Russischer Ölsteuerpreis liegt im Oktober 60% über Haushaltsannahmen
Der für Steuerberechnungen genutzte Rubel-Ölpreis Russlands übertrifft die Planungen des Bundeshaushalts im Oktober deutlich.

Der in Rubel notierte Preis für russisches Öl, der für die Steuerberechnungen des Staates herangezogen wird, lag im laufenden Monat durchschnittlich etwa 60% über dem im Bundeshaushalt zugrunde gelegten Niveau. Das geht aus am Mittwoch veröffentlichten Berechnungen hervor, über die Investing.com berichtet. Als Ursache gilt der Krieg im Nahen Osten und die daraus resultierenden Versorgungsunterbrechungen, die die globalen Ölpreise oberhalb von 100 US-Dollar pro Barrel gehalten haben.
Konkret lag der steuerliche Ölpreis Russlands in den ersten drei Wochen des Oktober bei durchschnittlich 8.699 Rubel (103,4 US-Dollar) pro Barrel. Das entspricht einem Anstieg von etwa 11% gegenüber dem September. Sollten sich die Ölpreise und der Wechselkurs des Rubels bis zum Monatsende stabilisieren, wird der für Steuerberechnungen verwendete Rubel-Ölpreis im Monatsdurchschnitt bei 8.387 Rubel (100,2 US-Dollar) pro Barrel liegen. Dies wäre das höchste Niveau seit März 2022.
Für die Einnahmeplanung im Haushalt war die Regierung von einem russischen Ölpreis von 59 US-Dollar pro Barrel sowie einem Wechselkurs von 92,2 Rubel pro Dollar ausgegangen. Das entspricht einem Wert von 5.440 Rubel pro Barrel. Die tatsächlichen Werte liegen damit weit über der Kalkulation, auf der die staatlichen Einnahmeerwartungen aufbauen.
Die Details
Die Berechnungen zeigen, wie stark die Diskrepanz zwischen Planung und Realität inzwischen ist. Der steuerrelevante Ölpreis übersteigt die Haushaltsannahme um rund 60%, was für den russischen Staatshaushalt erhebliche Mehreinnahmen aus dem Energiesektor bedeutet. Russland ist der weltweit zweitgrößte Ölexporteur, und die Ölsteuern gehören zu den wichtigsten Einnahmequellen des Staates.
Der Anstieg von September auf Oktober fällt mit 11% deutlich aus. Maßgeblich dafür sind die internationalen Ölpreise, die infolge des Nahost-Krieges und der damit verbundenen Lieferunterbrechungen über der Marke von 100 US-Dollar pro Barrel geblieben sind. Der steuerliche Ölpreis wird in Rubel berechnet und hängt damit sowohl von der Entwicklung der globalen Ölpreise als auch vom Wechselkurs der russischen Währung ab.
Parallel dazu steht Russland vor einer angespannten Haushaltslage. Für das Jahr 2026 rechnet die Regierung mit einem Haushaltsdefizit in Höhe von 3% des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Das ist fast doppelt so hoch wie der ursprüngliche Zielwert und höher als im Vorjahr. Bereits in den Monaten Januar bis August hatte das Defizit 2,5% des BIP erreicht.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuelle Entwicklung ist Teil einer volatilen Preisentwicklung, die aktien.news in den vergangenen Monaten mehrfach begleitet hat. Bereits am 26.05.2026 berichtete aktien.news, dass der Preis für russisches Rohöl in Rubel im Mai gegenüber dem Vormonat um 11% gefallen war. Ausschlaggebend waren damals ein erstarkter Rubel sowie nachgebende internationale Ölpreise. Im Zeitraum vom 1. bis zum 22. Mai lag der Preis bei durchschnittlich 6.518 Rubel pro Barrel, nach 7.299 Rubel im April – dem höchsten Stand seit Oktober 2023.
Am 02.07.2026 meldete aktien.news, dass der durchschnittliche russische Ölpreis für Steuerzwecke im Juni auf 63,52 US-Dollar pro Barrel gesunken war. Das entsprach einem Rückgang von fast 27% gegenüber dem Vormonat Mai, in dem der steuerrelevante Preis noch bei 86,52 Dollar pro Barrel gelegen hatte. Trotz dieses massiven Rückgangs lag der Juni-Wert noch 4,50 Dollar über dem im russischen Bundeshaushalt für das laufende Jahr veranschlagten Niveau.
Bereits am 04.02.2026 hatte aktien.news berichtet, dass sich Russlands Haushaltsdefizit bis Ende 2026 laut vertraulichen Berechnungen eines regierungsnahen Think Tanks fast verdreifachen könnte. Als Hauptgründe nannte eine Reuters-Quelle aus Regierungskreisen sinkende Öleinnahmen und höhere Ausgaben als geplant. Besonders problematisch entwickelte sich damals der Ölhandel mit Indien, einem der wichtigsten Abnehmer russischen Rohöls seit Beginn der westlichen Sanktionen.
Am 09.04.2026 berichtete aktien.news schließlich, dass Russland im April 2026 eine Verdoppelung seiner wichtigsten Ölsteuereinnahmen auf rund 9 Milliarden US-Dollar verzeichnete. Auslöser war die schwere Energiekrise, die durch den Angriff der USA und Israels auf den Iran ausgelöst wurde. Ölhändler bezeichneten die Lage damals als die schwerste Energiekrise der jüngeren Geschichte.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Entwicklung vor allem als Signal für die Stabilität der russischen Staatsfinanzen relevant. Die Ölsteuereinnahmen sind eine zentrale Stütze des russischen Haushalts. Liegt der steuerrelevante Ölpreis deutlich über den Planungen, verbessert das kurzfristig die Einnahmebasis des Staates. Umgekehrt zeigt der Blick auf die vergangenen Monate, wie schnell diese Basis wieder wegbrechen kann: Im Mai und Juni war der steuerrelevante Preis teils deutlich gefallen, ehe er im Oktober wieder anzog.
Gleichzeitig bleibt die Haushaltslage angespannt. Die Regierung hat in diesem Jahr die Steuern erhöht, um die Ausgaben für den Krieg in der Ukraine zu finanzieren. Für 2025 beabsichtigt sie, das Haushaltsdefizit von 2,6% auf 1,6% des BIP zu senken. Das Defizit der Monate Januar bis August hatte jedoch bereits 2,5% des BIP erreicht. Anleger sollten daher sowohl die Preisentwicklung am Ölmarkt als auch die Wechselkursentwicklung des Rubels im Blick behalten, da beide Größen den steuerrelevanten Ölpreis bestimmen. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Ausblick
Für den weiteren Verlauf des Oktober bleibt entscheidend, ob sich die Ölpreise und der Wechselkurs des Rubels bis zum Monatsende stabilisieren. In diesem Fall würde der steuerrelevante Ölpreis im Monatsdurchschnitt bei 8.387 Rubel (100,2 US-Dollar) pro Barrel liegen – das höchste Niveau seit März 2022. Für das Jahr 2026 rechnet die Regierung mit einem Haushaltsdefizit von 3% des BIP. Für 2025 peilt sie eine Reduzierung des Defizits von 2,6% auf 1,6% des BIP an.
Kurz erklärt
- Steuerlicher Ölpreis: Ein speziell für die Berechnung staatlicher Abgaben und Einnahmen herangezogener Referenzpreis für Rohöl.
- Haushaltsdefizit: Der Betrag, um den die staatlichen Ausgaben die Einnahmen in einem Zeitraum übersteigen.
- BIP: Das Bruttoinlandsprodukt misst den Gesamtwert aller Waren und Dienstleistungen, die in einer Volkswirtschaft erwirtschaftet werden.
- Wechselkurs: Der Preis, zu dem eine Währung gegen eine andere getauscht wird, hier Rubel gegen US-Dollar.
