Senatsbericht: Irans Regime nutzt Tether-Stablecoin zur Sanktionsumgehung
Ein Bericht demokratischer Senatoren deckt auf, wie der Iran mit dem Stablecoin USDT ein Schattenbankensystem aufgebaut hat.

Der Iran hat sich auf digitale Dollar gestützt, die von einem der profitabelsten Kryptounternehmen der Welt ausgegeben wurden, um einem US-Sanktionsnetz zu entgehen. Das geht aus einem am Montag von demokratischen Senatsabgeordneten veröffentlichten Bericht hervor. Laut einer Kopie des Dokuments, die die „Wall Street Journal“ eingesehen hat, kommt der Bericht des Ständigen Unterausschusses für Untersuchungen (Permanent Subcommittee on Investigations) zu dem Schluss, dass der Stablecoin von Tether zum zentralen Zahlungsmittel für das iranische Regime geworden ist.
Der Stablecoin diene demnach als Instrument zur Finanzierung terroristischer Proxy-Organisationen wie der Hisbollah. Tether, das den als USDT bekannten Stablecoin herausgibt, repräsentiert etwa 60 Prozent aller Stablecoins nach Marktkapitalisierung. Stablecoins sind eine Art Kryptowährung, die an reale Währungen gekoppelt ist – im Fall von USDT an den US-Dollar. Dies macht sie weniger volatil als andere digitale Vermögenswerte und besser als Mittel des Austauschs oder der Zahlung geeignet, einschließlich durch Geldwäscher.
Sanktionsdruck und militärische Schläge
Nach den militärischen Schlägen der USA gegen den Iran Anfang dieses Jahres hat das Finanzministerium versucht, seine wirtschaftliche Kampagne gegen die Islamische Republik zu verschärfen. Es unternahm mehrere Versuche, den Iran zu isolieren, darunter einen im August unter dem Namen „Operation Economic Outcast“. Der Senatsbericht von Senator Richard Blumenthal (D., Conn.) analysierte 846 Wallets – also Konten, die Krypto-Nutzer für Transaktionen eröffnen –, die von den US-amerikanischen und israelischen Regierungen im Zusammenhang mit dem Iran sanktioniert wurden.
Dabei stellte der Bericht fest, dass 84 Prozent der Wallets ausschließlich oder nahezu ausschließlich in USDT transaktierten. Diese Zahl unterstreicht die zentrale Rolle, die der Stablecoin im Zahlungsverkehr der sanktionierten Akteure spielt. Die Untersuchung liefert damit erstmals einen detaillierten Einblick in die Struktur der iranischen Krypto-Transaktionen.
Blumenthal: Tether zentral für Irans Schattenbankensystem
„Der Bericht deckt auf, wie Tether und sein Flaggschiff-Token zentral für das Schattenbankensystem des Irans geworden sind, was der iranischen Regierung ermöglicht, ihre regionalen Proxy-Kräfte zu finanzieren, Menschenrechtsverletzungen zu begehen und feindliche Drohnen- und Raketenprogramme voranzutreiben, während sie unseren Sanktionsregimen trotzen“, sagte Blumenthal gegenüber der „Journal“. Der Senator fasst damit die Kernaussage der Untersuchung zusammen.
Für deutsche Anleger ist der Bericht in mehrfacher Hinsicht relevant. Stablecoins wie USDT sind auch in Europa ein wachsendes Segment des Kryptomarktes und werden zunehmend als Zahlungsmittel und Handelsinstrument genutzt. Die Erkenntnisse der US-Untersuchung könnten den regulatorischen Druck auf Stablecoin-Emittenten weiter erhöhen. Bereits heute unterliegen Krypto-Dienstleister in der EU strengen Sorgfaltspflichten zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung.
Die zentrale Rolle von USDT im iranischen Zahlungssystem wirft zudem Fragen zur Wirksamkeit bestehender Sanktionsmechanismen auf. Wenn sanktionierte Akteure überwiegend auf einen einzigen Stablecoin setzen, könnte dies Ansatzpunkte für eine gezieltere Regulierung bieten. Der Bericht des Ständigen Unterausschusses für Untersuchungen reiht sich damit in eine wachsende Zahl von Untersuchungen ein, die das Verhältnis zwischen digitalen Vermögenswerten und staatlicher Sanktionspolitik beleuchten.
Die vollständigen Schlussfolgerungen des Berichts dürften in den kommenden Wochen weitere Debatten über die Regulierung von Stablecoins auslösen. Für Marktteilnehmer bleibt abzuwarten, ob die Enthüllungen zu konkreten regulatorischen Schritten gegen Tether oder den Stablecoin-Markt insgesamt führen.
