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Rohölflüsse im Nahen Osten erreichen 98 Prozent des Vorkriegsniveaus

JPMorgan und Goldman Sachs sehen eine bemerkenswerte Erholung der Ölexporte – trotz anhaltender Risiken für die Schifffahrt.

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Rohölflüsse im Nahen Osten erreichen 98 Prozent des Vorkriegsniveaus

Die Rohölflüsse aus dem Nahen Osten kehren wieder auf das Niveau vor dem Krieg zurück. Nach übereinstimmenden, aber separat erstellten Schätzungen von JPMorgan Chase & Co. und Goldman Sachs Group Inc. erreichen die Exporte der Region inzwischen 98 Prozent des Vorkriegsniveaus. Das berichtet Bloomberg Europe unter Berufung auf die beiden US-Investmentbanken.

Damit normalisiert sich eine der wichtigsten Ölversorgungsrouten der Welt weiter – obwohl die Region ausdrücklich noch nicht zur Ruhe gekommen ist. Die Entwicklung verläuft nach Einschätzung der Analysten allerdings ungleichmäßig. Für die globalen Energiemärkte ist die Nachricht dennoch von erheblicher Bedeutung, denn der Nahe Osten zählt zu den größten Lieferanten von Rohöl für den Seehandel.

Die Details

In einem Bericht vom 29. September schreiben Analysten von JPMorgan, darunter Natasha Kaneva, dass die „Exportadern des Nahen Ostens für Öl wieder fließen“. Die Bank wertet dies als „eine bemerkenswerte Erholung für eine Region, die sich immer noch im Kriegszustand befindet“. Zugleich betonen die Analysten, dass der Weg zurück nicht geradlinig verlief.

Die Zahl von 98 Prozent des Vorkriegsniveaus stammt aus den Schätzungen beider Häuser. Goldman Sachs Group Inc. und JPMorgan Chase & Co. kommen unabhängig voneinander zu vergleichbaren Ergebnissen. Die Angaben beziehen sich auf die Rohölflüsse aus der Region insgesamt, nicht auf einzelne Länder.

Bemerkenswert ist der Zeitpunkt der Einschätzung: Die Analysten veröffentlichen ihre Bewertung, obwohl die Risiken für die Schifffahrt in der Region weiterhin bestehen. Die Erholung der Exportströme ist also nicht das Ergebnis einer vollständigen Entspannung, sondern findet in einem Umfeld anhaltender Gefahren statt.

Hintergrund: Was bisher geschah

Die aktuelle Entwicklung ist Teil einer längeren Achterbahnfahrt an den Ölmärkten. Bereits am 21.09.2026 berichtete aktien.news, dass die Ölpreise trotz Nahost-Spannungen fielen und die Märkte aufatmeten. Auslöser war ein Rückgang der Ölpreise, der durch teils widersprüchliche Berichte über ein steigendes Ölangebot aus dem Nahen Osten ausgelöst wurde. Der Brent-Ölpreis war am Wochenende nach einem Angriff der Huthi-Rebellen auf die saudi-arabische Hauptstadt zunächst gestiegen, gab dann aber um rund zwei Prozent nach. Grund dafür waren Hoffnungen, dass Saudi-Arabien einige Durchflussmengen durch seine Ost-West-Pipeline schnell wiederherstellen könne.

Nur drei Tage später, am 24.09.2026, meldete aktien.news, dass die Rohölexporte Saudi-Arabiens im September auf den höchsten Stand seit Beginn des Iran-Krieges gestiegen seien. Das Königreich hatte seine Ausfuhren über die Straße von Hormus nach einem Angriff auf seine zentrale Umgehungspipeline schnell hochgefahren, wie aus Marktdaten hervorging. Damit reagierte das Land auf eine Störung, die einen zentralen Knotenpunkt seiner Exportlogistik getroffen hatte. Saudi-Arabien ist mit Abstand der weltweit größte Lieferant von Seehandelöl, weshalb Händler die Exporte des Königreichs besonders genau beobachten.

Noch früher im Jahr hatte JPMorgan deutlich pessimistischere Töne angeschlagen. Am 03.04.2026 berichtete aktien.news, dass die US-Investmentbank Alarm schlug: Falls die Lieferströme durch die Straße von Hormus bis Mitte Mai unterbrochen bleiben, könnte der Ölpreis auf über 150 US-Dollar pro Barrel klettern. Kurzfristig hielt J.P. Morgan bereits einen Anstieg auf 120 bis 130 Dollar für möglich. Durch die Straße von Hormus fließen täglich rund 20 Prozent des global gehandelten Rohöls – vor allem aus Saudi-Arabien, dem Irak und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Am 24.04.2026 folgte eine weitere Warnung: Natasha Kaneva, Rohstoffanalystin bei JPMorgan, erklärte laut aktien.news, die Ölpreise müssten noch erheblich weiter steigen, um ein gefährliches Ungleichgewicht auf den globalen Energiemärkten zu beheben. Kaneva und ihr Team sprachen von „einfacher Mathematik“ und meinten damit ein fundamentales Marktprinzip. Ihre Kernthese: Rohstoffmärkte werden stets in ein Gleichgewicht gezwungen, bei dem Angebot und Lagerentnahmen dem tatsächlichen Verbrauch entsprechen müssen. Solange diese Balance nicht erreicht ist, bleibt Druck auf die Preise bestehen – nach oben.

Was das für Anleger bedeutet

Für deutsche Privatanleger ist die Nachricht aus mehreren Gründen relevant. Erstens wirkt sich das Ölangebot aus dem Nahen Osten unmittelbar auf die globalen Energiepreise aus – und damit auf Inflation, Konjunktur und die Notenbankpolitik. Zweitens sind viele deutsche Anleger über Aktien, Fonds und ETFs indirekt an Energiewerten und der Ölpreisentwicklung exponiert.

Die Rückkehr der Exportströme auf 98 Prozent des Vorkriegsniveaus deutet auf eine Entspannung des Angebots hin. Das kann den Preisdruck mindern, den JPMorgan-Analystin Kaneva im April noch als erheblich beschrieben hatte. Allerdings mahnen die Analysten selbst zur Vorsicht: Die Erholung verläuft ungleichmäßig, und die Risiken für die Schifffahrt bestehen weiter. Anleger sollten daher die weitere Entwicklung der Exportmengen und der Schifffahrtsrouten aufmerksam verfolgen.

Wichtig ist der Hinweis, dass die Einschätzung von JPMorgan und Goldman Sachs keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung darstellt. Es handelt sich um Marktanalysen, die sich auf die tatsächlichen Lieferströme beziehen. Die Bewertung von Ölpreisrisiken bleibt eine komplexe Aufgabe, bei der geopolitische Ereignisse kurzfristig starke Ausschläge verursachen können – wie der Angriff auf die saudi-arabische Hauptstadt und die Reaktion des Brent-Preises im September zeigten.

Ausblick

Konkrete Termine oder Prognosen für die weitere Entwicklung nennen die Quellen nicht. Klar ist aus dem JPMorgan-Bericht vom 29. September lediglich, dass die Analysten die Erholung als bemerkenswert, aber ungleichmäßig einstufen. Die Region befindet sich weiterhin im Kriegszustand, und die Risiken für die Schifffahrt sind nicht beseitigt.

Für die Märkte bleibt damit entscheidend, ob die Exportströme ihr Vorkriegsniveau vollständig erreichen und ob die Schifffahrtsrisiken weiter abnehmen. Die früheren Berichte von aktien.news zeigen, wie schnell sich die Lage ändern kann: Von Warnungen vor einem Ölpreis von über 150 US-Dollar pro Barrel im April bis zur aktuellen Erholung der Exporte lagen nur wenige Monate.

Kurz erklärt

  • Rohölfluss: die Menge an Rohöl, die aus einer Region exportiert und über See- oder Pipelinesysteme transportiert wird.
  • Straße von Hormus: eine Meerenge, durch die ein großer Teil des weltweit gehandelten Rohöls transportiert wird.
  • Vorkriegsniveau: der Stand der Ölexporte, der vor Ausbruch des Krieges in der Region gemessen wurde.
  • Brent-Ölpreis: der Referenzpreis für Rohöl aus der Nordsee, der als Richtwert für den Weltmarkt gilt.
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