S&P 500 auf Rekordhoch – doch die Mehrheit der Aktien schwächelt
Der US-Leitindex glänzt mit 13,9% Jahresgewinn, doch 41% der enthaltenen Aktien befinden sich im Bärenmarkt.

Der S&P 500 hat in diesem Jahr um 13,9% zugelegt und in der vergangenen Woche ein neues Rekordhoch erreicht. Wer jedoch nur auf den Indexstand schaut, erhält ein verzerrtes Bild der tatsächlichen Lage am US-Aktienmarkt. Denn laut Daten von FactSet notieren 41% der im S&P 500 enthaltenen Aktien mindestens 20% unter ihren jeweiligen 52-Wochen-Hochs – befinden sich also technisch gesehen im Bärenmarkt.
Joseph Adinolfi von MarketWatch hat den S&P 500 (SPX) einer eingehenden Analyse unterzogen, um zu erklären, wie sich der Index von der tatsächlichen Entwicklung am breiten Aktienmarkt entkoppelt hat. Das Ergebnis ist ernüchternd: Der Indexstand spiegelt nicht wider, was die Mehrheit der im Index enthaltenen Einzeltitel tatsächlich erlebt. Diese Diskrepanz ist für Anleger von erheblicher Bedeutung – insbesondere für jene, die ihre Portfolioentwicklung am S&P 500 als Maßstab messen.
Die Wochenend-Lektüre von MarketWatch thematisiert neben dieser Indexanalyse auch ein positives Plädoyer für den Anleihenmarkt, die Frage, wie Prognosemärkte Anleger in ihren Bann ziehen können, sowie eine Warnung an diejenigen, die von GLP-1-Präparaten profitieren wollen.
Die Details
Der zentrale Befund ist so einfach wie aufschlussreich: 41% der S&P-500-Aktien liegen laut FactSet-Daten mindestens 20% unter ihren 52-Wochen-Hochs. Das bedeutet, dass knapp die Hälfte aller Indexmitglieder in einem individuellen Bärenmarkt steckt – während der Gesamtindex gleichzeitig Rekordstände markiert. Diese Schere zwischen Indexperformance und der Lage der breiten Aktienmasse ist das eigentliche Signal, das Anleger nicht ignorieren sollten.
Der S&P 500 ist ein nach Marktkapitalisierung gewichteter Index. Das bedeutet: Große Unternehmen mit hoher Börsenkapitalisierung haben einen überproportional starken Einfluss auf den Indexstand. Steigen wenige, aber sehr große Titel kräftig, kann der Gesamtindex zulegen – selbst wenn die Mehrheit der enthaltenen Werte gleichzeitig Verluste verzeichnet. Genau dieses Phänomen beschreibt Adinolfis Analyse.
Hintergrund: Was bisher geschah
Das Thema ist kein neues. Bereits am 19.05.2026 berichtete aktien.news, dass der S&P 500 und die sogenannte Marktbreite in diesem Jahr in einem historisch beispiellosen Tempo auseinanderdriften. Damals hieß es: Der Index steigt, obwohl die Mehrheit der enthaltenen Aktien gleichzeitig Verluste verzeichnet – das Ergebnis einer stark konzentrierten Rallye, bei der eine geringe Anzahl von Titeln den Großteil der Erholungsbewegung trägt.
Am 11.08.2026 erreichte der S&P 500 gleich dreimal ein neues Allzeithoch und überwand die Marke von 7.750 Punkten. Auslöser war ein schwacher Arbeitsmarktbericht, der Sorgen vor kurzfristigen Zinserhöhungen der US-Notenbank Federal Reserve dämpfte. Trotz dieser beeindruckenden Indexentwicklung stellte CNBC-Marktkolumnist Mike Santoli damals die grundlegende Frage, warum Anleger und Marktbeobachter so viel Zeit damit verbringen, nach Schwachstellen im Markt zu suchen.
Am 30.09.2026 berichtete aktien.news erneut über dasselbe Phänomen: Der S&P 500 notierte innerhalb von zwei Prozentpunkten seines historischen Schlussrekords, während mehr als 40% der Indexmitglieder am Montagabend mindestens 20% unter ihren 52-Wochen-Hochs handelten. Bereits damals wurde die starke Performance einer Minderheit hochfliegender Künstliche-Intelligenz-Aktien als wesentlicher Treiber der Indexstärke identifiziert.
Nur zwei Tage später, am 02.10.2026, vertiefte aktien.news die Analyse: Der S&P 500 notierte knapp unter seinem Rekordniveau und verzeichnete im September nur einen bescheidenen Verlust – doch während der Index robust wirkte, kämpften die meisten Einzelaktien mit Schwierigkeiten. Die Schlussfolgerung damals: Diese Diskrepanz zwischen Indexstand und der Verfassung der breiten Aktienmasse ist alles andere als normal.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger, die über ETFs oder Indexfonds in den S&P 500 investieren, ist diese Entwicklung besonders relevant. Wer einen marktkapitalisierungsgewichteten S&P-500-ETF hält, ist automatisch überproportional in den größten Indexmitgliedern investiert – und profitiert daher stärker von deren Kursgewinnen. Gleichzeitig bedeutet das aber auch: Ein Rücksetzer bei den wenigen Schwergewichten, die den Index derzeit nach oben ziehen, könnte den Gesamtindex deutlich stärker belasten, als es die aktuelle Marktbreite vermuten lässt.
Die Daten von FactSet zeigen, dass die Stärke des S&P 500 auf einem schmalen Fundament ruht. Anleger sollten sich bewusst sein, dass der Indexstand allein kein verlässliches Bild der Gesamtverfassung des US-Aktienmarkts liefert. Eine differenzierte Betrachtung – etwa durch den Blick auf gleichgewichtete Indexvarianten oder die Marktbreite – kann helfen, ein realistischeres Bild zu gewinnen.
Darüber hinaus lohnt sich laut der aktuellen MarketWatch-Ausgabe auch ein Blick auf den Anleihenmarkt, für den ein positives Plädoyer formuliert wird. Für Anleger, die ihr Portfolio breiter aufstellen möchten, könnte dies ein relevanter Hinweis sein – auch wenn konkrete Empfehlungen im Quelltext nicht ausgesprochen werden.
Ausblick
Konkrete Termine oder offizielle Pläne nennt der Quelltext nicht. Die Analyse von Joseph Adinolfi bei MarketWatch ist Teil der regulären Wochenend-Lektüre und beleuchtet strukturelle Fragen rund um die Zusammensetzung und Aussagekraft des S&P 500. Ob und wann sich die Marktbreite verbessert – also mehr Einzelaktien an einer möglichen Aufwärtsbewegung teilnehmen –, lässt sich aus den vorliegenden Informationen nicht ableiten.
Kurz erklärt
- S&P 500: Ein US-amerikanischer Aktienindex, der die 500 größten börsennotierten Unternehmen der USA nach Marktkapitalisierung gewichtet abbildet.
- Marktbreite: Ein Maß dafür, wie viele Aktien innerhalb eines Index an einer Marktbewegung teilnehmen, im Gegensatz zu einer Bewegung, die nur von wenigen Titeln getragen wird.
- Bärenmarkt: Eine Marktphase, in der ein Wertpapier oder ein Index mindestens zwanzig Prozent von seinem jüngsten Höchststand gefallen ist.
