Samsung investiert in Nvidia-Konkurrenten Euclyd für 230 Millionen Dollar
Niederländisches AI-Startup erhält Finanzierung von Samsung und weiteren Investoren für Chip-Alternative.

Der niederländische Startup Euclyd hat eine Serie-A-Finanzierungsrunde in Höhe von 230 Millionen US-Dollar (rund 200 Millionen Euro) abgeschlossen. Das Unternehmen entwickelt einen Chip für KI-Inference, der mit Nvidias dominierenden Grafikprozessoren konkurrieren soll. Angeführt wurde die Runde gemeinsam von Samsung, Somerset Capital Partners, dem Scaleup Europe Fund und Innovation Industries.
Euclyds CEO Bernardo Kastrup bestätigte die Finanzierung exklusiv gegenüber CNBC. Das erst im Jahr 2024 gegründete Startup entwirft ein KI-Chip-System mit einer grundlegend anderen Architektur als herkömmliche GPUs. Der Fokus liegt speziell auf Inference – also der Nutzung trainierter KI-Modelle – und umfasst sowohl die Prozessor- als auch die Speicherarchitektur.
Hintergrund: Nvidias Dominanz und die Suche nach Alternativen
Nvidia ist durch seine ursprünglich für Spiele entwickelten GPUs zum wertvollsten Unternehmen der Welt aufgestiegen. Die Chips wurden für das Training und die Nutzung von KI-Modellen umgewidmet und haben dem Konzern ein nahezu Monopol auf dem Markt für High-End-Prozessoren verschafft. Doch sowohl große Hyperscaler als auch junge Startups arbeiten an eigenen Alternativen.
OpenAI gab im August bekannt, dass sein erster KI-Chip namens Jalapeño „branchenführende Geschwindigkeit und Effizienz“ biete. Auch Google, Amazon Web Services (AWS) und Meta entwickeln eigene KI-Prozessoren. Der Markt für Alternativen zu Nvidias GPUs boomt.
„KI wird zur Grundlage wirtschaftlichen Wachstums, wissenschaftlicher Entdeckungen und nationaler Wettbewerbsfähigkeit, aber ihr Potenzial wird eingeschränkt bleiben, es sei denn, wir ändern grundlegend die Infrastruktur, die dieser Technologie zugrunde liegt“, sagte Kastrup gegenüber CNBC.
Euclyds Geschäftsmodell und Zeitplan
Euclyd zielt auf zwei Einnahmequellen ab: Zum einen den Verkauf von Hardware und physischen Rack-Systemen an Unternehmenskunden, die sichere, selbst gehostete KI-Inferenz wünschen. Zum anderen den Verkauf geistiger Eigentumsrechte an Unternehmen, die eigene Chips auf Basis der vorhandenen Technologie entwickeln möchten.
Das Unternehmen erklärte, dass seine Siliziumsysteme für Foundation Models den Energiebedarf und die Kosten der KI-Rechenzentrumsinfrastruktur senken würden. Diese Infrastruktur profitiert derzeit von einem massiven Finanzierungsboom.
Kastrup betonte die strategische Bedeutung von Samsung als Investor: „Samsung kann uns auf mehr Arten helfen als nur durch Geld. Sie sind einer der größten Speicherhersteller der Welt. Sie betreiben viel Ingenieurwesen, sie kennen sich gut mit Systemen aus, sie verstehen die Lieferkette und verfügen über ein enormes Netzwerk.“
Laut Kastrup plant Euclyd, seine physischen Chipsysteme ab 2028 schrittweise einzuführen. Bis 2030 soll das Unternehmen Tausende von Unternehmenskunden bedienen. Allerdings haben sich die Systeme des Startups in kommerziellen Einsätzen noch nicht im großen Maßstab bewährt.
Bedeutung für den deutschen und europäischen Markt
Die Finanzierungsrunde zeigt, dass Europa zunehmend eine Rolle im globalen Wettlauf um KI-Hardware spielt. Mit Samsung als Lead-Investor erhält Euclyd nicht nur Kapital, sondern auch Zugang zu einem der weltweit führenden Speicherhersteller und dessen Lieferketten-Know-how. Für deutsche Anleger ist die Entwicklung relevant, da der Erfolg von KI-Alternativen langfristig die Kosten für Rechenzentren senken und die Abhängigkeit von Nvidia verringern könnte.
