Saylors Strategy steckt in eigener Bitcoin-Mathematikfalle fest
Das Bitcoin-Unternehmen Strategy gerät unter Druck, weil seine selbst entwickelte Bewertungskennzahl mNAV nun gegen es arbeitet.

Strategy, das Bitcoin-hortende Unternehmen unter der Führung von Verwaltungsratsvorsitzendem Michael Saylor, ist in eine selbst gestellte mathematische Falle geraten. Das Unternehmen, dessen Aktie zuletzt um 3,38 Prozent nachgab, steht vor einem grundlegenden Problem seines eigenen Geschäftsmodells. Was lange als clevere Finanzstrategie galt, droht sich nun in sein Gegenteil zu verkehren.
Saylor hatte Investoren über Jahre hinweg davon überzeugt, dass das Modell von Strategy zum Erwerb von Bitcoins funktioniert, solange der Markt das Unternehmen mit einem Aufschlag zum Wert seiner Bitcoin-Bestände bewertet. Die überbewertete Aktie des Unternehmens diente dabei als eine Art Währung für den Kauf weiterer Bitcoins. Auf diese Weise baute Strategy einen Bitcoin-Bestand im Wert von mehr als 50 Milliarden US-Dollar auf – finanziert durch den Verkauf von Eigenkapital- und Schuldtiteln.
Die Kennzahl mNAV als Dreh- und Angelpunkt
Um diesen Aufschlag zu verfolgen, entwickelte Strategy sogar eine maßgeschneiderte Kennzahl namens mNAV. Diese Kennzahl misst, mit welchem Aufschlag oder Abschlag der Markt das Unternehmen im Verhältnis zum Wert seiner Bitcoin-Bestände bewertet. Solange mNAV einen Aufschlag anzeigte, schien das Modell zu funktionieren – doch genau das hat sich nun geändert.
Das Problem, das sich kürzlich zuspitzte: Die Kennzahl signalisiert, dass der Markt Strategy inzwischen mit einem Abschlag zum Wert seiner Bitcoins bewertet. Damit beginnt sich die sogenannte Roll-up-Strategie aufzulösen. Roll-ups – also Strategien, bei denen ein Unternehmen durch kontinuierliche Zukäufe wächst – funktionieren in der Regel nicht gut, wenn sie in umgekehrter Richtung laufen.
Erschwerend kommt hinzu, dass die Kennzahl mNAV nach Einschätzung von Beobachtern künstlich aufgebläht ist. Sie ignoriert starke Wertverluste bei einigen Wertpapieren des Unternehmens. Obwohl es sich bei mNAV im Wesentlichen um ein frei erfundenes Maß handelt, ist sie für Strategy-Anleger und den gesamten Kryptomarkt von erheblicher Bedeutung.
Was passiert, wenn der Abschlag anhält?
Nach der eigenen Logik von Strategy müsste das Unternehmen, wenn die Kennzahl dauerhaft einen Abschlag statt eines Aufschlags aufweist, Bitcoins verkaufen, um eigene Wertpapiere zurückzukaufen. Das wäre eine dramatische Kehrtwende für ein Unternehmen, das seinen Ruf auf das unaufhörliche Anhäufen von Bitcoin aufgebaut hat.
Anleger beobachten deshalb wachsam jedes Anzeichen dafür, dass Strategy in großem Stil damit beginnen könnte, Bitcoin-Bestände zu veräußern. Ein solcher Schritt würde nicht nur das Geschäftsmodell des Unternehmens grundlegend infrage stellen, sondern könnte auch Auswirkungen auf den breiteren Kryptomarkt haben – angesichts der schieren Größe der Strategy-Bestände von mehr als 50 Milliarden US-Dollar.
Das Dilemma zeigt, wie fragil Strategien sein können, die auf selbst definierten Kennzahlen und anhaltender Markteuphorie aufbauen. Für deutsche Privatanleger, die Strategy-Aktien oder Bitcoin halten, bleibt die Entwicklung der mNAV-Kennzahl ein wichtiger Indikator, den es aufmerksam zu verfolgen gilt.
