten rund 40 Prozent oder 8,7 Millionen der insgesamt 21,8 Millionen Rentenempfänger Einkommensteuer auf ihre Renteneinkünfte zahlen. Im Vergleich zu 2019 stieg dieser Anteil um 2,7 Prozentpunkte oder 636.000 Personen. Bei 82 Prozent der Steuer zahlenden Rentenempfänger im Jahr 2020 lagen neben Renten noch andere Einkünfte wie Versorgungsbezüge, Arbeitseinkommen oder Mieteinnahmen vor.
