Russischer Rubel verzeichnet weiteren Absturz
Inflation steigt, Zentralbank setzt auf Leitzinserhöhung und Devisenverkäufe.

Der russische Rubel befindet sich in einem anhaltenden Sinkflug, der die Währung auf den niedrigsten Stand seit März 2022 gebracht hat. Mit einem Wert von 100,7 Rubel pro Dollar und 110,2 Rubel pro Euro hat der Rubel auf Jahressicht etwa 25 Prozent an Wert verloren. Diese Entwicklung ist besorgniserregend, da sie zu einer Verteuerung der Importe führt und somit die Inflation in Russland ansteigen lässt.
Die Schwäche des Rubels hat unmittelbare Auswirkungen auf die Importpreise, was wiederum zu steigenden Verbraucherpreisen führt. Die Inflationsrate hat im Juli mit 4,3 Prozent die von der Zentralbank angestrebte Marke von 4,0 Prozent überschritten. Die Zentralbank geht davon aus, dass die Inflationsrate in diesem Jahr zwischen 5,0 und 6,5 Prozent liegen wird und erst 2024 zum Stabilitätsziel zurückkehren wird. Im Vergleich dazu lag die Inflation im Juli in Deutschland bei 6,2 Prozent.
Angesichts dieser Entwicklungen hat die russische Zentralbank im Juli den Leitzins von 7,5 Prozent auf 8,5 Prozent erhöht. Diese Maßnahme wurde ergriffen, um dem steigenden Importbedarf und der gedämpften Exportentwicklung entgegenzuwirken, die den Rubel unter Druck setzen.
Um die Rubel-Schwäche zu bekämpfen, hat die Zentralbank beschlossen, bis Ende 2023 keine Fremdwährungen mehr zu kaufen. Dies soll dazu beitragen, die Schwankungen auf den Finanzmärkten zu reduzieren. Gleichzeitig plant die Zentralbank jedoch, den Verkauf von Fremdwährungen fortzusetzen, wobei der tägliche Verkaufsbetrag zuletzt bei umgerechnet 2,3 Milliarden Rubel lag.
Trotz dieser Maßnahmen konnte der Rubel-Absturz vorerst nicht gestoppt werden. Es wird bereits spekuliert, dass im September eine weitere Leitzinserhöhung erfolgen könnte. Die russische Zentralbank deutete an, dass eine Erhöhung auf der nächsten regulären Sitzung im September durchaus möglich sei.
Maxim Oreschkin, Wirtschaftsberater von Präsident Wladimir Putin, betonte, dass der Kreml einen starken Rubel anstrebt und eine baldige Normalisierung erwartet. Er wies darauf hin, dass die lockere Geldpolitik eine Hauptursache für die Schwäche des Rubels und die beschleunigte Inflation sei. Ein schwacher Rubel beeinträchtigt den Strukturwandel der Wirtschaft und wirkt sich negativ auf die Realeinkommen der Bevölkerung aus.
Die schwache Rubel-Entwicklung wird unter anderem auf die Verschlechterung der Außenhandelsbedingungen zurückgeführt. Die von westlichen Industriestaaten auferlegte Preisobergrenze für Rohöl hat zu einem Rückgang der Exporteinnahmen geführt. Obwohl Russland mehr Öl in andere Länder wie China oder Indien verkauft, müssen Abschläge vom Weltmarktpreis hingenommen werden. Dies belastet die Handelsbilanz.
Zusätzlich steigt das Haushaltsdefizit Russlands, was durch Daten für den Zeitraum Januar bis Juli belegt wird. Die Einnahmen außerhalb des Energiesektors sind zwar gestiegen, doch die Einkünfte aus Öl und Gas sind aufgrund gesunkener Preise und Exporte von Sanktionen betroffen. Die russische Wirtschaft verzeichnet zwar wieder Wachstum, jedoch ist dieses vor allem durch Staatsausgaben bedingt und wird nicht maßgeblich durch die Rubel-Schwäche beeinflusst.
