Frankreichs Krise erschüttert die Anleihemärkte der Euro-Zone
Politische Unsicherheit und steigende Schulden belasten Investoren und Renditegefüge

Die aktuelle Regierungskrise in Frankreich hat deutliche Auswirkungen auf die Anleihemärkte in der Euro-Zone. Die Unterscheidung zwischen den wirtschaftlich stabilen nördlichen Staaten und den südlichen „Peripherie-Ländern“ wird durch die neue Dynamik in Frage gestellt. Frankreich, traditionell als Bindeglied zwischen diesen beiden Gruppen wahrgenommen, zeigt inzwischen eine Renditeentwicklung, die eher mit Ländern wie Italien oder Griechenland vergleichbar ist. Die zehnjährigen französischen Staatsanleihen verzeichneten zuletzt eine Rendite von 2,9 Prozent, nur wenig unter den 3,2 Prozent von Griechenland und Italien.
Die Regierungskrise hat dazu geführt, dass der Risikoaufschlag französischer Anleihen gegenüber deutschen Staatsanleihen auf den höchsten Stand seit der Eurokrise gestiegen ist. Experten wie Thomas Altmann von QC Partners weisen darauf hin, dass Frankreich zwar im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung weniger verschuldet ist als einige südeuropäische Länder, jedoch absolut betrachtet einen enormen Schuldenberg aufgebaut hat. Die rapide Verschuldung und die politischen Unsicherheiten bereiten Ökonomen wie Olivier Blanchard, dem früheren Chefökonomen des IWF, erhebliche Sorgen. Die Krise wird durch strukturelle Probleme im Land weiter verschärft.
Christian Keller, Chefökonom bei Barclays, schätzt die Wahrscheinlichkeit einer dramatischen Eskalation der Lage, etwa durch einen Rücktritt von Präsident Emmanuel Macron, als gering ein. Dennoch könnte ein solches Szenario zu einem deutlichen Anstieg der Risikoprämien für französische Staatsanleihen führen. Dies würde wiederum eine Verlagerung des Investoreninteresses auf sichere Anlagen wie deutsche Staatsanleihen nach sich ziehen, deren Renditen dann weiter sinken könnten.
Die Europäische Zentralbank (EZB) spielt in den Überlegungen der Marktteilnehmer eine entscheidende Rolle. Es wird erwartet, dass die EZB bei einer Zuspitzung der Lage eingreifen würde, allerdings wohl eher zur Stabilisierung von Ländern wie Italien oder Spanien, anstatt Frankreich direkt zu unterstützen. Direkte Hilfsmaßnahmen für spezifische Länder könnten als Überschreitung des EZB-Mandats interpretiert werden.
Trotz der Unsicherheiten bleiben Investoren relativ gelassen. Carsten Roemheld von Fidelity Investments betont, dass europäische Anleihen weiterhin attraktiv sind, insbesondere angesichts der erwarteten Zinssenkungen in der Euro-Zone im Vergleich zu den USA. Anleger, die auf eine Beruhigung der Lage in Frankreich setzen, vertrauen auf das Eingreifen der EZB, um den Euro insgesamt zu schützen. Die derzeitigen Diskussionen am Kapitalmarkt umfassen mögliche Szenarien einer weiteren Verschärfung oder einer raschen Erholung, sollten politische Lösungen gefunden werden.
