SpaceX-Sperrfristen könnten Anthropics IPO-Strategie durchkreuzen
Der rekordverdächtige SpaceX-Börsengang lockt Anthropic an, doch auslaufende Sperrfristen trüben die Aussichten.

Der Börsengang von SpaceX war ein Ereignis der Superlative. Mit einem Emissionsvolumen von 75 Milliarden US-Dollar und einem Gesamtbetrag von über 85 Milliarden US-Dollar inklusive Überzeichnung durch Platzhalter lockte das Raumfahrtunternehmen gewaltige Investorengelder an. Dieser Erfolg weckt Begehrlichkeiten bei anderen hochkarätigen Privatunternehmen – allen voran das KI-Unternehmen Anthropic, das ebenfalls einen milliardenschweren IPO plant.
Doch die neun für SpaceX geplanten Ausläufe von Insider-Sperrfristen könnten die Lage für Anthropic erheblich verkomplizieren. Denn während der SpaceX-IPO auf den ersten Blick zeigt, dass der Markt für große Börsengänge bereit ist, offenbart ein genauerer Blick auf die Mechanismen hinter den Kulissen potenzielle Risiken.
Insider wollen ebenfalls profitieren
Im Technologiesektor spielen Aktienoptionen eine zentrale Rolle. Sie dienen dazu, Mitarbeiter anzuwerben und zu binden, indem ihnen ein Anteil am Unternehmenserfolg gewährt wird. Auch frühe Investoren in Tech-Unternehmen verfügen oft über große Aktienbestände. Die Hoffnung dieser Insider ist es, dass ihre Anteile mit dem Börsengang plötzlich an Wert gewinnen und liquider werden – ein großer finanzieller Ertrag schwebt ihnen vor Augen.
Allerdings waren die Dimensionen des SpaceX-IPO derart massiv, dass sich die Frage stellt, wie viele solcher Giganten der Markt in kurzer Zeit verkraften kann. Anthropic bereitet einen IPO vor, der mit dem von SpaceX konkurrieren soll. Normalerweise wäre dies nach dem Erfolg des SpaceX-IPO eine hervorragende Idee.
Doch es gibt einen entscheidenden Aspekt: Auch SpaceX-Insider möchten ihre Anteile verkaufen, um von dem Börsengang zu profitieren. Beim Verkauf von Insider-Anteilen bei IPOs gelten oft Beschränkungen. Im Fall von SpaceX gab es neun Zeiträume, in denen Sperrfristen ausliefen. Bis Ende 2026 werden weitere Ausläufe folgen.
Begrenztes Kapital der Investoren
Jedes Mal, wenn ein neues Kontingent an Aktien verfügbar wird, muss der Markt potenziell mehr Anteile von SpaceX absorbieren. Das Risiko für SpaceX besteht darin, dass der Kurs fällt, wenn neue Aktien auf den Markt kommen – ein durchaus typisches Phänomen.
Für Anthropic ergibt sich daraus jedoch ein spezifisches Risiko: Die Nachfrage nach anderen gigantischen IPOs könnte zurückgehen, weil den Investoren nur begrenzt Kapital zur Verfügung steht, das sie verteilen können. Je mehr Anteile von SpaceX von Insidern verkauft werden, desto weniger Geld könnte für den Kauf von Anthropic übrig bleiben.
Hinzu kommt die verbreitete Skepsis gegenüber Künstlicher Intelligenz. Diese könnte den potenziellen Kreis der IPO-Käufer für Anthropic weiter verkleinern. Die Gegenwindfaktoren für den Börsengang des KI-Unternehmens vergrößern sich dadurch.
Fazit: Kein Selbstläufer für Anthropic
Dies soll keineswegs suggerieren, dass Anthropic keinen gigantischen IPO hinlegen wird. Vielmehr deutet die Gemengelage darauf hin, dass der Weg zu einem erfolgreichen Börsengang möglicherweise nicht so einfach ist, wie es zunächst schien. Die auslaufenden Sperrfristen bei SpaceX und die begrenzte Aufnahmefähigkeit des Marktes für Mega-IPOs könnten die Pläne des KI-Unternehmens durchkreuzen. Anleger sollten die Entwicklung der SpaceX-Sperrfristen daher genau im Auge behalten – sie könnten weitreichende Auswirkungen auf die gesamte IPO-Landschaft haben.
