Iran-Krieg treibt Aluminium auf höchsten Stand seit 2022
Golfregion-Schmelzhütten durch Raketenangriffe beschädigt – Kupfer und Zinn zeigen dagegen Angebotsüberschüsse.

Der seit fünf Wochen andauernde Iran-Krieg hat die Metallmärkte der London Metal Exchange (LME) in unterschiedliche Richtungen getrieben. Während spekulative Übertreibungen bei Kupfer und Zinn korrigiert wurden, kletterte Aluminium auf den höchsten Stand seit 2022. Ursache sind direkte Kriegsschäden an zwei bedeutenden Schmelzhütten am Persischen Golf.
Die Golfregion trägt rund 9 % der weltweiten Aluminiumschmelzkapazität und 18 % der globalen Exporte außerhalb Chinas. Die faktische Schließung der Straße von Hormus sorgte zunächst für logistische Engpässe. Sowohl die katarische Schmelzhütte Qatalum als auch Aluminium Bahrain (Alba) drosselten ihre Produktion, um Rohstoffvorräte zu schonen.
Dann folgten direkte Raketenangriffe: Alba arbeitet nach iranischen Angriffen nur noch mit 30 % Kapazität. Die riesige Al Taweelah-Schmelzhütte von Emirates Global Aluminium steht nach Schäden an ihrem Kraftwerk laut dem Beratungsunternehmen Wood Mackenzie komplett still. Westliche Aluminiumkäufer leiden unter einem Doppelschlag: steigende LME-Preise und sprunghaft wachsende physische Prämien.
Kupfer und Zinn: Spekulation trifft auf Realität
LME-Kupfer hatte im Januar noch ein nominales Allzeithoch von 14.527,50 US-Dollar je Tonne markiert. Investoren setzten auf das Bullen-Narrativ von glänzendem Nachfragewachstum und begrenztem Angebot. Doch die Realität sah anders aus: Die weltweiten Börsenbestände schlossen den März bei knapp über 1,4 Millionen Tonnen – ein Mehrjahreshoch.
Der wachsende Überschuss dämpfte den Optimismus. LME-Kupfer mit dreimonatiger Laufzeit beendete das erste Quartal bei 12.335,50 US-Dollar je Tonne – 15 % unter dem Januarhoch und nahezu unverändert gegenüber Jahresbeginn. Beide Metalle, Kupfer wie Zinn, werden in einem breiten Contango gehandelt, was signalisiert: Ein unmittelbarer Versorgungsengpass ist nicht in Sicht.
Ähnlich verlief die Entwicklung bei Zinn, das im Januar auf ein Rekordhoch von 59.040 US-Dollar je Tonne sprang. Industrieakteure reagierten mit massiver Einlagerung: Die registrierten LME-Zinnbestände stiegen seit Jahresbeginn um 60 % auf 8.675 Tonnen, weitere 2.951 Tonnen lagern in der LME-Kategorie der sogenannten Off-Warrant-Bestände. Auch bei Nickel und Blei besteht keine Gefahr eines Defizits – die Bestände sind hoch, die Zeitspannen-Spreads entspannt.
Fazit: Händler lagen beim falschen Metall richtig
Die Metall-Bullen des ersten Quartals setzten auf die falschen Versorgungskrisen. Während Kupfer und Zinn trotz spekulativer Euphorie von Angebotsüberschüssen gedrückt wurden, entpuppte sich Aluminium als das Metall mit dem realen Lieferproblem. Der Iran-Krieg hat die Fragilität westlicher Aluminiumlieferketten schonungslos offengelegt – und dürfte die Märkte weiter in Atem halten.
