Samsung bricht Gewinnrekord – doch die Aktie fällt
Rekordgewinn, Rekordmarge, Rekordbonus – und trotzdem verliert die Samsung-Aktie. Was steckt dahinter?

Samsung Electronics hat im dritten Quartal einen operativen Gewinn von über 80 Milliarden Dollar erzielt – ein neuer Quartalsrekord. Die Gewinnmarge lag bei beeindruckenden 55 Prozent, der Gesamtkonzernumsatz stieg um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Gegenüber dem Vorquartal legte der operative Gewinn um weitere 20 Prozent zu – und gegenüber dem Vorjahreszeitraum sogar um 780 Prozent. Bemerkenswert: Den vorherigen Quartalsrekord hatte Samsung selbst erst drei Monate zuvor aufgestellt.
Trotz dieser Zahlen reagierten Anleger in Seoul mit Verkäufen. Die Samsung-Aktie verlor am Donnerstag rund 3 Prozent, der Konkurrent SK Hynix gab gleichzeitig 1,75 Prozent nach. Das Paradox ist symptomatisch für eine Branche, die Investoren seit jeher vor besondere Herausforderungen stellt: den Halbleitermarkt mit seinen ausgeprägten Zyklen.
Chips statt Smartphones – Samsungs neues Kerngeschäft
Der größte Umsatzanteil des südkoreanischen Konzerns stammt heute nicht mehr aus dem Verkauf von Konsumgeräten wie Smartphones oder Tablets, sondern aus Speicherchips – konkret aus NAND- und DRAM-Bausteinen. Abnehmer sind Technologieriesen wie Apple, Alphabet und Amazon, die diese Chips für Rechenzentren und KI-Sprachmodelle benötigen. Die Nachfrage nach schnellen Speicherchips wird dabei auch durch sogenannte Inferenz befeuert – also die praktische Anwendung von KI-Modellen im Alltag, die weniger auf Grafikprozessoren (GPUs) als auf leistungsfähigem Speicher angewiesen ist.
Die Preise für NAND- und DRAM-Chips liegen derzeit drei- bis viermal höher als noch vor einem Jahr. Das erklärt den explosiven Gewinnanstieg. Doch genau hier liegt das Problem, das Anleger umtreibt: Was so schnell steigt, kann auch wieder fallen.
Der Chipzyklus – Fluch und Segen zugleich
Die Halbleiterbranche folgt einem bekannten Muster: Steigende Nachfrage treibt die Preise, hohe Preise locken Investitionen in neue Produktionskapazitäten, mehr Angebot drückt die Preise – und am Ende folgt der Gewinneinbruch. Diesen Zyklus hat Samsung selbst schmerzhaft erlebt: Zwischen 2021 und 2023 brach der operative Gewinn des Konzerns um rund 90 Prozent ein. Der Covid-Boom durch Laptops, Smartphones, Spielkonsolen, 5G-Ausbau und Kryptomining endete abrupt – mit entsprechenden Folgen für die gesamte Branche.
Nun bauen Samsung und SK Hynix gemeinsam neue Chip-Zentren in Südkorea – mit einem Investitionsvolumen von 500 Milliarden Dollar. Auch der US-Konzern Micron und der chinesische Anbieter CXMT planen neue Kapazitäten. Da der Bau und die Zulassung neuer Chipfabriken drei bis vier Jahre dauern, kommen diese Kapazitäten nicht sofort auf den Markt – aber sie kommen.
Das Umsatzwachstum im Chip-Segment verlangsamt sich bereits: Im ersten Quartal lag es noch bei 86 Prozent, im zweiten Quartal bei 56 Prozent. Analysten der UBS erwarten, dass das Angebotsungleichgewicht bis 2027 anhält. Samsung selbst geht davon aus, dass sich die Angebotsknappheit sogar bis 2028 noch verschärft – doch danach dürfte das neue Angebot spürbar werden.
Bewertung und Bonus – was Anleger wissen sollten
Angesichts dieser Unsicherheit erscheint die aktuelle Bewertung der Samsung-Aktie auf den ersten Blick günstig: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt bei lediglich 5,5-fachen des erwarteten Jahresgewinns. Zum Vergleich: Volkswagen, das derzeit selbst unter erheblichem Druck steht, wird mit einem KGV von 3,9 bewertet. Die niedrige Bewertung Samsungs spiegelt die Skepsis der Anleger wider, ob die aktuellen Gewinne nachhaltig sind.
Und diese Skepsis ist nicht unbegründet: Sollte der Gewinn um 80 Prozent einbrechen – wie es in früheren Zyklen geschehen ist –, läge das KGV beim aktuellen Kurs bei 28. Das wäre für einen Chiphersteller in einem Abschwung keine attraktive Bewertung mehr.
Unterdessen hat Samsung seinen Mitarbeitern einen außergewöhnlichen Bonus ausgezahlt. Rund zwei Drittel der 125.000 Angestellten erhielten bis zu 400.000 Dollar – das entspricht etwa dem Fünffachen eines durchschnittlichen Jahresgehalts. Die Gesamtauszahlung belief sich auf knapp 29 Milliarden Dollar.
Für Privatanleger bleibt Samsung ein klassisches Zykliker-Investment: Die Gewinne sind real und beeindruckend, doch der Markt preist bereits das Risiko eines erneuten Abschwungs ein. Wer in Samsung investiert, wettet darauf, dass der KI-getriebene Nachfrageboom länger anhält als frühere Chipzyklen – und dass die neuen Kapazitäten nicht zu früh auf den Markt treffen. Die Elektroniksparte mit Smartphones, Tablets und Haushaltsgeräten liefert dabei einen stabilisierenden Cashflow und könnte bei fallenden Chippreisen sogar von günstigeren Vorprodukten profitieren.
