Rio Tinto: Bor-Vermögenswerte wecken Interesse von über zwölf Bietern
Die US-Bor-Anlagen des Bergbauriesen in Kalifornien könnten bis zu zwei Milliarden US-Dollar einbringen.

Die US-amerikanischen Bor-Vermögenswerte von Rio Tinto stehen offenbar vor einem Verkauf. Laut einem Bericht von Bloomberg News haben mehr als ein Dutzend potenzielle Bieter Interesse an den Anlagen des britisch-australischen Bergbaukonzerns in Kalifornien angemeldet. Der Wert der Assets wird auf bis zu zwei Milliarden US-Dollar geschätzt.
Zu den Interessenten zählen laut Bloomberg unter anderem WE Soda, Magris Resources und U.S. Silica Holdings. Es wird erwartet, dass diese Unternehmen Rio Tinto bis spätestens Juni verbindliche Angebote vorlegen. Magris Resources lehnte eine Stellungnahme gegenüber Reuters ab; Rio Tinto sowie die beiden anderen genannten Bieter reagierten zunächst nicht auf Anfragen.
Bor: Ein strategisch bedeutsames Mineral
Bor ist ein vielseitig einsetzbares Mineral, das in zahlreichen Industrie- und Technologiebereichen eine wichtige Rolle spielt. Es findet Verwendung in der Kernenergie, in Windkraftanlagen, Spezialglas, Keramik und modernen Dämmstoffen. Darüber hinaus wird es in Düngemitteln, Reinigungschemikalien sowie als Zusatzstoff bei Öl- und Gasbohrungen eingesetzt.
Die strategische Bedeutung des Minerals wurde zuletzt offiziell anerkannt: Im vergangenen Jahr nahmen der U.S. Geological Survey und das US-Innenministerium Bor in die Liste der kritischen Mineralien der Vereinigten Staaten auf. Diese Einstufung spiegelt die Besorgnis über Versorgungsrisiken, begrenzte Ersatzmöglichkeiten und die starke Konzentration der globalen Produktion außerhalb der USA wider. Für Investoren und Industrieunternehmen unterstreicht diese Klassifizierung die langfristige Relevanz des Rohstoffs.
Milliardenprogramm unter neuem CEO
Der geplante Verkauf der Bor-Anlagen fügt sich in eine umfassendere Strategie von Rio Tinto ein. CEO Simon Trott legte 2025 einen Plan vor, durch Desinvestitionen und Produktivitätssteigerungen zwischen fünf und zehn Milliarden US-Dollar zu erwirtschaften. Ziel ist es, die Konzernstruktur des weltweit größten Eisenerzförderers zu vereinfachen und schlanker aufzustellen.
Für deutsche Privatanleger ist dieser Vorgang aus mehreren Gründen relevant. Rio Tinto gehört zu den global bedeutendsten Rohstoffkonzernen und ist an vielen europäischen Börsen handelbar. Gleichzeitig zeigt die wachsende Nachfrage nach kritischen Mineralien wie Bor, wie stark die Energiewende und moderne Technologien die Rohstoffmärkte verändern. Die Einstufung von Bor als kritisches Mineral in den USA dürfte den Wettbewerb um die Californischen Anlagen weiter anheizen und könnte den Verkaufspreis in Richtung der genannten zwei Milliarden US-Dollar treiben.
Ob und wann ein endgültiger Deal zustande kommt, bleibt abzuwarten. Die Frist für verbindliche Angebote bis Juni 2025 gibt dem Prozess jedoch einen klaren zeitlichen Rahmen.
