Ölpreis stabilisiert sich: Nahost-Exporte fast auf Vorkriegsniveau
Brent notiert bei rund 96 US-Dollar, WTI bei etwa 90 US-Dollar – Saudi-Arabien nimmt Pipeline wieder in Betrieb.

Die Ölpreise haben sich nach dem stärksten Rückgang seit mehr als einer Woche stabilisiert. Auslöser sind Anzeichen dafür, dass das Angebot aus dem Nahen Osten wieder nahe an das Niveau vor Kriegsbeginn herangerückt ist. Saudi-Arabien hat den Durchfluss durch eine Pipeline wieder aufgenommen, die die Straße von Hormus umgeht – jenen Seeweg, über den ein erheblicher Teil der globalen Rohölversorgung abgewickelt wird.
Der am aktivsten gehandelte Brent-Vertrag notierte bei rund 96 US-Dollar pro Barrel. In der vorherigen Sitzung war der internationale Referenzpreis um 1,7 Prozent gefallen. West Texas Intermediate (WTI), die US-Referenzsorte, lag bei etwa 90 US-Dollar pro Barrel.
Für Entspannung an den Märkten sorgt vor allem eine Zahl: Der zehntägige Durchschnitt der Rohölexporte aus dem Nahen Osten ist auf 17,5 Millionen Barrel pro Tag gestiegen. Das entspricht 98 Prozent des Vorkriegsniveaus. Diese Angaben stammen aus einem Bericht von JPMorgan-Analysten unter der Leitung von Natasha Kaneva. Die Nachricht wurde von Bloomberg Europe am 29. September 2026 veröffentlicht.
Die Details
Im Zentrum der aktuellen Entwicklung steht die Wiederaufnahme des Pipeline-Durchflusses durch Saudi-Arabien. Diese Leitung verläuft geografisch so, dass sie die Straße von Hormus umgeht. Damit kann das Königreich Rohöl exportieren, ohne auf die maritime Engstelle angewiesen zu sein. Genau dieser Umstand erklärt, warum die Notierungen trotz der weiterhin angespannten Lage in der Region nicht weiter gestiegen sind, sondern sich auf dem erreichten Niveau halten.
Die beiden maßgeblichen Preisbenchmarks liegen damit deutlich unter den Werten, die in früheren Phasen des Konflikts notiert wurden. Brent bei rund 96 US-Dollar und WTI bei etwa 90 US-Dollar markieren den aktuellen Stand nach einem Rückgang von 1,7 Prozent beim Brent-Vertrag in der vorangegangenen Sitzung. Der zehntägige Durchschnitt der Exporte aus der Region von 17,5 Millionen Barrel pro Tag zeigt, wie weit die Liefermengen bereits wieder normalisiert sind.
Das Bildmaterial, das die Meldung begleitet, zeigt Tanks zur Lagerung von Kraftstoffen auf der Isle of Grain in der Nähe von Rochester in Großbritannien. Die Anlage steht symbolisch für die europäische Perspektive auf die Versorgungslage: Großbritannien und Kontinentaleuropa sind auf verlässliche Importe angewiesen und reagieren entsprechend sensibel auf jede Nachricht über Störungen im Nahen Osten.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuelle Beruhigung ist Teil einer Entwicklung, die sich über mehrere Wochen aufgebaut hat. Bereits am 17.09.2026 berichtete aktien.news, dass die Ölpreise weiter gefallen seien, nachdem Saudi-Arabien Berichten zufolge alternative Exportrouten für Rohöl aktiviert hatte. Damals notierte Brent bei 105,81 US-Dollar pro Barrel, US-Rohöl gab um 0,22 Prozent auf 102,14 US-Dollar pro Barrel nach. Laut Reuters stellte das Königreich asiatischen Raffinerien zusätzliche Rohölladungen durch Schiff-zu-Schiff-Umladungen bereit.
Am 21.09.2026 meldete aktien.news, dass die neue Handelswoche mit einer optimistischen Note begonnen habe. Der Brent-Ölpreis war am Wochenende nach einem Angriff der Huthi-Rebellen auf die saudi-arabische Hauptstadt zunächst gestiegen, gab dann aber um rund zwei Prozent nach. Grund dafür waren Hoffnungen, dass Saudi-Arabien einige Durchflussmengen durch seine Ost-West-Pipeline schnell wiederherstellen könne. Admiral Brad Cooper, Chef des US-Zentralkommandos, erklärte am Wochenende, dass das Volumen an Rohöl, Frachtgütern und weiteren Lieferungen sich erhole.
Nur einen Tag später, am 22.09.2026, berichtete aktien.news, dass die Ölpreise am fünften Handelstag in Folge deutlich gefallen seien und ein Zwei-Wochen-Tief erreicht hätten. Brent rutschte kurzzeitig unter 98 US-Dollar pro Barrel, US-Rohöl fiel unter 93 US-Dollar pro Barrel – die niedrigsten Preise seit dem 8. September. Auslöser waren Hoffnungsschübe auf eine erneute diplomatische Initiative zur Beendigung des Iran-Krieges sowie Optimismus bezüglich der Wiedereröffnung einer kritischen Pipeline in Saudi-Arabien. Der Preisverfall begann bereits in der Nacht, nachdem Berichte aufkamen, der Iran wolle die Straße von Hormus innerhalb weniger Tage wieder öffnen, falls die USA Schritte zur Linderung des Drucks gegen das Land einleiten.
Noch weiter zurück liegt der Bericht vom 18.03.2026. Damals fielen die Ölpreise im asiatischen Handel um 2 Prozent, nachdem sich die irakische Bundesregierung und die Regionalregierung Kurdistans auf die Wiederaufnahme von Ölexporten über den türkischen Hafen Ceyhan geeinigt hatten. Die Brent-Futures gaben um 2,3 Prozent auf 101,05 Dollar pro Barrel nach, WTI sogar um 3,3 Prozent auf 93,03 Dollar. Verstärkt wurde der Rückgang bei WTI durch überraschend hohe US-Lagerbestandsdaten: Das American Petroleum Institute (API) meldete einen Anstieg der US-Ölvorräte um 6,6 Millionen Barrel.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Meldung in mehrfacher Hinsicht relevant. Erstens wirken Ölpreise über die Kraftstoff- und Heizkosten unmittelbar auf die Inflation im Euroraum und damit auf die Erwartungen an die Geldpolitik. Zweitens beeinflussen sie die Gewinnaussichten energieintensiver Branchen wie Chemie, Logistik und Luftfahrt. Drittens sind Rohstoffpreise ein wichtiger Treiber für die Stimmung an den internationalen Aktienmärkten.
Die aktuellen Zahlen zeigen eine Verschiebung: Das Angebotsrisiko, das den Markt über Wochen getrieben hat, hat messbar abgenommen. Mit 98 Prozent des Vorkriegsniveaus liegt die Exportmenge aus dem Nahen Osten nur noch knapp unter dem Ausgangspunkt. Gleichzeitig bleibt die Lage fragil, wie die Berichte der vergangenen Wochen belegen – Angriffe auf die Infrastruktur, diplomatische Initiativen und Pipeline-Wiedereröffnungen haben die Notierungen wiederholt in beide Richtungen bewegt. Anleger sollten daher einordnen, dass die derzeitige Stabilisierung auf einer konkreten Lieferverbesserung beruht und nicht auf einer dauerhaften Lösung des Konflikts. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Ausblick
Der Quelltext nennt keine konkreten Termine für weitere Schritte. Beobachtungspunkte bleiben der Durchfluss durch die saudische Pipeline, die Entwicklung der Exportmengen aus dem Nahen Osten sowie die Frage, ob sich der zehntägige Durchschnitt von 17,5 Millionen Barrel pro Tag weiter dem Vorkriegsniveau annähert. Die JPMorgan-Analysten um Natasha Kaneva beziffern den aktuellen Stand auf 98 Prozent dieses Niveaus. In den vorliegenden Berichten finden sich keine Angaben dazu, wann die verbleibende Lücke geschlossen werden soll.
Kurz erklärt
- Brent: Ein internationaler Referenzpreis für Rohöl, der vor allem für die europäische und asiatische Versorgung als Maßstab gilt.
- WTI: Die Referenzsorte für US-amerikanisches Rohöl, die an der Börse in New York gehandelt wird.
- Straße von Hormus: Eine maritime Engstelle im Nahen Osten, durch die ein großer Teil der weltweiten Ölexporte verschifft wird.
- Barrel: Die international gebräuchliche Mengeneinheit für Rohöl.
- Zehntägiger Durchschnitt: Ein Mittelwert über zehn Handelstage, der kurzfristige Ausschläge glättet und den Trend sichtbar macht.
