Sanktionen: R-Pharm Germany schließt – 280 Mitarbeiter entlassen
R-Pharm Germany schließt: 280 Mitarbeiter entlassen, keine Investoren gefunden.

Die insolvente deutsche Tochter des russischen Medikamentenherstellers R-Pharm wird abgewickelt. Alle 280 Mitarbeiter am Standort Illertissen im Allgäu verlieren ihre Arbeitsplätze. Die monatelange Suche nach einem Investor blieb erfolglos.
Der Insolvenzverwalter Markus Fröhlich teilte mit, dass die beiden letzten Übernahmeinteressenten den Nachweis einer gesicherten Finanzierung nicht erbringen konnten. Damit ist das Schicksal des traditionsreichen Pharma-Standorts besiegelt.
R-Pharm Germany war seit 2014 eine Tochter des russischen Konzerns. Bereits Mitte März hatte das Unternehmen Insolvenz beantragt. Als Hauptgrund nannte der Anwalt die EU-Sanktionen infolge des Ukraine-Kriegs sowie die russischen Gegenmaßnahmen.
Traditionsreicher Standort mit langer Geschichte
Die Produktion in Illertissen blickt auf eine über 160-jährige Geschichte zurück. Gegründet wurde sie 1860 vom Ulmer Unternehmer Heinrich Mack. In den ersten Jahrzehnten stellte die Fabrik Seife und Drogerieartikel her.
Bekannt war vor allem das „Kaiser Borax“, ein Hautpflegemittel und Badezusatz, das noch in der Nachkriegszeit weit verbreitet war. In den 1970er Jahren übernahm der US-Pharmakonzern Pfizer den Standort. 2014 ging das Werk schließlich an R-Pharm.
Hohe Hürden für potenzielle Käufer
Ein Investor hätte nicht nur den Kaufpreis stemmen müssen. Nach Angaben des Insolvenzverwalters wären erhebliche zusätzliche Summen nötig gewesen, um den Betrieb wieder in Schwung zu bringen und neue Kunden zu gewinnen.
Diese Anforderung erwies sich letztlich als zu hoch für die verbliebenen Interessenten. Nun wird der Betrieb vollständig eingestellt und das Unternehmen abgewickelt.
„Diese Entscheidung fällt mir außerordentlich schwer“, sagte Insolvenzverwalter Fröhlich. „Ich weiß, was das Aus für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ihre Familien und die gesamte Region bedeutet.“
Kurzfristig wurde ein Sozialplan mit dem Betriebsrat ausgehandelt. Lediglich 50 bis 60 Mitarbeiter sollen für die bevorstehende Abwicklung befristet weiterbeschäftigt werden.
Der Fall R-Pharm Germany zeigt eindrücklich, wie geopolitische Konflikte und Sanktionen mittelständische Unternehmen treffen können – selbst wenn sie nicht unmittelbar in die politischen Spannungen involviert sind. Für den Pharmastandort Illertissen bedeutet das Aus einen herben wirtschaftlichen Verlust.
