Schekel auf Vierjahreshoch: Bank von Israel sieht starke Fundamentaldaten
Die israelische Währung hat gegenüber dem US-Dollar ein Vierjahreshoch erreicht. Zentralbankchef Amir Yaron führt dies auf die robuste Wirtschaftslage und den Gaza-Waffenstillstand zurück.

Der israelische Schekel hat sich seit Jahresbeginn um etwa 12 Prozent gegenüber dem US-Dollar aufgewertet und damit ein Vierjahreshoch erreicht. Amir Yaron, Gouverneur der Bank von Israel, sieht darin ein Zeichen für die Widerstandsfähigkeit der israelischen Wirtschaft. Am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos erklärte er gegenüber Reuters, die Währungsstärke spiegele positive Fundamentaldaten wider.
Waffenstillstand stützt Schekel
Die Aufwertung sei sowohl auf geopolitische Entwicklungen als auch auf den im Oktober 2023 vereinbarten Gaza-Waffenstillstand zurückzuführen, so Yaron. "Die Aufwertung des Schekels spiegelt viele positive Fundamentaldaten wider", betonte der Zentralbankchef. Zudem wirke die starke Währung als dämpfender Faktor für die Inflation, die aktuell bei 2,6 Prozent liegt und damit im Zielkorridor von 1 bis 3 Prozent.
Exporte trotz starker Währung robust
Obwohl eine starke Währung typischerweise die Exportwirtschaft belastet, verzeichnet Israel weiterhin steigende Ausfuhren. "Wir haben in den letzten beiden Messungen einen Anstieg der Waren- und Dienstleistungsexporte verzeichnet", erklärte Yaron. Dies unterstreiche die Stärke der israelischen Wirtschaft trotz des zweijährigen Gaza-Konflikts.
Zentralbank hält sich Interventionen offen
Auf die Frage nach möglichen Devisenmarktinterventionen zur Schwächung des Schekels blieb Yaron zurückhaltend. "Das Deviseninstrument ist Teil des Instrumentenkastens der Bank von Israel", sagte er. In der Vergangenheit hatte die Zentralbank bereits eingegriffen: Sie kaufte Devisen im Wert von 10 Milliarden US-Dollar, um eine zu schnelle Aufwertung zu verhindern. Zu Kriegsbeginn im Oktober 2023 verkaufte sie umgekehrt 8,5 Milliarden Dollar, um den Schekel zu stützen.
Weitere Zinssenkungen in Sicht
Die Bank von Israel senkte ihren Leitzins Anfang Januar unerwartet um 25 Basispunkte – die zweite Senkung in Folge nach der ersten Reduzierung im November. Die Forschungsabteilung der Zentralbank rechnet mit weiteren Zinssenkungen um 50 Basispunkte auf 3,5 Prozent bis Jahresende. Yaron betonte jedoch die hohe Unsicherheit: "Wir müssen beobachten, wie stark die Nachfrage anzieht und was mit dem Rückenwind durch den Schekel geschieht."
Keine Überhitzung der Wirtschaft
Trotz des Waffenstillstands hat die israelische Zentralbank bisher keinen sprunghaften Anstieg der Nachfrage festgestellt. "Wir haben keinen Nachfrageausbruch erlebt, wie es nach COVID der Fall war", so Yaron. Die Nachfrage sei während des Konflikts robust geblieben, und die Angebotsengpässe hätten sich nach dem Waffenstillstand entspannt.
