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Software-Aktien legen kräftig zu: Cramer sieht weiteres Aufwärtspotenzial

Der Software-Sektor erholt sich von KI-Ängsten – Jim Cramer warnt jedoch vor höheren Zinsen als größtem Risiko für das neue Quartal.

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Software-Aktien legen kräftig zu: Cramer sieht weiteres Aufwärtspotenzial

Aktien von Softwareunternehmen haben im dritten Quartal kräftig zugelegt. Der Grund: Die Befürchtungen ließen nach, dass künstliche Intelligenz (KI) traditionelle Geschäftsmodelle disruptiv verändern könnte. Zu den größten Gewinnern zählten Salesforce, <a class="tvreplink" target="_blank" href="https://de.tradingview.com/symbols/Nasdaq%3AMSFT">Microsoft, Workday und Veeva. Der CNBC-Moderator Jim Cramer sieht weiteres Aufwärtspotenzial für Softwareführer wie Salesforce und Microsoft – warnt aber gleichzeitig, dass höhere Zinsen das größte Risiko darstellen, auf das sich Anleger in das neue Quartal hinein einstellen müssen.

Cramer sagte am Donnerstag, das Comeback der Unternehmenssoftware sei die prägende Börsengeschichte des dritten Quartals gewesen. Die großen Indizes verzeichneten in dem Quartal, das am Mittwoch endete, nur moderate Gewinne. Unter der Oberfläche vollzogen sich jedoch deutlich stärkere Kursbewegungen, während die Marktführerschaft wechselte. Softwareaktien erholten sich von ihrem durch KI getriebenen Ausverkauf, während Chip-Werte nach einem massiven Lauf in der ersten Jahreshälfte etwas abkühlten.

Diese Verschiebung lässt sich an zwei ETFs ablesen: Der iShares Expanded Tech-Software Sector ETF (IGV) legte im Quartal um 17 Prozent zu, während der iShares Semiconductor ETF (SOXX) einen Rückgang verzeichnete. „Letztendlich werden wir das dritte Quartal als den Moment erinnern, in dem die Software wieder an Boden gewann und einige erstaunliche Data-Center-Titel der Gewinnmitnahme zum Opfer fielen“, sagte der Moderator von „Mad Money“.

Die Details

Im Zentrum der Erholung stand Salesforce. Die Aktie erholte sich im Quartal, während die Investoren zunehmend zuversichtlich wurden, dass KI ein Wachstumsmotor sein könnte, anstatt eine Bedrohung für das Geschäft darzustellen. Das Unternehmen stellte Cloudforce vor, das ein Plugin enthält, mit dem Kunden Anthropics Claude nutzen können, um auf in Salesforce gespeicherte Daten zuzugreifen und Aufgaben wie das Entwerfen von E-Mails oder das Aktualisieren von Datensätzen auszuführen. Salesforce lieferte zudem ein starkes Quartal ab und nutzte den niedrigeren Aktienkurs, um eigene Anteile zurückzukaufen. Cramer sagte, die Aktien könnten noch weiter steigen.

Ähnlich bullisch äußerte sich Cramer zu Microsoft, das im Quartal zulegen konnte. „Der Rallye von Microsoft steht erst der Anfang bevor“, sagte er und verwies auf die starke Nachfrage nach Copilot, das beschleunigte Wachstum bei Azure sowie Anzeichen dafür, dass sich die Investitionen in Rechenzentren allmählich auszahlen.

Auch Workday und Veeva erholten sich, da die Ängste vor einer KI-bedingten Disruption nachließen. Cybersicherheit blieb ein weiterer Leuchtturm: CrowdStrike stieg, weil immer leistungsfähigere KI die Bedeutung des Schutzes von Unternehmen vor neuen Bedrohungen unterstreicht.

In der Zwischenzeit kühlten einige frühere Gewinner im Data-Center-Bereich ab. Corning fiel nach einem massiven Lauf, doch Cramer charakterisierte den Rückgang als Gewinnmitnahme und sagte, er würde „diese Aktie gerne wieder kaufen, falls sie erneut einbricht“. Auch Caterpillar legte zu, was laut Cramer eine Chance darstellen könnte, da deren Motoren zu einer wachsenden Quelle der Stromversorgung für Rechenzentren werden.

Hintergrund: Was bisher geschah

Die jüngste Entwicklung ist Teil einer längeren Achterbahnfahrt im Software-Sektor, über die aktien.news in diesem Jahr mehrfach berichtet hat. Bereits am 10.04.2026 analysierte Cramer eine auffällige Divergenz innerhalb des Technologiesektors: Während Hardware-Werte deutlich zulegten, gerieten Software-Aktien massiv unter Druck. Cramer machte damals deutlich, dass dieser Zustand kein kurzfristiges Phänomen sei – und Anleger sich besser daran gewöhnen sollten. Die Kluft zwischen Hardware und Software sei bereits eines der dominierenden Marktthemen des Jahres 2026 gewesen, bevor am 28. Februar der Iran-Krieg ausbrach.

Am 20.04.2026 berichtete aktien.news, dass Aktien aus den Bereichen Cybersicherheit und Unternehmenssoftware zu den größten Sorgenkindern des Marktes gehörten. Die Angst, dass KI zahlreiche Softwareunternehmen verdrängen könnte, dominierte das Narrativ und drückte die Kurse tief ins Minus. In der vergangenen Woche vollzog sich damals eine bemerkenswerte Wende: Der Sektor beendete eine brutale Verlustserie und schloss sich der breiteren Marktrally an. Christian Magoon, CEO von Amplify ETFs, brachte es auf den Punkt: Cybersicherheit sei „ein Opfer einiger KI-bezogener Schlagzeilen“ geworden.

Am 13.07.2026 griff aktien.news die Debatte erneut auf und stellte fest, dass viele Software-Unternehmen nicht durch KI verdrängt werden, sondern sich aktiv an die neue Technologie anpassen. Als Kandidaten für eine Erholung nannte der Bericht unter anderem Microsoft, Shopify und Veeva. Und am 29.08.2026 meldete aktien.news eine deutliche Markterholung der Softwarebranche, angetrieben von starken Quartalszahlen und neuem Vertrauen der Anleger in die Integration von KI in das Software-as-a-Service-Geschäftsmodell. Angeführt wurde die Rally von Salesforce, dessen Aktien um etwa 22 bis 23 Prozent zulegten – einer der stärksten Einzeltage in der Unternehmensgeschichte. Die Dynamik übertrug sich damals auf den gesamten Sektor und ließ auch Palantir, Adobe, ServiceNow, Autodesk und Figma steigen.

Was das für Anleger bedeutet

Für deutsche Privatanleger zeigt das Quartal vor allem eines: Die pauschale Gleichsetzung von KI mit einem Risiko für Softwareunternehmen greift zu kurz. Der Markt differenziert inzwischen zwischen Anbietern, die KI in ihre Produkte integrieren und daraus neues Wachstum ziehen, und solchen, deren Geschäftsmodell tatsächlich unter Druck geraten könnte. Salesforce und Microsoft gelten in dieser Lesart als Beispiele für die erste Gruppe – beide haben konkrete KI-Produkte und -Funktionen im Markt.

Gleichzeitig verschiebt sich die Führungsrolle innerhalb des Technologiesektors. Wer in der ersten Jahreshälfte auf Halbleiter gesetzt hatte, musste im dritten Quartal Kursrückgänge hinnehmen, während Software aufholte. Cramer beschreibt die Bewegung bei Corning ausdrücklich als Gewinnmitnahme und nicht als fundamentale Schwäche – ein Hinweis darauf, dass Kursrückgänge in einem stark gelaufenen Segment nicht automatisch eine Trendwende bedeuten.

Zu beachten ist die Interessenlage: Das Charitable Trust von Cramer, das vom CNBC Investing Club verwaltete Portfolio, hält Aktien von CRM, MSFT und CRWD. Seine Einschätzungen sind daher nicht als unabhängige Anlageempfehlung zu verstehen. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich aus den Aussagen ohnehin nicht ableiten.

Ausblick

Im Hinblick auf das neue Quartal ist Cramers größtes Sorgenkind die Frage, ob die Federal Reserve die Zinssätze weiterhin erhöhen wird. Die Fed hatte ihren Leitzinssatz im September um einen viertel Prozentpunkt angehoben, was druckempfindlichen Aktien wie Home Depot zu schaffen machte. „Meine große Angst im Moment ist die Auswirkung höherer Zinssätze auf den Aktienmarkt“, sagte Cramer und fügte hinzu, dass die kommende Gewinnwarnungsperiode ein klareres Bild davon liefern sollte, wie sich die höheren Kreditkosten auf die Unternehmen auswirken. Für Anleger dürfte damit die Berichtssaison der nächste wichtige Orientierungspunkt sein – sie entscheidet, ob die Software-Rally Bestand hat oder ob die Zinsfrage sie ausbremst.

Kurz erklärt

  • ETF: Ein börsengehandelter Fonds, der einen Index oder Sektor abbildet und wie eine Aktie gehandelt wird.
  • Unternehmenssoftware: Programme, die Firmen für interne Prozesse wie Vertrieb, Personal oder Buchhaltung einsetzen.
  • Aktienrückkauf: Ein Unternehmen kauft eigene Anteile am Markt zurück und reduziert damit die Zahl der ausstehenden Aktien.
  • Leitzins: Der von einer Zentralbank festgelegte Zinssatz, an dem sich die Kreditkosten der Wirtschaft orientieren.
  • Gewinnmitnahme: Der Verkauf von Aktien nach starken Kursgewinnen, um erzielte Buchgewinne zu realisieren.
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