ANZEIGE

Schweizer Nationalbank vor erneutem Zinsschritt

Geringe Inflation und Exportprobleme erhöhen den Druck auf die Geldpolitik

2 Min
Schweizer Nationalbank vor erneutem Zinsschritt

In der Schweiz sorgt die anhaltend geringe Inflation für wachsende Herausforderungen im geldpolitischen Bereich. Vor der kommenden Zinsentscheidung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) am 12. Dezember erwarten Ökonomen eine weitere Senkung des Leitzinses, der derzeit bei 1,0 Prozent liegt. Dies wäre bereits die vierte Zinssenkung in diesem Jahr. Das Ziel der SNB, eine Teuerungsrate zwischen null und zwei Prozent zu halten, ist zwar seit Mitte 2023 erreicht, doch die Tendenz zeigt weiter nach unten. Im November stiegen die Verbraucherpreise um lediglich 0,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Gegenüber Oktober war sogar ein Rückgang um 0,1 Prozent zu verzeichnen.

Am Terminmarkt gelten sowohl eine Zinssenkung um 0,25 als auch um 0,5 Prozentpunkte als realistisch. Die Experten der Bank J. Safra Sarasin gehen von einem größeren Schritt aus und prognostizieren zusätzliche Senkungen im Frühjahr und Sommer 2025. Sie begründen dies mit der Notwendigkeit einer expansiven Fiskalpolitik, um die Produktionskapazitäten besser auszulasten und die Auswirkungen der schwächelnden Eurozonen-Wirtschaft auf die Schweizer Exporte zu mildern. Trotz der aktuellen Erwartungen bleibt die Schwelle für die Einführung von Negativzinsen hoch. Die Bank J. Safra Sarasin sowie die Zürcher Kantonalbank schließen diesen Schritt jedoch nicht vollständig aus.

Der neue SNB-Chef Martin Schlegel hat ebenfalls angedeutet, dass Negativzinsen im Bedarfsfall ein Instrument sein könnten. Diese Haltung entspricht seiner lockeren geldpolitischen Ausrichtung. Die Schweiz hatte bereits von 2015 bis 2022 Negativzinsen eingeführt, um die Auswirkungen globaler Inflationstendenzen abzufedern. Diese Maßnahmen trugen dazu bei, dass die Inflation im Land deutlich niedriger blieb als im Euro-Raum oder den USA.

Im Vergleich zu anderen Währungsräumen zeigt sich jedoch ein struktureller Unterschied. Der neutrale Zins, also das Niveau, bei dem weder die Wirtschaft gebremst noch stimuliert wird, liegt in der Schweiz traditionell niedriger. Während die Europäische Zentralbank und die US-Notenbank Fed aktuell mit deutlich höheren Inflationsraten kämpfen, bleibt die Diskussion in der Schweiz primär auf die Frage fokussiert, wie die geringe Inflation nachhaltig stabilisiert werden kann. Dies führt zu einer einzigartigen Positionierung der SNB im globalen Kontext der Geldpolitik.

Schweiz KonjunkturInflationZinsenFinanzen

Meistgelesene News

  1. Amazon Prime Air Crash in Miami: Fünf Tote bei Frachtflugzeug-Unglück
  2. Microsoft-Aktie fällt – Technologiekonzern kämpft mit Ausfällen
  3. Fed-Signale beflügeln US-Märkte: Palantir und Snowflake mit starken Kursgewinnen
  4. BP setzt auf Stabilität – Raffineriemargen erreichen Krisenniveau
  5. Europäische Indizes kaum verändert – Telekom treibt DAX an

Disclaimer